Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index


Themen
Gesellschaft
Klimawandel
Klimasystem
Ursachen und Folgen
Klimapolitik
Maßnahmen
Energieeffizienz
CO2-Speicherung
Bioenergie
Kommunaler Klimaschutz
Bauen und Wohnen
Verkehr
Ökologisches Bewusstsein
Der Mensch als Klimaschützer
Beispiel Namibia
Solar & Spar
Bildergalerien
Ausstellung
Weitere bpb-Angebote
Quiz
Glossar
Slideshow
Publikationen
Veranstaltungen
Wissen
Lernen
ZMI Universität Giessen Arte netzeitung.de Arte ZMI Universität Giessen taz Kulturstiftung des Bundes Berliner Konferenz Universität Duisburg-Essen Köln International School of Design
Suche
Dossier bpb.de

Maßnahmen

Energie- und Materialeffizienz


 1 / 2 
weiter
Wolfgang Irrek / Kora Kristof
Einführung
Energiesparhaus_Freiburg
Grossansicht des Bildes
Niedrigernergieahäuser in Freiburg. Foto: AP
Natürliche Ressourcen, d. h. Energie, abiotische oder nachwachsende Materialien, Wasser und Fläche, werden weltweit oft sehr ineffizient genutzt. Dies führt nicht nur zu eigentlich vermeidbaren negativen Umweltauswirkungen etwa durch Emissionen, Versiegelung von Böden oder Abfälle. Damit verbunden sind in Förderländern vielfach auch gesundheitsgefährdende und ausbeutende Arbeitsbedingungen. Der übergroße heutige Ressourcenverbrauch geht außerdem zu Lasten der kommenden Generationen. Und schließlich bleiben hierdurch Kostensenkungsmöglichkeiten ungenutzt.

Dies sind viele gute Gründe, die Ressourceneffizienz deutlich zu steigern. Nach vorliegenden Szenariorechnungen verschiedener wissenschaftlicher Institute wird von Ressourceneffizienzsteigerungen in den nächsten Jahren der größte Beitrag zum Klimaschutz erwartet. Die Lösungsansätze zur Energie- und Materialeinsparung und Konzepte zu ihrer Umsetzung sind bereits weitgehend vorhanden. Es fehlt aber an ihrer forcierten Umsetzung. Warum das so ist und wie das zu ändern ist, ist die entscheidende Frage.

Zur Person
Wolfgang Irrek
geb. 1965; Studium der Wirtschaftswissenschaften, Diplom-Ökonom, Promotion zum Dr. rer. oec.; derzeit stellvertretender Leiter in der Forschungsgruppe "Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik" am Wuppertal Institut. Seine Schwerpunkte sind: Energieeffizienz, Kernenergie, Ökonomische Analysen im Energiebereich.

Um Antworten auf diese Frage geben zu können, wenden wir uns zunächst dem Ausgangpunkt zu: Wie viele Ressourcen wir in Deutschland verbrauchen und welchen Anteil wir wirtschaftlich einsparen könnten. Um von diesem Ausgangspunkt zu einer nachhaltigeren, international und inter-temporal zukunftsfähigeren Lösung zu kommen, sind grundlegende Veränderungen erforderlich, die anschließend dargestellt werden.

Ressourcenverbrauch

In der Entwicklung des deutschen Energie- und Materialverbrauchs zeichnet sich eine gewisse Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch ab. Während das reale Bruttoinlandsprodukt immer weiter gestiegen ist, liegen Primärenergieverbrauch und globaler Materialaufwand in Deutschland seit 1991 unter ihrem Ausgangswert. Der globale Ressourcenaufwand umfasst dabei die direkt eingesetzten Materialinputs (verwertete inländische Ressourcenentnahmen und Einfuhren), die in der jeweiligen Volkswirtschaft weiterverarbeitet werden, und deren "ökologische Rucksäcke" (z. B. der Abraum bei der Kupferförderung), die auch zu maßgeblichen Umweltbelastungen führen, sich aber nicht im Produkt (z. B. Kupferdraht) wiederfinden.

Zur Person
Kora Kristof
Studium der Volkswirtschaftslehre und Promotion zu einer energiewirtschaftlichen Fragestellung; Leiterin des Themenbereichs "Materialeffizienz und Ressourcenschonung" und Programmleiterin der Forschungsgruppe "Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren" des Wuppertal Instituts. Arbeitsschwerpunkte: Innovations- / Diffusionsforschung, Ressourcen / Ressourcenpolitik / Nachwachsende Rohstoffe, Energiewirtschaft / -politik, Öko-effiziente Dienstleistungen, Instrumente und Institutionen nachhaltiger Entwicklung, Nachhaltigkeits-Ziele/Indikatoren, Agenda 21, Zukunft der Arbeit.

Eine weitere Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch ist zukünftig aber nur solange möglich, wie die gesamtwirtschaftliche Ressourceneffizienzsteigerungsrate höher als die Rate des Wirtschaftswachstums ist, d. h. solange die durch technischen, sozialen oder institutionell-strukturellen Fortschritt ausgelösten Effizienzsteigerungen nicht durch das Wirtschaftswachstum aufgefressen werden. Neben technologischen Entwicklungen ist für die absolute Senkung des Ressourceneinsatzes eine grundlegende Veränderung der Produktions- und Konsummuster in Richtung Nachhaltigkeit erforderlich.

Der Ressourcenverbrauch der inländischen Produktion ist in Deutschland zwischen 1991 und 2000 von 5.843 auf 5.289 Millionen Tonnen um ca. 9 Prozent gesunken. Gleichzeitig stiegen aber die "ökologischen Rucksäcke" durch die Ressourcenentnahmen im Ausland, d. h. ökologische und soziale Folgewirkungen wurden zunehmend in andere Länder verlagert. Pro Kopf lag im Jahr 2004 der durchschnittliche Ressourcenverbrauch in Deutschland bei 73,8 Tonnen (1994: 73,0 Tonnen). Die Energieträgerbereitstellung verursachte etwa 42,5 Prozent des globalen Materialaufwands im Jahr 2004 in Deutschland. Bei der Energieintensität pro Kopf lag Deutschland mit fast 50.000 Kilowattstunden (kWh) im Jahr 2004 fast auf der Höhe von Japan und deutlich unter dem Pro-Kopf-Verbrauch der US-amerikanischen Bevölkerung (über 90.000 kWh).

Einsparpotenziale

Trotz unterschiedlicher Annahmen, Datengrundlagen und Detailergebnissen belegen verschiedenste Studien, dass in Deutschland und Europa insgesamt etwa 20 bis 30 Prozent Endenergieeinsparung gegenüber dem Trend mit heute verfügbaren Technologien und organisatorischen Lösungsansätzen wirtschaftlich umsetzbar sind. Dazu müssten "lediglich" bei den in den nächsten Jahren ohnehin stattfindenden Sanierungen oder beim Ersatz oder der Systemoptimierung alter Anlagen und Geräte jeweils eine effiziente, wirtschaftliche Lösung gewählt werden. Zwar sind mit den effizienten Lösungen in der Regel höhere Anschaffungskosten verbunden, die jedoch durch eingesparte Energie- und Wartungskosten mehr als kompensiert werden. Zu den Endenergieeinsparungen hinzu kommen Effizienzsteigerungsmöglichkeiten in der Energieumwandlung und -verteilung. Die Ansatzpunkte zur Materialeinsparung sind umfangreich und ebenfalls vielfach wirtschaftlich. Sie liegen für materialintensive Branchen nach ersten Einschätzungen bei 10 bis 20 Prozent.

Beispiele und Möglichkeiten für eine ressourceneffiziente Gestaltung von Produkten, Prozessen und Systemen sind vielfältig - insbesondere auch in den Bereichen Energie, Verkehr, Bauwesen und Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Ernährung. Sie reichen von der effizienten Rohstoffförderung über effiziente Gestaltung von Infrastrukturen, Versorgungsanlagen und Mobilitätssystemen bis hin zur effizienten Nutzung von Material, Wasser, Energie und Fläche für die verschiedenen Endnutzungen in privaten Haushalten, Industrie, Gewerbe und Dienstleistungsbereich (inklusive öffentlicher Verwaltungen). Am Ende der Prozessketten stehen effiziente Recyclingmöglichkeiten.


02. März 2009

 1 / 2  weiter


 
Druck-Version
Artikel versenden
Redaktion

Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home