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Dossier - Frauenfußball-WM 2007
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Mannschaftsporträt Schweden |

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Rainer Fußgänger
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Sara Thunebro setzt sich gegen die nigerianische Spielerin Chi-Chi Igbo durch. (Foto: AP)
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Wie in den meisten anderen europäischen Ländern ist Frauenfußball in organisierter Form ein relativ junger Sport. Zwar gab es schon 1918 eine Begegnung zweier Stockholmer Teams, aber der Widerstand insbesondere der männlichen Bevölkerung war spürbar groß. Frauen, so eine zeitgenössische schwedische Sportzeitung, dürften zwar in Gymnastikhosen gegen einen Ball treten, doch sollten sie diese Beschäftigung nicht Fußball nennen.
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In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es in Umeå Spiele zwischen Mannschaften verschiedener Betriebe, die einer Serie ähnelten, aber der eigentliche Durchbruch fand erst 1968 statt, als sich Teams in Västergötland, der Provinz östlich von Göteborg bildeten. Einer dieser Clubs war Öxabäcks IF, der schließlich 1973 auch die erste offizielle schwedische Meisterschaft gewann.
Im gleichen Jahr wurde auch das erste Länderspiel gegen Finnland ausgetragen, das mit einem torlosen Unentschieden endete. Insgesamt sechsmal gewann Öxabäck (ein Ort mit 1.000 Einwohnern in der Nähe von Borås) die schwedische Meisterschaft und kann sich bis heute Rekordmeister nennen. Zwar gewann man 1988 noch die erste Auflage der landesweit ausgetragenen Liga "Damallsvenskan“, kurze Zeit später jedoch stieg der Verein ab und spielt seitdem keine Rolle mehr.
Schweden zählt von Beginn offizieller internationaler Begegnungen an zu den erfolgreichsten Nationen im Frauenfußball. Bereits bei der ersten Europameisterschaft 1984 gewannen die Schwedinnen nach einem 4:3 im Elfmeterschießen gegen England den Titel und standen danach immerhin noch weitere dreimal im Endspiel.
Nach China reist die Auswahl, die erstmals von Trainer Thomas Dennerby bei einer WM betreut wird, als amtierender Vizeweltmeister. Das Team hatte 2003 im Finale gegen Deutschland erst in der Verlängerung durch das historische Golden Goal von Nia Künzer mit 1:2 verloren.
Alle 21 Spielerinnen, die der 48-Jährige Dennerby nominiert hat, spielen in der Damallsvenskan. Für die Bekanntgabe des Kaders am 14. August wählte man erstmals einen neuen Weg: Auf dem Stockholmer Hauptbahnhof wurde eine Bühne installiert und der Fernsehsender TV4 übertrug live, während alle Spielerinnen nacheinander einmarschierten. Der Schritt in die Öffentlichkeit hatte den gewünschten Erfolg – so berichtete etwa die größte Tageszeitung Dagens Nyheter am Tag darauf auf drei ganzen Seiten über das Ereignis, das symptomatisch für das professionelle Umfeld des Frauenfußballs in Schweden ist.
In der höchsten Liga spielen derzeit 37 Ausländerinnen, darunter viele Nationalspielerinnen. Am bekanntesten ist sicherlich Brasiliens Weltfußballerin des Jahres, die 21-Jährige Marta, die zur Zeit bereits ihre vierte Saison für den amtierenden schwedischen Meister und souveränen Tabellenführer Umeå IK spielt. Seit April 2007 spielt auch Weltmeisterin Ariane Hingst (früher Turbine Potsdam) in Schweden und zwar für den Vizemeister Djurgården damfotboll aus Stockholm.
Auf die Frage nach Unterschieden zwischen Bundesliga und Damallsvenskan sagt Ariane Hingst, dass das Spiel in Schweden wesentlich phyischer ist, die Zweikämpfe seien härter und die Schiedsrichter ließen mehr durchgehen. Auch das die meisten Vereine umgebende Umfeld sei professioneller als in Deutschland, ergänzt Jennifer Meier. Die 26-Jährige Frankfurterin steht seit zweieinhalb Jahren in Diensten von QBIK aus Karlstad. Am deutlichsten manifestiert sich das aber in Umeå. Hauptsponsor des fünffachen Meisters ist ein deutscher Automobilkonzern aus Wolfsburg, der allen Spielerinnen einen Wagen zur Verfügung stellt. In dieser Saison verpflichtete Umeå die chinesische Jugendweltfußballerin Ma Xiaoxiu und nicht zuletzt die 16-Jährige Schweizerin Ramona Bachmann, an der eine ganze Reihe deutscher Vereine Interesse gezeigt hatte. Bachmann entschied sich jedoch für den Umzug aus der Heimat ins nordschwedische Umeå, weil man ihr hier eine optimale Betreuung in einem europäischen Spitzenverein anbot.
Die Zuschauerzahlen in der Liga sind nach Auskunft des schwedischen Verbandpräsidenten Lars-åke Lagrell mit einem Schnitt knapp unter 1.000 die höchsten in Europa. Dabei muss jedoch bemerkt werden, dass Umeå und die Brasilianerin Marta sowohl bei Heim- wie bei Auswärtsspielen weit mehr als 1.000 Besucher anlocken und damit den Durchschnitt erheblich verbessern. Das schwedische Fernsehen überträgt pro Saison 6-8 Ligaspiele live und wie ARD und ZDF auch alle Begegnungen der Nationalelf.
In der Vorbereitung auf die WM musste Schweden jedoch mit einer Reihe von Unannehmlichkeiten kämpfen. Thomas Dennerby, der das Ruder nach der EM 2005 übernahm, sah sich zu Beginn des Jahres gezwungen, einen Generationswechsel zu forcieren. Das lag weniger an seiner Planung, sondern unter anderem auch an den Rücktritten von Linda Fagerström, Anna Sjöström und vor allem Malin Moström. Die Kapitänin des Umeå IK und der Nationalmannschaft, eine der besten Mittelfeldspielerinnen der Welt, erklärte im November 2006 ihren Rückzug aus dem aktiven Geschäft. Moström macht jetzt eine Ausbildung zur Immobilienmaklerin, kehrte im Sommer aber für vier Wochen ins Ligageschäft zurück, weil Umeå eminente Verletzungsprobleme hatte.
Die WM-Qualifikation hatte Schweden vor keine nennenswerten Probleme gestellt. Zwar begann man mit einem enttäuschenden 2:2 gegen Island in Reykjavik, danach aber produzierten die Schwedinnen in den sieben folgenden Spielen sieben Siege und schossen 30 Tore, sogar eins mehr als die DFB-Auswahl in ihrer Gruppe. Mit Nilla Fischer (Malmö) und Caroline Seger (Linköping) spielten sich zwei junge Frauen in die Stammformation im Mittelfeld, während die Routiniers Victoria Svensson (Djurgården) und Hanna Ljungberg (Umeå) immer wieder ihr fast blindes Verständnis untereinander demonstrierten.
Nach den Rücktritten im Winter 2006 gab es jedoch in der laufenden Saison weitere empfindliche Rückschläge für das Team von Thomas Dennerby. Die als Rechtsaußen fest vorgesehene Josefine Öqvist (Linköping) und die erste Torhüterin Caroline Jönsson (Malmö) zogen sich Kreuzbandrisse zu und fallen somit für die Weltmeisterschaft aus.
Die Auslosung der Gruppen ergab im April zudem auch noch den denkbar schwersten Widerstand. In ihren drei Begegnungen müssen sich die Schwedinnen mit dem Weltranglistenersten und hohen Favoriten USA, Afrikas bester Mannschaft Nigeria sowie den Frauen aus Nordkorea auseinandersetzen, die zwar als unbeschriebenes Blatt gelten, aber durch den Gewinn der U20-Weltmeisterschaft in Russland 2006 und durch ihren Weltranglistenplatz fünf, Respekt verdienen.
"Das erste Spiel gegen Nigeria müssen wir einfach gewinnen,"sagt Kapitänin Victoria Svensson. "Jossan und Carro sind einfach nicht zu ersetzen, aber für sie bringen andere Spielerinnen andere Qualitäten ein,"ist Svensson trotz des Fehlens von Öqvist und Jönsson optimistisch.
Bei seinem Kader setzt Thomas Dennerby auf eine relativ ausgewogene Mischung aus Erfahrung und Jugend. Experten sind sich einig, dass die Abwehr das Glanzstück des Teams ist. Innenverteidigerin Hanna Marklund aus Sunnanå, einem kleinen Ort in Nordschweden, gilt vielen als die vielleicht beste Abwehrspielerin der Welt, was viele Antworten von Stürmerinnen nahelegen, die auf die Frage nach der unangenehmsten Ggenspielerin stets Marklund nennen.
113 Länderspiele hat die 29-Jährige Fußballerin des Jahres 2005 inzwischen absolviert, die mit ihrem früheren Verein Umeå IK unter anderem zweimal den Women's Cup, die Champions League der Frauen, gewann.
Hanna Marklund kommt aus einem kleinen Dorf namens åliden, ca. 900 km nördlich von Stockholm gelegen und wuchs zusammen mit ihren Schwestern Carolina und Mirjam auf. Alle drei Mädchen haben in der ersten schwedischen Liga gespielt und Hanna und Mirjam sind nach wie vor aktiv für ihren Club Sunnanå SK. Wie so viele Fußballspielerinnen überlegt sie nun mit ihren 29 Jahren, ob sie noch ein Jahr dranhängen soll. Frauen müssen sich auch in Schweden schon während der aktiven Karriere ernsthafter Gedanken um das Danach machen als ihre männlichen Kollegen. Nur wenige können wirklich vom Fußballspielen leben und haben deshalb eine starke Doppelbelastung von Fußball und Beruf. Manchmal kommt es vor, dass die eine oder andere Spielerin von Vereinen der ersten Liga bei einem Mittwochsabends angesetzten Auswärtsspiel nicht dabei ist, weil sie am nächsten Morgen eine wichtige Klausur schreiben muss oder um acht Uhr im Büro erwartet wird.
"Man muss an den Beruf denken, eine Familie gründen und auch an die Freizeit, die man haben möchte, um auf eigene Faust zu reisen,"begründet Hanna Marklund ihre Gedanken an ein mögliches Karriereende 2007.
Ganz andere Zukunftspläne hat dagegen Schwedens aktuelle Fußballerin des Jahres. Die 23-Jährige Lotta Schelin aus Göteborg hat im letzten Jahr die Torschützenliste knapp vor Brasiliens Marta gewonnen und hat sich durch ihre starken Leistungen einen Platz in der Nationalmannschaft längst gesichert. Es ärgert Schelin immer ein bisschen, wenn Sportjournalisten in Schweden sie mit Fredrik Ljungberg und Zlatan Ibrahimovic vergleichen, den beiden Stars der Männernationalmannschaft. Wer so etwas behaupte, habe sie nicht oft gesehen, hat sie gesagt und in der Tat ist die 1,78 m große, schlaksige Göteborgerin in ihrem Spielstil kaum mit dem physischen Spiel Ljungbergs zu vergleichen. Am ehesten mag sie aufgrund ihrer überragenden Technik und Schnelligkeit, aber vor allem der eleganten Bewegungsabläufe wegen dem zu Barcelona gewechselten Thierry Henry ähnlich in der Spielanlage sein, aber Lotta Schelin hat den besseren Spielüberblick. Ein deutscher Sportartikelhersteller hat mit ihr einen 5-Jahresvertrag unterschrieben, der ihr nach eigener Aussage die Möglichkeit bietet, sich langfristig nur auf Fußball konzentrieren zu können. Schelin ist dem Gedanken an den Wechsel in die sich wohl demnächst gründende amerikanische Profiliga für Frauen nicht abgeneigt – die Weltmeisterschaft in China könnte für die hochtalentierte Stürmerin den internationalen Durchbruch zum Weltstar bringen.
Trotz der Rücktritte und verletzungsbedingten Ausfälle ist mit den Schwedinnen in China zu rechnen. Im Viertelfinale könnte es dabei bereits zu einer Neuauflage des WM-Finales 2003 gegen Deutschland kommen. "Wir wollen bis zum Ende dabei sein und dafür müssen wir jeden Gegner schlagen. Bringen wir unsere optimale Leistung, können wir gegen jeden gewinnen,"sagt Victoria Svensson selbstbewusst.
Das Aufgebot für China:
Tor: Hedvig Lindahl (Linköping), Sofia Lundgren (AIK), Kristin Hammarström (Örebro)
Abwehr: Hanna Marklund (Sunnanå), Anna Paulson, Karolina Westberg (beide Umeå), Sara Larsson, Frida Östberg, Charlotte Rohlin (alle Linköping), Stina Segerström (Örebro), Sara Thunebro (Djurgården)
Mittelfeld und Angriff: Caroline Seger (Linköping), Nilla Fischer, Therese Sjögran, Therese Lundin (alle Malmö), Madelaine Edlund, Hanna Ljungberg (beide Umeå), Linda Forsberg, Victoria Svensson (beide Djurgården), Lotta Schelin (Göteborg), Sara Johansson (Hammarby).
Größte Erfolge:
Vizeweltmeister 2003, WM-Dritter 1991
Europameister 1984, Vizeeuropameister 1987, 1995, 2001

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Die graue Spielzeit
1955 verbietet der Deutsche Fußball-Bund seinen Mitgliedsvereinen den Frauenfußball. In den Augen des Verbands gilt der Fußballsport als "unweiblich" und "nichtfraugemäß". Erst 1970 ändert sich die Einschätzung, am 31. Oktober wird das Verbot aufgehoben. |
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Geschichte des Frauenfußballs
Von der Weimarer Republik bis zum Gewinn der Europameisterschaft 2005: Frauenfußball musste in Deutschland viele Hürden nehmen, um akzeptiert zu werden. |
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Chronologie des Frauenfußballs
Die Chronologie zeigt die Entwicklung des Frauenfußballs in Europa und speziell in Deutschland und der DDR auf. Der Zeitraum reicht von 1894 bis 2005. |
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