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Harald Welzer
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Erinnerungskultur und Zukunftsgedächtnis |
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| Harald Welzer |
Da sich die Zugänge zur Geschichte mit jeder Generation und dem Zeitabstand zu den historischen Ereignissen verändern, muss sich auch die Vermittlungspraxis beständig modernisieren, sagt Harald Welzer.
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| Wie gut vermitteln Museen ihre Botschaft? Das jüdische Museum in Berlin geht dieser Frage nach – es erforscht seit Jahren seine eigenen Besucher. Bislang ist die Wirkung in der erinnerungskulturellen Arbeit jedoch wenig erforscht. Foto: AP |
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 |  | Die deutsche Erinnerungskultur zielt über die Vermittlungen des Geschichtsunterrichts, der politischen Bildung, der Gedenkstättenpädagogik, der Medien und des weiten pädagogischen Feldes der Holocaust Education auf eine historisch-moralische Bildung ab, die zum einen Nationalsozialismus und Holocaust historisch verständlich machen, zum anderen Persönlichkeiten bilden soll, die sich gegenüber massen- oder völkermörderischer Gewalt widerständig verhalten können. Erklärte Erziehungsziele sind das Einüben von Demokratiefähigkeit und die Entwicklung von Zivilcourage.
Diese erinnerungspolitische Zielformulierung teilt die Bundesrepublik mit einer Reihe europäischer wie nichteuropäischer Staaten. Ihren gleichsam offiziellen Gründungsakt erfuhr diese erinnerungskulturelle Perspektivierung mit der internationalen Holocaust-Konferenz, die im Januar 2000 in Stockholm stattfand. Gemeinsam mit den USA, Großbritannien, Israel und Deutschland hatte Schweden 1997 die Task Force on International Cooperation ins Leben gerufen, die unter anderem jene Konferenz initiierte, bei der sich Vertreterinnen und Vertreter aus 45 Ländern in Stockholm trafen. Die Teilnehmenden kamen aus der Politik, der Wissenschaft, aus Institutionen der pädagogischen Geschichtsvermittlung sowie aus Organisationen von Überlebenden des Holocaust. Am letzten Konferenztag wurde eine Erklärung verabschiedet, in der sich die Beteiligten unter anderem dazu verpflichten, "Erziehung, Gedenken und Forschung über den Holocaust zu fördern", "der Opfer des Holocaust zu gedenken und die zu ehren, die sich dagegen verhalten haben".
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Zur Person |
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Harald Welzer Harald Welzer ist Sozialpsychologe und Professor und Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen.
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 |  | Dieser Gründungsakt einer transnationalen Erinnerungskultur fiel in den meisten europäischen Ländern mit einer neuen Geschichtsbezogenheit zusammen, in deren Zentrum der Holocaust, der Zweite Weltkrieg, die Vertreibungen und schließlich auch die Kollaboration standen und noch stehen. Der Generationenroman erlebt eine europäische Renaissance, Geschichtsfeatures haben ebenso Hochkonjunktur wie die Figur des Zeitzeugen, und eine ganze Generation wurde neu erfunden, die der "Kinder des Weltkriegs", die heute im Rentenalter sind und sich auf die Suche nach den Ursachen ihrer "frühen Traumatisierungen" machen. Es hat sich ein Kult des Leidens und der Opferschaft zu etablieren begonnen, der Ansprüche an eine eigene, dann wieder nationale Erinnerung am besten zu begründen scheint.
In diesem Spannungsfeld universalistischer und nationaler Erinnerungen ist Erinnerungspolitik zu einem immer wichtigeren politischen Handlungsfeld geworden. Bezugnahmen auf gefühlte und reale Vergangenheiten haben weit reichende Folgen für die Begründung kultureller und sozialer Zugehörigkeiten und wirken sich auf die Verhandlung politischer Positionen aus. Zudem ergibt sich die Frage, ob ein "europäisches Gedächtnis" zwingend für einen gelingenden Integrationsprozess ist oder ob das künftige Europa ohne eine solche mentale Gemeinschaftsstiftung auskommt bzw. auskommen muss, weil seine Erinnerungslandschaft zu heterogen und pluralistisch ist. Nach wie vor kommt dem Zweiten Weltkrieg bzw. der deutschen Besatzung in den meisten europäischen Ländern eine herausragende Bedeutung zu, wenn es darum geht, die eigene Identität und den daran gebundenen Wertekonsens zu bestimmen.(1)
Die tragischen Ereignisse um den diesjährigen Jahrestag des Massakers von Katyn legen davon beredtes Zeugnis ab.
Quelle: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 25-26/2010)
(1) Vgl. Harald Welzer (Hrsg.), Der Krieg der Erinnerung. Zweiter Weltkrieg, Kollaboration und Holocaust im Europäischen Gedächtnis, Frankfurt/M. 2007; Helmut König/Julia Schmidt/Manfred Sicking (Hrsg.), Europas Gedächtnis, Bielefeld 2008; Richard Ned Lebow/Wulf Kansteiner/Claudio Fogu (eds.), The Politics of Memory in Postwar Europe, Durham-London 2006.
21. Juni 2010 |
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Erinnerungsorte
Gedenkstätten, Museen, Dokumentationszentren, Mahnmale, Online-Angebote: zahlreiche Einrichtungen und Initiativen erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus, bieten Bildungsangebote zur Geschichte des Nationalsozialismus und engagieren sich für Überlebende und Jugendbegegnungen. Wo sie welche Erinnerungsorte mit welchem pädagogischem Angebot finden, erfahren sie hier. |
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Dossier |
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Ravensbrück – Überlebende erzählen
Im Frauen- Konzentrationslager Ravensbrück hatten die Nazis zwischen 1939 und 1945 rund 132.000 Frauen, Kinder und Männer inhaftiert – und Zehntausende ermordet. Im audiovisuellen Projekt erzählen 16 Überlebende von ihrer Inhaftierung, ihren Erinnerungen und ihrem Leid. |
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DVD |
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Zeitabschnitte des Werner Bab
Werner Bab überlebte als einer der wenigen das KZ Auschwitz. Anhand seiner Biographie gewährt der Dokumentarfilmer Christian Ender Einblick in das Leben jüdischer Bürger nach Beginn des zweiten Weltkriegs. |
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