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Spezial: Artenvielfalt

Artenvielfalt in Konserven


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Kathrin Zinkant
In Genbanken können Gene konserviert werden, um zu verhindern, dass sie verloren gehen, wenn Tiere und Pflanzen in freier Natur aussterben. Eine Patentlösung ist dies jedoch nicht.

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Magnus Bredeli-Pveiten, Projektmanager von Global Seed Vault: Temperaturen weit unter Null Grad Celsius helfen die Gene zu erhalten.
Als die australische Regierung handelte, war es bereits zu spät: Das letzte Exemplar des tasmanischen Beutelwolfs starb noch in jenem Jahr, in dem die Politik die Jagd auf das seltene Tier verbot. "Benjamin", vermutlich ein Weibchen, verendete 1936 im Zoo der tasmanischen Stadt Hobart, lange, nachdem seine letzten frei lebenden Artgenossen ausgerottet waren.

Doch ganz verschwunden war der Wolf nicht: Dass Forscher heute trotzdem so viel über den gestreiften "tasmanischen Tiger" wissen, verdanken sie jenen Fellfetzen, Schädelknochen, in Formalin eingelegten Gewebestücken und mikroskopischen Präparaten, die Zoologen oder Jäger von Thylacinus cynocephalus gesammelt hatten.

Obwohl der tasmanische Räuber selbst in Zoos nicht mehr existierte, konnte man "ex situ" an ihm forschen – das heißt außerhalb des natürlichen Lebensraums der Art, und in diesem Fall auch jenseits seiner Existenz. Als das biotechnologische Zeitalter angebrochen war, entnahm man totem Gewebe, etwa Knochen oder Fell, das Erbgut der gestreiften Beuteltiere. Es soll nun sogar dabei helfen, die Art wieder zum Leben zu erwecken – die Tiere also aus der DNA zu klonen. Dass dies je gelingen wird, ist zwar nicht sehr wahrscheinlich. Dennoch hat der tasmanische Beutelwolf Schule gemacht.

Für Pflanzen bereits erprobt

Das an ihm praktizierte Prinzip der Arterhaltung "ex situ" setzt sich durch: Wissenschaftler auf der ganzen Welt sammeln heute systematisch und in großem Stil Proben von noch lebenden Pflanzen und Tieren, um sie für eine ungewisse Zukunft in sogenannten Genbanken zu konservieren. Diese Banken sind Probenlager, die nicht bloß einzelne Gene oder die komplette Erbsubstanz (DNA) der Lebewesen verwahren, sondern vor allem Samen, Zellen und Gewebe. Im Mittelpunkt aber steht die genetische Information der Spezies, ihr Bauplan. Mit ihm sollen die unentdeckten Geheimnisse der bedrohten biologischen Vielfalt erhalten werden.

Vor allem für gefährdete Pflanzenarten haben sich Genbanken schon vor Jahrzehnten etabliert. Zum einen, weil die Monokulturen moderner Landwirtschaften ältere Kulturpflanzen bereits früh zu verdrängen begannen. Viele dieser alten Pflanzensorten aber sind aufgrund ihrer Eigenschaften noch immer wichtig – für Entwicklungsländer, für neue Züchtungen oder auch für die Grundlagenforschung. Zum anderen, weil sich Pflanzensamen ohne allzu großen technischen Aufwand für längere Zeit lagern lassen. Entscheidend sind ein funktionierendes Kühlhaus und eine ausreichend große Ackerfläche. Die Samen selbst können bei wenigen Minusgraden in luftdichten Einmachgläsern oder versiegelten Päckchen meist etwa 20 Jahre oder länger aufbewahrt werden. Danach müssen sie ausgesät werden, um neue, frische Samen für die Bank zu gewinnen.

Zur Person
Kathrin Zinkant
Lebt und arbeitet als Autorin in Hamburg. Schwerpunkte der Diplom-Biochemikerin sind lebenswissenschaftliche Themen, vor allem aus den Bereichen Stammzellen, Therapieforschung, Physiologie und Ökologie.

Lager werden immer größer

Heute existieren bereits 1400 Pflanzen-Genbanken auf der Welt. Nur wenige davon sind ähnlich sicher und umfassend wie die deutsche Genbank am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben. In den Kühlräumen der Einrichtung lagern rund 150.000 Samenproben von mehr als 3000 verschiedenen Kulturpflanzenarten. Die seit fast 70 Jahren gepflegte Sammlung galt bislang als eine der größten, und sie unterscheidet sich ganz erheblich von den meisten anderen Genbanken. Viele von ihnen sind klein, technisch veraltet oder ihr Bestand ist durch kriegerische Auseinandersetzungen und Naturkatastrophen bedroht – keine guten Voraussetzungen, um die seltenen Saaten dauerhaft zu sichern.

Um diese Probleme zu lösen, hat im Februar 2008 auf der norwegischen Insel Spitzbergen eine neue Pflanzen-Genbank den Betrieb aufgenommen, die schon jetzt als Saatguttresor der Superlative gilt: In der Svalbard Global Seed Vault, einem mehrere Hundert Meter in den gefrorenen Boden getriebenen Schacht, sollen bis zu 4,5 Millionen Samenproben von allen erdenklichen Kulturpflanzenarten der Erde im natürlichen Kälteschlaf des Permafrost verharren. Die Proben werden als Duplikate von kleineren Genbanken angelegt, um das Saatgut zu schützen – beispielsweise vor den Folgen des Klimawandels – und so die Welternährung zu sichern. Die globale Samenbank im ewig gefrorenen Boden könne das deutlich besser als die weltweit verstreuten nationalen Banken, vor allem jene in den Entwicklungsländern, glauben die Betreiber des Seed Vault. Denn auf der entmilitarisierten Insel Spitzbergen seien alle Saaten sicher vor Kriegen, Stromausfällen und Naturkatastrophen. Ist also der Samentresor eine Arche, wie zahlreiche Medien nach der Eröffnung der Genbank titelten?


26. August 2008

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