Kindermedienkonferenz 2009

11.2.2010

Kinder und Politik. Best Practice für Kindermedienmacherinnen und -macher

Kinderseiten, Tageszeitung im Kindergarten, Kindernachrichten im Fernsehen und Radio, Radio von Kindern, politische Bildung für Kinder im Internet: Journalisten aus den Bereichen Zeitung, Fernsehen, Radio und Online berichten aus der Praxis.

Zeitung

Katrin Martens, Redakteurin NRZ (Neue Ruhr Zeitung /Neue Rhein Zeitung) , Knuts Kinderseite

Katrin MartensKatrin Martens (© bpb)
Vor zwei Jahren hat die NRZ eine tägliche Kinderseite eingeführt. Sie heißt "Knuts Klartext für Kinder". Maskottchen ist ein Eisbär. Die Kindernachrichten werden auch auf dem Onlineportal DerWesten veröffentlicht. "Knuts Klartext für Kinder" erscheint täglich als ganze Seite im ersten Buch der NRZ. Mischung aus Information und Unterhaltung – Politik, Wirtschaft, Kultur – ist der Redaktion sehr wichtig. Kinder werden zur Beteiligung aufgefordert. Kinder geben Tipps: CD, Buch etc. Es gibt einen Leserbeirat aus fünf Kindern, der die Redaktion berät und auch selbst schreibt. Die Rubriken, in denen Politik vermittelt wird: der Aufmacher, Kurzmeldungen und wechselnde Rubriken ("Wer ist eigentlich?", "Internet unter der Lupe", "Frage des Tages", "Fernsehtipp", "Wusstest Du?").

Aufmacher sollen nicht mehr als 60 Zeilen haben. Infokästen und Grafiken werden als Extra-Elemente beigestellt.

Kurzbiografie
Katrin Martens studierte Publizistik und Kommunikationswissenschaften, Geschichte und Politik und machte ein Volontariat bei der NRZ in Essen.


Stefan Kläsener, kommissarischer Chefredakteur Braunschweiger Zeitung, Taki (Tageszeitung im Kindergarten)

Stefan KläsenerStefan Kläsener (© bpb)
Die Hemmschwelle Tageszeitung: 1. Frage an die Kinder in der Schule: Wie viele von Euch lesen Tageszeitung? Mehr als ein Dutzend wäre eine tolle Quote. Doch: Die Tageszeitung gehört für die meisten Kinder und Jugendlichen nicht mehr zum Alltag. Der Bekanntheitsgrad der Zeitung ist natürlich höher. 2. Die Hemmschwelle für Redakteure in Grundschulen und Kindertagesstätten zu gehen, ist sehr hoch: "Das ist ja journalistisch nicht so relevant". Die Stadt Wolfsburg hat eine Kita-Fachberatung, die mit der BZ ein Projekt aufgelegt hat, Tageszeitung in die Kitas zu bringen. Das hat Stirnrunzeln in der Redaktion und Gelächter in der Branche ausgelöst: "Was wollen Kinder, die nicht lesen können mit der Tageszeitung?". Wir unterschätzen, mit welcher Qualität Erziehung in den Kitas stattfindet. Erzieherinnen sind sehr kreativ im Umgang mit der Tageszeitung. Kinder wollen dann lernen, wenn sie sich für etwas interessieren. Kinder wollen die Antworten haben, wenn sie die Fragen stellen. Es reicht aber nicht, nur die Zeitung in die Kitas zu liefern, sondern die Kinder müssen auch im Produkt etwas finden. Beispiele: Kindernachrichten, Kinderseiten, Kinderpressekonferenzen. Die Kerrseite des Projektes: Wenn Kinder heikle Inhalte sehen. Redakteure denken vermutlich zuletzt daran, wie ein Foto oder eine Schlagzeile auf Kinder und Jugendliche wirkt. Deshalb soll das Projekt auch erzieherisch nach innen wirken. Redakteure gehen in Kitas und kommen verändert zurück: "Kinder knacken nicht nur Politiker, Kinder knacken auch Journalisten".

Kurzbiografie
Stefan Kläsener studierte Theologie, Philosophie und Germanistik und machte ein Volontariat bei den Lübecker Nachrichten.

Fernsehen

Malin Büttner, Redaktionsleiterin und Moderatorin ARD, neuneinhalb

Malin BüttnerMalin Büttner (© bpb)
Die Sendung neuneinhalb läuft seit 2004 in der Vormittagsschiene in der ARD. Die Sendung heißt neuneinhalb, weil sie in neuneinhalb Minuten ein aktuelles Thema aus Gesellschaft und Politik erklärt. Hauptzielgruppe: 8- bis 13-Jährige.
60 Jahre Grundgesetz? Was ist der Nahost-Konflikt, wie leben Kinder damit? Wie lebt man mit einem Kopftuch? Und wer ist der amerikanische Präsident Barack Obama? Wie funktioniert die Börse? Die Themen werden für Kinder und Jugendliche verständlich gemacht in Geschichten mit und für Kinder in Deutschland und international. Die Reporter besuchen Kinder und beschreiben mit ihnen Themen rund um Wissen und Zeitgeschehen. Es gibt Filme, Grafiken und auch Inszenierungen.
Es gibt zwei Kategorien: 1. Kinderthemen, die sich aus der Lebenswelt der Kinder ergeben; 2. "harte Themen": Politik, Grundlagenwissen, schlimme Ereignisse. Vor sechs Jahren als reines Nachrichtenmagazin gestartet, jetzt Themenspektrum erweitert. Aktualität für Kinder heißt nicht nur die aktuelle Neuigkeit, sondern auch überhaupt die Neuigkeit. Qualität ist auch Spaß und Unterhaltung.

Kurzbiografie
Malin Büttner studierte Literatur, Geschichte, Kulturwissenschaften und Publizistik und machte eine Ausbildung zur Videojournalistin. Sie ist bei der Produktionsfirma Tvision beschäftigt.

Michael Thamm, WDR

Michael ThammMichael Thamm (© bpb)
Seit zehn Jahren gibt es die KinderZeit (3.30 bis 4 Minuten lang). Sie ist ein Spielplatz für Kinder auf dem sie selbst berichten können über Gedanken, Gefühle und die Kinderwelt. Mit drei Autorinnen werden die Themen "übersetzt". Der WDR stellt die Technik zur Verfügung. 19.30 Uhr Regionalmagazin "Lokalzeit", eine halbe Stunde Aktualität. Dabei wird aus der Region berichtet. Am Mittwoch sind die Kinder dran. Mit Hilfe eines Monitoringsystems wissen wir, dass das Konzept über alle Generationen hinweg funktioniert. In der Kinderserie geht es um Alltagswelten und existenzielle Themen (Wut, Trauer, Versprechen). Kinder inszenieren ihre Themen. Das Team geht in ereignisschwache Regionen, dort gibt es nicht viel Terminjournalismus. Die Redaktion versucht dort auch die Jugend anzudocken nach dem Motto "Ihr seid uns genauso wichtig". Dabei ist Augenhöhe gefragt. Am ersten Tag erklärt das Team den Kindern die Technik und schafft Vertrauen. Am zweiten Tag wird das Drehbuch erarbeitet und die Rollen werden verteilt: Kamerakind, Schauspieler, Regisseur.

Kurzbiografie
Michael Thamm machte eine Printlaufbahn bei der "Die Glocke" in Oelde, dann Radio, TV und Auslandsreportagen. Zuletzt war er Studioleiter WDR Bielefeld. Zurzeit macht er ein Sabbatical.


Radio

Michael Schulte, persönlicher Referent des Programmdirektors von Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen

Michael SchulteMichael Schulte (© bpb)
265 Minuten sind es pro Woche - an 365 Tagen im Jahr geht Kakadu mindestens eine halbe Stunde auf Sendung. Wichtiges Element sind die Kindernachrichten, seit zwei Jahren werden sie werktäglich gesendet. Der Aufbau ist klassisch, das Wichtigste kommt zuerst. O-Töne und "Atmo" sind außerdem wichtig. Die Nachrichten werden von den Sprechern selbst geschrieben und geschnitten. Jeden Tag kommt ein Experte zum Thema des Tages zu Wort. Da kamen Redakteure auch schon "ins Schwitzen", die ein Thema für Kinder in 30 oder 50 Sekunden erklären sollten.
Slang wird nicht benutzt. Der Kakadu steht für freches, neugieriges und plötzliches Auftauchen, "so wie Kinder zwischen 6 und 12 Jahren auch oft sind. Sie wissen sehr viel über die Welt und sind für ihr Alter mit allen Wassern gewaschen". Kinder sollen immer beteiligt sein, als Reporter oder im O-Ton. Jede Woche gibt es ein 20-Minuten-Feature wie z.B. zum Mauerfall vor 20 Jahren.

Kurzbiografie
Michael Schulte studierte Betriebswirtschaft. Er arbeitet seit 2000 als Redakteur und Referent für das Deutschlandradio in Berlin und Köln, u.a. war er sechs Jahre lang für die Sendung Kakadu verantwortlich.


Thomas Röhlinger, Geschäftsführer Radijojo

Thomas RöhlingerThomas Röhlinger (© bpb)
Gemeinnützig, werbefrei, edukativ – das ist Radijojo. Heute sind 100 Länder beteiligt. EUCHIRA - das bedeutet European Children's Radio verbindet Kinder in ganz Europa, die gemeinsam lernen, lachen und lauschen können. Sie können in dem Projekt ihre eigenen Songs, Gedichte und Geschichten präsentieren und mit anderen Kindern in Europa austauschen. Radijojo ist international/global ausgerichtet, deshalb beschäftigen sich viele Beiträge mit globalen Themen – von Kindern für Kinder. Alle Schulen und Kinderradio-Projekte in Deutschland und weltweit können mitmachen und sollen vernetzt werden zu einem Welt-Kinderradio-Netzwerk. "Bad-Practice" verhindern, das heißt, Angebote, die ohne jede öffentliche Kontrolle "aus den Kindern Geld ziehen", also bildungsferne Programme. "Es sollte der Satz gelten 'eine Kontrolle findet nicht statt', es sollte aber auch der Satz gelten 'eine Kinderverblödung findet nicht statt'".

Kurzbiografie
Thomas Röhlinger: Diplom-Soziologe. Absolvent der Berliner Journalistenschule. 2001 Gründung Radijojo mit Sohn Jonathan (damals 5 Jahre alt, heute Radioreporter).

Online

Christiane Toyka-Seid, Redakteurin Kinder-Lexikon, HanisauLand.de

Christiane Toyka-SeidChristiane Toyka-Seid (© bpb)
HanisauLand.de ist das Internet-Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung für Politik für Kinder. Die Zielgruppe sind 8- bis 13-Jährige, es wird aber auch drunter und drüber genutzt. Das Ziel: erklären, was Politik ist, mit politischem Basiswissen vertraut zu machen, demokratische Zusammenhänge zu erläutern – mit viel Einfühlungsvermögen und Empathie. Politik findet nicht nur im Bundestag statt, sondern betrifft die Kinder auch direkt. So soll Politik auch erklärt werden. Wenn wir wollen, dass Kinder mündige Bürgerinnen und Bürger werden, dann müssen wir ihnen die Möglichkeiten schaffen, die Spielregeln kennen zu lernen und mitzumachen. HanisauLand.de gibt es seit 2002. Es gibt zwei Standbeine: 1. der Comic, 2. das Politik-Lexikon. Der Comic macht mit politischen Zusammenhängen und Problemen in großer Bandbreite vertraut. Es geht aber auch um Themen, die Kinder direkt betreffen: Schulpflicht, gesunde Ernährung, Autoritätsprobleme etc.
Kinder schlagen auch selbst Themen vor. Kinder können zu jedem Artikel des Politik-Lexikons Fragen stellen. Innerhalb von ein bis zwei Tagen soll geantwortet werden. Die Redaktion erreichen täglich bis zu 50 Fragen, in der Woche bis zu 250. Die Antworten sollen verständlich, korrekt, glaubwürdig, zum eigenen Nachdenken anregen sowie den Kindern Empathie und Wertschätzung entgegen bringen.

Kurzbiografie
Christiane Toyka-Seid studierte Rechtwissenschaften, Geschichte und katholische Theologie. Sie ist Autorin und Redakteurin von HanisauLand und dem Kinder-Lexikon.


Dr. Maika Jachmann, Referatsleiterin Online-Dienste Deutscher Bundestag, Kuppelkucker.de

Dr. Maika JachmannDr. Maika Jachmann (© bpb)
Die Zielgruppe sind die etwa 6-Jährigen. Ziel: Auch kleine Kinder sollen an das Thema Politik herangeführt werden. Politik und politische Themen sollen zum Allgemeinwissen werden. Kuppelkucker.de beschäftigt sich mit allgemeinen Nachrichtenthemen und soll in erster Linie einen spielerischen Zugang zur Politik und zum Bundestag gewährleisten. Zwei Figuren führen die Kinder durch den Bundestag. Die Nutzerführung ist sehr intuitiv. Die Kinder werden an allen Stellen, an denen sie mit der Maus anlangen, abgeholt. Es gibt die Verbindung von Spielen und Nachrichten. Es handelt sich um sehr niederschwelliges Angebot für die Kleinsten. Die Seite hat 300.000 bis 580.000 Abrufe im Monat. Der Bundestag ist weltweit das einzige Parlament, das Nachrichten für Kinder anbietet.

Kurzbiografie
Dr. Maika Jachmann studierte Sprachwissenschaften. Sie begann ihre journalistische Laufbahn beim Burda-Verlag, dann war sie Leiterin des Bereichs Konzernmedien der Deutschen Bahn.


Online-Angebot

HanisauLand.de

HanisauLand ist das Land der Hasen, Nilpferde und Wildsauen und zugleich Handlungsort eines bpb-Projektes: Hier erfahren Kinder, wie das Zusammenleben in einer Demokratie funktioniert. Comicgeschichten, ein großes Politiklexikon mit Fragemöglichkeit und viele weitere Angebote helfen Politik zu verstehen.

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