Stuttgart 21 ist überall
Das Aufbegehren der Bürger als Chance für den Lokaljournalismus
16.8.2011
Schließlich ist es nicht nur "Stuttgart 21", sondern es sind auch andere Themen – wie Atomkraft, Bildungsstreit und Rauchverbot – die das Volk wachrütteln und zu Bürgerinitiativen bewegen. Wie weit wollen und können sich Lokaljournalisten in diesem Meinungsstrom einmischen? Haben sie dafür das notwendige Know-how? Oder sind ihre Recherchetechniken veraltet? Und warum überließen sie überhaupt so lange Kommunalpolitik den Kommunalpolitikern?
Das Modellseminar fand vom 23. bis 27. Mai 2011 in Rostock statt.
"Stuttgart 21" hat deutlich gemacht: Politik wird wieder spannend, wenn Bürger sich einmischen und ernst genommen werden. Ohne ihre Beteiligung geht es nicht. Auch in den Medien. Die gute Quote der live übertragenen Stuttgarter Schlichtungsgespräch beweist es. Die Definition von Demokratie eines Abraham Lincoln ist aktueller denn je: "Government of the people, by the people, for the people". Wird Demokratie auf diese Weise neu belebt? Darauf muss ein moderner Lokaljournalismus Antworten finden.
Ein ausführliches Seminarprogramm wird erweitert durch diese Arbeitsgruppen:
Arbeitsgruppe 1: Einmischen und Aufmischen
Wie Lokalredaktionen Politik machen können
Politikverdrossenheit ade: Die Bürger wollen wieder mitreden! Die Themen liefert ihnen die Lokalzeitung. Dabei begleitet sie Prozesse nicht nur. Sie seziert die Hintergründe politischer Entscheidungen oder übernimmt sogar die Initiative für die lokale Agenda. Die Arbeitsgruppe lotet die Grenzen aus, diese neue Art Politik zu denken. Sie erarbeitet Strategien, die Lokalredaktionen helfen, relevante Themen frühzeitig aufzuspüren und leseraktivierend ins Blatt zu bringen.
Arbeitsgruppe 2: Ernst nehmen und Stimme geben
Konzept für eine moderne Leserzeitung
Die Zeitung ist kein Verlautbarungsorgan für Politik und Verwaltung. Sie muss aufspüren, was das Volk will und seine Belange jenseits von Leserbriefen ins Blatt bringen. Die Arbeitsgruppe findet Plattformen, die "die da oben" und "die da unten" zusammenbringen und Leser einbinden. Ziel ist ein Format- und Aktions-Baukasten, mit dem Zeitung zur Schnittstelle für politische Diskussionen wird. Damit Leser Heimat mitgestalten können.
Arbeitsgruppe 3: Interaktivität und Qualität
Wir checken den virtuellen Stammtisch
Blogs, Facebook, Twitter & Co. – Meinungen bahnen sich ihren Weg inzwischen über zahlreiche Kanäle. Kommunalpolitiker und Journalisten sind längst nicht mehr die einzigen, die im Ort die Themen setzen. Die Arbeitsgruppe entwickelt Strategien für den Umgang mit der neuen Kommunikationsvielfalt. Es geht darum, wie Lokaljournalisten diese neue Form des Stadtgesprächs moderieren und wie sie sich dort einbringen können. Die Arbeitsgruppe erarbeitet dazu einen Workflow für den Redaktionsalltag.
Arbeitsgruppe 4: Setzen und Umsetzen
Politische Themen spannend erzählen
Lokalpolitik kann Leser fesseln. Wie das geht, zeigt die Arbeitsgruppe. Am Beispiel eines Bürgerentscheids beweisen wir, wie Zeitung bei den Lesern punkten kann, wie sie Spannung erzeugt und aktiviert. Die Arbeitsgruppe erstellt eine konkrete Ideenliste für Lokalredaktionen: Am Ende steht ein Masterplan mit Checklisten und zeitlicher Abfolge, wie Bürger einbezogen werden können.
weitere Inhalte:
- Allerlei Familienbande
- Freiheitsrechte - grenzenlos?
- Gesundheitspolitik - Ende der Solidarität?
- Grundrechte - Mädchen und Jungen sind gleichberechtigt
- Grundrechte: Grundsätzlich gemeinsam, friedlich und gerecht
- Grundrechte: Meine Freiheit, deine Freiheit
- Grundwissen Wirtschaft: Super-, Floh- und andere Märkte
- Nachhaltige Entwicklung
- Sport und (Welt-) Politik
- Stichwort Antisemitismus
