Watergate in Wuppertal
Nachfragen, herausfinden, bewerten - Recherche im Lokalen
Modellseminar für Lokaljournalistinnen und Lokaljournalisten von Tageszeitungen
16.12.2010
Recherche fängt an beim Gespräch über den Gartenzaun, dem sich Öffnen für die Alltagswelt der Leser. Soll sie im Aufdecken von Skandalen in der kommunalen Politik und Wirtschaft münden, braucht es spezielle Techniken und Methoden...
Das Modellseminar fand vom 07. bis 11. Juni 2010 in Eisenach statt.
Gute Recherche heißt Sorgfalt. Recherche fängt an beim Gespräch über den Gartenzaun, dem sich Öffnen für die Alltagswelt der Leser. Soll sie im Aufdecken von Skandalen in der kommunalen Politik und Wirtschaft münden, braucht der Lokaljournalist einen Werkzeugkasten an Techniken und Methoden. Und die Sensibilität, jene Fälle zu erkennen, bei denen sich tiefer gehende Recherche lohnt.
Das Modellseminar vermittelt solche Instrumente, welche die Teilnehmer – zurückgekehrt in ihre Redaktionen – direkt und auf ihre lokalen Fälle zugeschnitten einsetzen können. Gemeinsam sucht das Seminar auch nach Strukturen, um Recherche nicht nur an Schreibtisch und PC stattfinden zu lassen. Nach Grenzen, persönlichen und rechtlichen. Nach Mitteln, anspruchsvolle Recherchen seltener "hinten runter" fallen zu lassen. Und nach Wegen, auf denen auch bei komplexeren Zusammenhängen die Recherche zeitlich machbar bleibt und nicht derart unter die Räder kommt, dass nur noch Pressemitteilungen von Lobbygruppen ins Blatt gehoben werden.
Im Mittelpunkt steht der Nutzwert: Gut recherchierte Geschichten sind das Alleinstellungsmerkmal einer Lokalzeitung in einer Welt der allgemeinen und rund um die Uhr verfügbaren Nachrichten.
Arbeitsgruppe 1:
Weiße Seiten – kein Termin. Kreativitätsstrategien für Lokalreporter
Alles neu, alles anders lautet derzeit das Motto in vielen Verlagen. Newsdesks unterscheiden Blattmacher von Reportern. Und letztere haben Zeit fürs Schreiben und Recherchieren. Gemein sam erarbeitet die AG, wie Recherche, Gesprächsführung und Interviewtechnik noch besser funktionieren können. Und lernt, wie Fernsehjournalisten, mit einem festen Drehbuch im Kopf loszuziehen.
Arbeitsgruppe 2:
Googelst Du noch...? Recherche mit Facebook, Twitter und Stayfriends
Informationsbeschaffer Internet: Google ist mittlerweile ein Synonym für Recherche. Suchmaschinen können auch Journalisten eine Menge Arbeit abnehmen, aber nie die Bewertung einer Information ersetzen. Diese AG kümmert sich um Suchmaschinen, Social Bookmarking und Blogs. Alltagstauglich, lokal umsetzbar.
Arbeitsgruppe 3:
Brüssel, Berlin, Buxtehude: "große Politik" lokal umsetzen
Der Europäische Rechnungshof prangert an, Regionen verpulverten EU-Fördergelder. Die EU-Kommission hat Deutschland verklagt, weil Städte ihre Rettungsdienste nicht europaweit ausschreiben. Und in Berlin diskutieren Politiker über Mindestlöhne für Pfleger, dank Billigkräfteboom. Was in Brüssel oder Berlin entschieden wird, beeinflusst direkt das Leben der Menschen vor Ort. Die AG entwickelt Strategien, wie die vermeintlich große Politik im Lokalteil umgesetzt werden kann. Sie zeigt Wege zum richtigen Ansprechpartner – und Kniffe für eine effiziente Organisation der Recherche.
Arbeitsgruppe 4:
Hart am Limit. Investigativer Journalismus – So gehe ich ran
In Wuppertal verschaffen sich die Bauamtsmitarbeiter ein zweites Einkommen. Ein Energieversorger spendiert Kommunalpolitikern in NRW Ausflüge auf Bohrinseln. Und ein findiger Finanzmakler aus Bayern trickst Dutzende Kämmerer aus, bevor er sich mit 46 Millionen Euro nach Afrika absetzt. Alles Betrügereien, die Lokalredaktionen aufgedeckt haben. Diese AG zeigt Techniken auf, wie Journalisten Sachverhalte erfahren, die ihnen niemand erzählen will. Sie erarbeitet Strategien, mit denen selbst kleine Redaktionen investigativ arbeiten können.
Arbeitsgruppenleitung
- Findige Reporter: Jana Klameth, Sächsische Zeitung, Freital
- Social-Media-Recherche: Axel Bürger, Journalist und Medienberater, Lemgo
- Klein – aber investigativ: Joachim Braun, Tölzer Kurier, Wolfratshausen
- Treffsicher regionalisiert: Katrin Teschner, Braunschweiger Zeitung, Brüssel
Tagungsreader
- Liane von Droste, freie Journalistin, Glienicke
Live-Berichte via Videoblog und Twitter
Konzept
Die Modellseminare der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb sind angelegt als intensive Redaktionskonferenzen, ergänzt durch Expertinnen und Experten. Sie bieten einen fünftägigen Erfahrungsaustausch unter Lokalredakteurinnen und Lokalredakteuren, die den Freiraum dieser Seminare nutzen, um an Konzepten zu aktuellen, relevanten Themen zu arbeiten. Die Modellseminare sind Teil des als Verbundsystem angelegten Lokaljournalistenprogramms der bpb.
Tagungsorganisation
Johannes Bilstein
Bundeszentrale fu¨r politische Bildung/bpb
Fachbereich Veranstaltungen
Adenauerallee 86
53113 Bonn
Tel +49 (0)228 99515-252
Fax +49 (0)228 99515-293
bilstein@bpb.de
Kontakt
Bundeszentrale für politische Bildung
Berthold L. Flöper
Fachbereich Multimedia
Lokaljournalistenprogramm
Adenauerallee 86
53113 Bonn
floeper@bpb.de
weitere Inhalte:
- Allerlei Familienbande
- Freiheitsrechte - grenzenlos?
- Gesundheitspolitik - Ende der Solidarität?
- Grundrechte - Mädchen und Jungen sind gleichberechtigt
- Grundrechte: Grundsätzlich gemeinsam, friedlich und gerecht
- Grundrechte: Meine Freiheit, deine Freiheit
- Grundwissen Wirtschaft: Super-, Floh- und andere Märkte
- Nachhaltige Entwicklung
- Sport und (Welt-) Politik
- Stichwort Antisemitismus
