Menschen! Bilder! Sensationen!

Was Lokalredaktionen vom Boulevard lernen können - und was nicht - Modellseminar für Lokaljournalistinnen und Lokaljournalisten von Tageszeitungen

16.12.2010
"Sex sells", Tränen machen Auflage, Verbrechen zieht – Boulevardzeitungen holen ihre Leser mit flotten Geschichten ab. Doch die bunten Blätter am Kiosk können mehr: Lesernähe schaffen, Menschen und Gefühle in den Mittelpunkt stellen, Komplexes verständlich machen. Das Modellseminar schlüsselt auf, welche Konzepte des Boulevard-Journalismus auch in Lokalredaktionen Erfolg versprechen.

Das Modellseminar fand vom 21. bis 25. September 2009 in Travemünde statt.

  • PDF-Icon Flyer (PDF-Version: 150 KB)

    "Sex sells", Tränen machen Auflage, Verbrechen zieht – Boulevardzeitungen holen ihre Leser mit flotten Geschichten ab. Doch die bunten Blätter am Kiosk können mehr: Lesernähe schaffen, Menschen und Gefühle in den Mittelpunkt stellen, Komplexes verständlich machen. Das Modellseminar "Menschen! Bilder! Sensationen!" schlüsselt auf, welche Konzepte des Boulevard-Journalismus auch in Lokalredaktionen Erfolg versprechen. Und erklärt, wie die handwerklichen Kniffe dafür funktionieren.

    Dabei werden auch journalistische Graubereiche gründlich ausgeleuchtet: Kniffeligen Fragen aus Ethik und Recht begegnet das Modellseminar so, dass der Lokaljournalismus künftig noch kreativer und dabei stets verantwortungsbewusst in die Tasten greift.

    Input-Referate (angefragt)


    Franz Josef Wagner (Bild), Prof. Dr. Siegfried Weischenberg (Uni Hamburg), Hans-Hermann Tiedje (freier Journalist und Medienberater), Dr. Carlo Imboden (Medienberater), Thomas Hirschbiegel (Hamburger Morgenpost), Arno Makowsky (Abendzeitung, München), Dr. Uwe Zimmer (Neue Westfälische, Bielefeld), Christian Rach (Sternekoch und Kritiker)

    Arbeitsgruppe 1 – Werkzeug: Wie machen die das?
    Boulevard-Journalisten sind schnell vor Ort, recherchieren intensiv und schreiben "auf den Punkt". Die Arbeitsgruppem adaptiert anhand von aktuellen Beispielen das Handwerkszeug der Boulevard-Kollegen: ihre Recherche-Techniken, ihre Bild-Beschaffung, ihre Layout-Kniffe, ihre knalligen Überschriften und ihre knappe Sprache. Das bewusste Emotionalisieren von Themen! Wie funktioniert welche Technik, wann ist sie auch für eine "seriöse" Lokalredaktion ein Segen?

    Arbeitsgruppe 2 – Blaulicht: Wie nah gehen die dran?
    Die Gier nach Geschichten, die unter die Haut gehen, ist groß. Doch wo beginnt die Grenzüberschreitung? Ein Journalist sollte sich aller Fakten, Facetten und Perspektiven vergewissern – soll er aber auch alles schreiben? Wann wird das tote Baby aus der Krankenhaustoilette beerdigt? Geht der Inzestvater zur Beisetzung? Und ist das wirklich von öffentlichem Interesse? Zwischen Leser-Verlangen und journalistischer Verantwortung, Pressefreiheit und Publikationspflicht stellen sich die Teilnehmer Fragen von Recht und Ethik im Journalismus, um heiße Eisen im Alltag dann auch richtig anzupacken.

    Arbeitsgruppe 3 – Menschen: Wen bringen die ins Blatt?
    Das Wichtigste in einer Zeitung sind Menschen. Der Boulevard hat zu jeder Story Menschen und Emotionen. Es gibt reichlich Klatsch und Tränen – und Geschichten, die der Lokalredaktion oft nur eine Meldung wert sind. Wann ergibt Personalisierung und Emotionalisierung Sinn? Wann die Betroffenen-Perspektive in der Rathaus-Politik? Die Arbeitsgruppe sucht Geschichten hinter der Geschichte. Und erarbeitet ein Konzept für mehr Menschen im Lokalteil.

    Arbeitsgruppe 4 – Service: Was bieten die?
    Was bedeutet eine Gesetzesänderung für meinen Geldbeutel? Lohnt sich der Krankenversicherungs-Wechsel? Die Boulevard-Kollegen sind nah dran am Alltag der Menschen – mit Tabellen, Grafiken, Beispielrechnungen. "Mehrwert" heißt das Zauberwort, Service dient der Leser-Blatt-Bindung. Den Leser und seine Themen kompromisslos ernst nehmen, komplizierte Sachverhalte veranschaulichen, ihm die große Politik oder auch nur das neue Fahrzeug der Feuerwehr erklären: Bei welchen Themen kann man vom Instinkt der Boulevard-Kollegen lernen? Und wie wird aus Tageszeitung Lebenshilfe und unentbehrlicher Wegweiser?

    Veranstalter


    Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
    Fachbereich Multimedia/Journalistenprogramm
    und das Projektteam Lokaljournalisten der bpb

    Seminarleitung


    • Lutz Timmermann, freier Journalist, Butjadingen
    • Jürgen Gruler, Chefredakteur, Schwetzinger Zeitung

    Arbeitsgruppenleitung


    • Michael Kerst, Lokalredation, Express, Düsseldorf
    • Ulrike van Weelden, freie Journalistin, Hockenheim
    • Frank Nipkau, Redaktionsleiter, Zeitungsverlag Waiblingen
    • Andrea Tratner, Ressort "Serien", Neue Presse, Hannover

    Konzept


    Die Modellseminare der bpb sind angelegt als länger andauernde Redaktionskonferenzen mit Gästen. Sie bieten einen fünftägigen Erfahrungsaustausch mit Lokalredakteurinnen und Lokalredakteuren von Tageszeitungen. Die Journalistinnen und Journalisten erarbeiten in den Seminaren praxisnahe Konzepte. Die Modellseminare sind wichtiger Bestandteil des Lokaljournalistenprogramms der bpb.