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Veranstaltungsdokumentation (Januar 2008)

"Wir setzen auf die Tageszeitung"


Online first – damit kann Frank Nipkau nicht viel anfangen. Im Interview erklärt der Redaktionsleiter des Zeitungsverlages Waiblingen warum.

bpb: Herr Nipkau, das Thema Crossmedia ist in aller Munde und wird die Zeitungsbranche auch künftig beschäftigen. Welche Rolle spielen crossmediale Angebote für den Zeitungsverlag Waiblingen?

Nipkau: Wir setzen vor allem auf das Printprodukt, weil wir glauben, dass die Zeitung in gedruckter Form weiterhin Zukunft hat. Dennoch hält die multimediale Welt auch bei uns Einzug: Wir starten unser Jugendportal "nicht jugendfrei" und werden zukünftig beispielsweise Videos von den Spielen des Handballzweitligisten TV Bittenfeld auf unserer Homepage zeigen.

Zur Person
Frank Nipkau, Jahrgang 1964, ist Redaktionsleiter des Zeitungsverlages Waiblingen. Zuvor war er von 1998 bis 2002 Leiter der Lokalredaktion Cottbus bei der Lausitzer Rundschau. 2006 erhielt Nipkau den Lokaljournalistenpreis der Adenauer-Stiftung. Im Zeitungsverlag Waiblingen erscheinen die Waiblinger Kreiszeitung, Schorndorfer Nachrichten, Winnender Zeitung und Welzheimer Zeitung.

bpb: Andere Verlage geben sich offensiver. Das Schlagwort der Stunde lautet dort: online first! Haben Sie nicht Angst, eine zukunftsträchtige Entwicklung zu verpassen?

Nipkau: Nein. Wir schauen ganz gelassen, welche der vielen interessanten Ideen, von denen jeden Monat in den Fachzeitschriften zu lesen ist, sich wirklich durchsetzt. Noch einmal: Das Internet spielt auch bei uns eine immer stärkere Rolle. Gleichzeitig sind wir jedoch davon überzeugt, dass das Potenzial für Verbesserungen am Printprodukt noch nicht ausgeschöpft ist. Eine ganz einfache Idee, junge Menschen anzusprechen, ist etwa ein Kinogutschein, den wir jeden Dienstag in der Zeitung haben.

bpb: Mit crossmedialen Angeboten im Internet wollen die Verlage vor allem junge Leser ins Boot holen. Politikvermittlung gilt dabei meist als Quotenkiller. Wie lassen sich junge Menschen für Politik und Politikberichterstattung gewinnen?

Nipkau: In dem wir die Entwicklung der vergangenen Jahre weiter verfolgen: Weg von der Dominanz der klassischen Gremienberichterstattung und der Kommunalpolitik hin zu einem weicheren Themenmix. Journalisten sollten sich immer fragen: Was bringt die Geschichte den Leuten? Wo gibt es einen Anknüpfungspunkt für meine Leser? Nur so kann man Menschen packen.

bpb: Was geben Sie einem Redakteur auf den Weg, wenn die zigste Haushaltsrede des Oberbürgermeisters ansteht?

Nipkau: Die Chronologie der Haushaltsrede ist für den Leser nicht so wichtig. Entscheidend sind daraus resultierende Themen und Fragen, die die Leute vor Ort betreffen: Was wird für die Jugend getan? Welche Angebote gibt es? Was steht darüber im Haushaltsplan? Kurz: Weg von der journalistischen Chronistenpflicht hin zu den lebensweltlichen Fragen der Leser.

bpb: Was verstehen Sie genau unter diesen "lebensweltlichen Fragen"?

Nipkau: Das lässt sich am "Familienforum", einer sehr erfolgreichen Serie unserer Zeitung, gut erklären. Der Erfolg beruht darauf, dass wir Antworten auf Fragen geben, die sich junge Familien heute stellen. Wir erklären zum Beispiel, wie man Kinder auf dem Gymnasium anmeldet, was bei der Namenswahl des Kindes zu berücksichtigen ist oder wie ich meine Tochter oder meinen Sohn richtig versichere. Diese Geschichten sind fester Bestandteil des Lokalteils und häufig sogar Aufmacher der Zeitung.

bpb: Das Setzen von Themen macht eine gute Lokalzeitung aus. Mit welchen Themen wollen Sie in diesem Jahr punkten?

Nipkau: Für das Jahr 2008 haben wir uns zwei große Themen vorgenommen. Einerseits soll unsere 15-teilige Klimaserie keine Eintagsfliege gewesen sein. Das werden wir in diesem Jahr fortsetzen. Andererseits kümmern wir uns intensiv um das Thema 1968. Damals ist in unserer Region eine Menge passiert, so dass prominente Zeitzeugen viele Geschichten dazu erzählen können.

Interview: Andreas Braun

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10. Februar 2012
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