Veranstaltungen: Dokumentation

7.2.2006 | Von:
Peter Stefan Herbst

Der Leser als Reporter

Peter Stefan Herbst über eine nordisch-neue Idee der Saarbrücker Zeitung

Peter Stefan Herbst über eine nordisch-neue Idee der Saarbrücker Zeitung

bpb: Herr Herbst, Sie haben Anfang 2006 eine neue Initiative gestartet: den "Leser-Reporter". Was hat es damit auf sich?

Herbst: Die Saarbrücker Zeitung hat laut Media Analyse 530.000 Leser. Jeder einzelne von ihnen kann jetzt selbst Reporter sein und uns per SMS, MMS, E-Mail, Fax oder Telefon Hinweise, Tipps und Fotos zukommen lassen. Alle Eingänge laufen in einem zentralen Redaktionssystem ein, das von zwei Kollegen betreut wird. Hier werden die Hinweise und Fotos gesichtet, bewertet und dann an die zuständigen Ressorts oder Lokalredaktionen weitergeleitet und dort nachrecherchiert und bearbeitet. Im Blatt haben wir ein eigenes Logo für die Geschichten der "Leser-Reporter". Und am Ende jedes Beitrags nennen wir den Namen desjenigen, der uns informiert hat.

bpb: Was erhoffen Sie sich davon?

Herbst: Mit der Einrichtung des "Leser-Reporters" strukturieren und intensivieren wir den Kontakt zu unseren Lesern. Wir erhoffen uns mehr Ideen, Anregungen und Themen aus der Region – und natürlich einen Recherchevorsprung.

bpb: Und wie sind Sie auf die Idee gekommen, den "Leser-Reporter" einzurichten?

Herbst: Die Software "VG Tips Portal" stammt von der norwegischen Zeitung "Verdens Gang" (VG), die damit schon seit zwei Jahren arbeitet. Während des Tsunami-Unglücks hatte die VG einen immensen Informationsvorsprung vor ihren Wettbewerbern, weil Norweger, die im Krisengebiet Urlaub gemacht haben, Fotos und Hinweise geschickt hatten. Als ich nach Oslo gefahren bin, um mir die Sache einmal anzuschauen, war ich aber – ehrlich gesagt – skeptisch, ob das auch etwas für die Saarbrücker Zeitung sein könnte. Schließlich werden Handy-Dienste SMS und MMS in Skandinavien viel stärker genutzt als hier. Aber vor Ort dachte ich dann doch: Das müsste auch bei einer Regionalzeitung in Deutschland funktionieren. Ich bin mir sicher, dass unser Name "Leser-Reporter" eine ganz zentrale Rolle für den dauerhaften Erfolg spielen wird, da er klar macht, um was es uns geht.

bpb: Haben Sie denn schon viele Lesertipps bekommen? Was melden die Leute?

Herbst: Wir sind sehr zufrieden und von der Qualität der Hinweise überrascht. Im ersten Monat haben wir rund 400 Tipps und Fotos auf diesem Weg erhalten – von Woche zu Woche mit steigender Tendenz. Jeder zweite Hinweis ist verwertbar und wird weitergeleitet - meist an unsere Lokalredaktionen. So haben wir zum Beispiel Infos über Brände und Einbrüche erhalten oder auch darüber, dass auf einer Betriebsversammlung über die Schließung eines großen Supermarktes informiert wurde. Das hat mich übrigens ganz persönlich interessiert: Es handelte sich nämlich um "meinen" Supermarkt.

bpb: Ist der "Leser-Reporter" denn eine Möglichkeit, gerade auch junge Leute ins Boot zu holen?

Herbst: Ja, sicher. Junge Menschen haben eine viel höhere Affinität zum Handy und den Übermittlungsformen SMS und MMS. Und so haben wir nebst den regionalen und lokalen Themen für die Saarbrücker Zeitung auch einige Kuriositäten für unsere Internetplattform "sol.de" und Party-Tipps und Fotos für unsere junge Tageszeitung "20Cent Saar" erhalten.

bpb: Werden die Beiträge, wenn Sie gedruckt werden, honoriert?

Herbst: Nein, nur wenn es eine sehr außergewöhnliche Information ist, die zu einer wichtigen Exklusivgeschichte führt. Honorierung muss nicht der Anreiz sein. Die Leser sollen sehen, dass wir sie und ihre Hinweise ernst nehmen. Und die erste Resonanz war sehr positiv. Viele haben gesagt: "Toll, dass es das gibt."

Interview: Barbara Lich


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