Veranstaltungen: Dokumentation

24.2.2003

Der Fremde in uns - Brauchen wir Feindbilder?

Fremdenfeindlichkeit ist nicht nur historisch oder aus der aktuellen politischen Lage heraus zu verstehen, sondern anthropologische Konstanten und individuelle Unterschiede zwischen Menschen spielen eine gewichtige Rolle.

Rainer Dollase

In der Tat ist die Fremdenfeindlichkeit nicht nur historisch oder aus der aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Lagen heraus zu verstehen, sondern anthropologische Konstanten und individuelle Unterschiede zwischen Menschen spielen eine gewichtige Rolle. Das Problem ist – allen kulturalistischen Essentialisten ins Stammbuch geschrieben - noch nicht einmal die "Fremdheit" oder die "kulturelle Differenz" die Ablehnung erzeugt, sondern die Unterteilung in "Wir" und "Ihr", die auch dann zu "Fremdenfeindlichkeit" führt, wenn der Fremde nicht eigentlich fremd oder kulturell anders ist. Die Unterteilung in "Wir" und "Ihr" – eine anthropologisch universale Disposition des Menschen - fungiert als organisierendes Prinzip der Verteidigung der Eigengruppe, mit all ihren segensreichen und verderblichen Folgen. Unter anderem werden trotz Ähnlichkeit minimale Unterschiede vergrößert. Die Unterteilung in Wir und Ihr nimmt auf Ähnlichkeit oder Verschiedenheit keine Rücksicht. Wenn die positive Distinktheit bedroht ist, wird sie wiederhergestellt – entsprechend versuchen einige Strategien der Integration und des Abbaus von Feindbildern der Selbstwerterhöhung, dem Abbau von Bedrohung, der De- und Rekategorisierung ein höheres Gewicht beizumessen und die Gefahr eines biologischen, religiösen oder kulturellen Essentialismus zu umschiffen.

Feindbilder sind allerdings keine biologische Notwendigkeit auf Dauer – man braucht sie nur, wenn man sich bedroht fühlt, um Abwehrmotivation zu entwickeln. Aktuelle Hinweise aus empirischen Studien zeigen allerdings, dass sich nach dem 11.9. noch kein dramatischer Wandel in der Einstellung gegenüber Menschen muslimischen Glaubens entwickelt hat. Ein Grund kann sein, dass die jüngeren Generationen während ihrer Schulzeit eine intensive und extensive Kontakterfahrung mit Muslimen erfahren haben.


Event series

Mapping Memories

Mapping Memories is an event series focusing on commemorative culture in Eastern Europe and beyond. Current events include conferences, summer schools and practical workshops.

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Fachkonferenz

Konferenz zur Holocaustforschung

Die Internationalen Konferenzen zur Holocaustforschung dienen dem Austausch zwischen wissenschaftlicher Forschung und der Praxis politischer Bildung. Sie entstehen aus einer Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und Partnern aus der Wissenschaft.

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TiT-Veranstaltungsreihe

Themenzeit im Themenraum

Themenzeiten: Kompakte Informationsmodule und anregende Diskussionen mit männl. und weibl. Experten zu Themen der politischen Bildung.

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Alle zwei Monate montags diskutiert der Checkpoint aktuelle Fragestellungen aus Politik, Gesellschaft und Forschung – anspruchsvoll, unterhaltsam und gerne auch kontrovers.

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Veranstaltungsreihe

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Blog zur Fachkonferenz

Medienkompetenz 2014

Zielsetzung der Fachkonferenz Medienkompetenz 2014 ist es, theoretische und praktische Konzepte angesichts aktueller digitaler Umbrüche und vor dem Hintergrund bestehender Modelle der Medienkompetenz zu diskutieren und weiterzuentwickeln.

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bpb:magazin 2/2017
bpb:magazin

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"Stadt, Land, Fluss" sind Kategorien, die zentrale politische Themen aufgreifen. Die Reise über Städte, Land und Flüsse in diesem zwölften bpb:magazin führt, wie gewohnt, durch das breit gefächerte Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung.

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