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Veranstaltungsdokumentation (März 2003)

Der Fremde in uns - Brauchen wir Feindbilder?




Rainer Dollase

In der Tat ist die Fremdenfeindlichkeit nicht nur historisch oder aus der aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Lagen heraus zu verstehen, sondern anthropologische Konstanten und individuelle Unterschiede zwischen Menschen spielen eine gewichtige Rolle. Das Problem ist – allen kulturalistischen Essentialisten ins Stammbuch geschrieben - noch nicht einmal die "Fremdheit" oder die "kulturelle Differenz" die Ablehnung erzeugt, sondern die Unterteilung in "Wir" und "Ihr", die auch dann zu "Fremdenfeindlichkeit" führt, wenn der Fremde nicht eigentlich fremd oder kulturell anders ist. Die Unterteilung in "Wir" und "Ihr" – eine anthropologisch universale Disposition des Menschen - fungiert als organisierendes Prinzip der Verteidigung der Eigengruppe, mit all ihren segensreichen und verderblichen Folgen. Unter anderem werden trotz Ähnlichkeit minimale Unterschiede vergrößert. Die Unterteilung in Wir und Ihr nimmt auf Ähnlichkeit oder Verschiedenheit keine Rücksicht. Wenn die positive Distinktheit bedroht ist, wird sie wiederhergestellt – entsprechend versuchen einige Strategien der Integration und des Abbaus von Feindbildern der Selbstwerterhöhung, dem Abbau von Bedrohung, der De- und Rekategorisierung ein höheres Gewicht beizumessen und die Gefahr eines biologischen, religiösen oder kulturellen Essentialismus zu umschiffen. Feindbilder sind allerdings keine biologische Notwendigkeit auf Dauer – man braucht sie nur, wenn man sich bedroht fühlt, um Abwehrmotivation zu entwickeln. Aktuelle Hinweise aus empirischen Studien zeigen allerdings, dass sich nach dem 11.9. noch kein dramatischer Wandel in der Einstellung gegenüber Menschen muslimischen Glaubens entwickelt hat. Ein Grund kann sein, dass die jüngeren Generationen während ihrer Schulzeit eine intensive und extensive Kontakterfahrung mit Muslimen erfahren haben.
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09. Februar 2010
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