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Thüringen-Tour 2004

Nach der Wahl ist vor der Wahl


Sechste Station: Nordhausen, 14. Juni 2004

Der Souverän spannt aus an diesem Montag in Nordhausen. Die Bürger schlecken ein Eis am Märchenbrunnen, auf dem Markplatz geben Bongo-Trommler statt der Gemüseverkäufer den Ton an. Das Volk erholt sich vom doppelten Entscheid, gestern war Europa- und Landestagswahl. Alles gut gegangen? Hohe bilder:
Bild Trommler
Grossansicht des Bildes
Kein Wahlrecht, politisch engagiert: Trommler bei Schrankenlos e.V.
Rentnerin Margot Hattenhauer ist sich treu geblieben: Nach dem Ende der DDR wollte sie "nie mehr wählen gehen". Eine Mutter mit dem Kinderwagen freut sich über den CDU-Erfolg. Das gute Ergebnis der PDS hat sie überrascht, allerdings nicht so positiv wie den jungen Mann im Che Guevara T-Shirt.

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Am Nachmittag diskutiert der örtliche Nachwuchs der Parteien über "Jugend und Politik" und hat dabei schon die Kommunalwahl in zwei Wochen im Visier. Mehr gute Listenplätze für junge Leute und weniger Show bei der Wählerwerbung wünschen sich die Jungpolitiker – die im übrigen gelassen das Dickicht der Parteiinteressen analysieren und wohlsortierte Statements abliefern. Von "Null Bock" keine Spur.

Schiwan Hamid hat gar nicht gewählt. Als Asylbewerber besitzt er kein Wahlrecht. Der 24jährige Flüchtling aus dem Irak hilft mit bei Schrankenlos e.V., einem Verein für interkulturellen Austausch, der heute den Marktplatz mit Würstchen, Kaffee und Musik belebt. Früher habe er einen Verkaufsstand in Kerbela gehabt, berichtet der junge Kurde. Doch als die Soldaten Saddams immer mehr Schutzgeld erzwingen wollten, sei er über die Türkei nach Deutschland geflohen.

Text und Foto: Klemens Vogel

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