Ebenso verweisen Weblogs und "Peer-to-Peer“-Angebote auf andere Angebote und kommentieren sie. Ihre besondere Leistung besteht hauptsächlich in der zweiten Funktion, der Validierung von Informationen und Meinungen. Im Unterschied zu traditionellen Medien, bei denen eine professionelle Redaktion für die Qualitätskontrolle zuständig ist, die im Wesentlichen vor der Veröffentlichung stattfindet, verlagern Weblogs und "Peer-to-Peer"-Angebote die Qualitätsprüfung in die Öffentlichkeit. Die Informationen und Meinungen, die sie publizieren, stehen unter dem Vorbehalt, dass sie von den Nutzern erst noch genauer geprüft werden müssen. Dank der Interaktivität des Mediums ist dies durch formalisierte Bewertungsverfahren oder offen geführte Diskussionen möglich.
Von einzelnen Laien-Autoren betriebene Online-Tagebücher haben sich in Gestalt von "Weblogs" inzwischen weit verbreitet. Blogger-Software ist einfach zu bedienen und kostenlos. Die Zahl der Weblogs wurde im Juni 2003 auf 2,4 bis 2,9 Millionen geschätzt. Nach einer anderen Quelle sollen rund zwei Prozent der Internetnutzer ein eigenes Weblog betreiben (vgl. Lyman/Varian 2003). Ursprünglich spiegelten Weblogs vor allem den privaten Alltag ihrer Betreiber wider. Inzwischen haben sie sich ausdifferenziert und teilweise professionalisiert. Nach dem 11. September 2001 entstand der Typus des politischen "Warblogs", der sich mit den Reaktionen der USA auf den Terror auseinandersetzt. Warblogs erzielten nicht nur ein großes Leserinteresse, sondern konnten, so wird ihnen bescheinigt, auch die öffentliche Diskussion mitbestimmen.
In seinem "Blogger Manifesto" hat Andrew Sullivan, ein bekannter politischer Journalist und erfolgreicher "Warblogger", die Geschichte der Weblogs nachgezeichnet. Er sieht die Chance, dass sich einzelne Journalisten im Internet selbständig machen, weil die Kosten sehr gering sind. Dadurch werde sich die publizistische Vielfalt erweitern, weil nicht mehr die alte Medienelite die veröffentlichte Meinung steuern könne.
Zu den meinungsbetonten "Warblogs" kamen mit dem Irakkrieg Blogs hinzu, die über das Geschehen vor Ort berichteten. Betrieben wurden sie von Journalisten, Militärangehörigen, Vertretern von Hilfsorganisationen, Friedensaktivisten und irakischen Zivilisten. Bekannte Warblogger, die häufig in den Medien erwähnt wurden, waren z.B. "Salam Pax", der berühmte "Baghdad Blogger", "L.T. Smash", angeblich ein Offizier der US-Army, und CNN-Reporter Kevin Sites – dem der Arbeitgeber nach Kriegsbeginn das Bloggen untersagte. Auch diese "Warblogs" erzielten hohe Zugriffszahlen: Immerhin 4% der Online-Nutzer in den USA gaben an, in den ersten sechs Tagen des Irakkriegs Weblogs genutzt zu haben (vgl. Rainie/Fox/Fallows 2003: 5). Durch die zahlreichen Presseberichte über "Warblogs", die im Laufe des Kriegs erschienen sind, dürfte dieser Anteil noch deutlich gestiegen sein.
Die Diskussion über "Warblogs" kreiste um die Frage, ob ihre subjektiven Berichte eine Alternative zu den etablierten Medien darstellen könnten, denen während des Kriegs oft Einseitigkeit vorgeworfen wurde. Andererseits erhob sich bei einzelnen "Warblogs" der Verdacht, dass es sich um "verdeckte" Propaganda für eine der beiden Kriegsparteien handeln könnte. "Salam Pax" zum Beispiel, der seine Identität aus Sicherheitsgründen bis heute nicht preisgegeben hat, wurde regelmäßig mit Fragen zur Authentizität seiner Berichte aus Bagdad konfrontiert. |
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