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9. Bundeskongress für Politische Bildung (März 2003)

Dem Morgen begegnen, heißt Hoffnung haben


7 Bemerkungen eines hoffnungsvollen Pessimisten

Dr. Rafik Schami

Inhalt

Einleitung

Erste Bemerkung

Zweite Bemerkung

Dritte Bemerkung

Vierte Bemerkung

Fünfte Bemerkung

Sechste Bemerkung

Siebte Bemerkung

Erste Bemerkung

Dr. Rafik Schami

Ich möchte mit dem Punkt anfangen, den Sie als Titel Ihres Kongresses gewählt haben und dessen Kern den Inhalt meines Lebens bedeutet: mit dem Dialog der Kulturen. Der Dialog lebt von der Differenz. Die ängstliche Suche nach Harmonie mündet in eine unfruchtbare Gleichmacherei. Seit dem Terroranschlag am 11. September und der dadurch losgetretenen Hasslawine gegen den Islam versuchen Menschen mit gutem Willen, die Religionen des Orients einander gleichzumachen. Das ist verständlich, aber falsch. Nicht die theologische Seite dieser vorhandenen Differenzen wird mich heute beschäftigen, sondern die irdische, diesseitige Differenz. Die drei Religionsstifter sind in ihrer Rolle als Menschen von Grund auf verschieden. Moses war ein Retter seines Volkes aus physischer und psychischer Sklaverei. Der lange zermürbende, aber reinigende Gang durch die Wüste war nötig um das Gelobte Land zu erreichen, in dem man leben kann, ohne täglich von Neuem begründen zu müssen, warum man so ist, wie man ist. Jesus war ein Revolutionär in einem besetzten Land. Er wusste um die qualvolle Geschichte seines Volkes und die anderer versklavter Völker unter den Römern. Er begriff, dass nur wenn die menschliche Verbundenheit die ganze Welt erfasst, sein kleines Volk eine Chance haben würde, zu seiner Menschlichkeit zu finden. Seine Ideen richteten sich an alle Untertanen des Imperiums. Er und seine Jünger waren Missionare einer guten Idee unterwegs. Muhammad war ein genialer Staatsmann. Das Christentum brauchte viele Anpassungen, glückliche Fügungen und dreihundert Jahre, um legalisiert zu werden. Der Islam war eine Staatsreligion vom ersten Augenblick an.

Diese knapp aufgezeichneten Differenzen gestalten bis heute unsere Weltpolitik mit. Der Islam beinhaltet in seinem Grundkonzept einen weltumspannenden Staat. Dieser Gedanke, fundamentalistisch gedacht, bedeutet Krieg. Der zur Zeit mächtigste Herrscher im christlichen Abendland, der Präsident der USA, verkörpert den Missionar allerdings in seiner hässlichsten Art. Das Gute ist sein Spiegelbild, alles andere ist aus dem Reich des Bösen. Auch hier ist Krieg vorprogrammiert. Und der israelische Staat? Verhält er sich nicht so, als wäre jeder seiner Ministerpräsidenten ein Retter und als wären seine Bürger immer noch auf der Flucht? Dies führt zu gefährlichen Projektionen und zum Krieg. Aber Differenzen können auch bereichern. Ein Orient, in dem alle Kulturen der Völker in Freiheit und Demokratie neben- und wenn möglich miteinander wirken, könnten gestützt auf die vorhandenen Reichtümer, den Mittelmeerraum in ein Paradies verwandeln. Die ersten Schritte der Annäherung werden sehr schwer sein und können ohne Hilfe von außen nicht zustande kommen. Sicher grenzt dieser Gedanke heute angesichts der Misere der Weltlage an Träumerei, doch nicht mehr oder weniger als bei jenem Traum im Herzen vieler Deutschen und Franzosen während der Völkerschlachten, die jahrhundertelang junges Leben vernichteten und bis 1945 andauerten. Und heute? Franzosen und Deutsche beweisen immer mehr, dass die Freundschaft ihrer Völker auch in stürmischer Zeit Bestand hat. Viele von Ihnen werden die Übertragung der Hoffnung auf den Orient für eine Utopie halten. Aber es ist gelebte Geschichte. In Spanien hatte diese Synthese von Moslems, Juden und Christen mehrere Jahrhunderte Bestand.
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10. Februar 2012
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9. Bundeskongress für Politische Bildung

Übersicht

Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Hans Küng

Vortrag von Dr. Rafik Schami

Programm und Thesenpapiere

Berichterstattung Sektion 1

Berichterstattung Sektion 3

Berichterstattung Sektion 6

Berichterstattung Sektion 7

Biografien
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