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Veranstaltungsdokumentation (Januar 2008)

Der Internet-User setzt die Qualitätsstandards


SÜDKURIER-Geschäftsführer Rainer Wiesner über SMS-Push-Dienste, Print-Nischenprodukte und journalistische Darstellungsformen der Zukunft

bpb: Herr Wiesner, SÜDKURIER-Regionalleiter Jörg Braun schrieb in einem Zeitungsartikel zum Forum: "Wer im wogenden Medienmeer nicht untergehen will, muss auf viele Boote setzen." Auf welche Boote setzt das SÜDKURIER-Medienhaus?

Wiesner: Die Tageszeitung ist das Mutterschiff des SÜDKURIER-Medienhauses. Unsere Angebotspalette ergänzen wir derzeit mit Gratispublikationen, die an alle Haushalte gehen und durch Print-Nischenprodukte für spezielle Zielgruppen. Dazu gehören etwa unsere Ferienzeitungen und unser Gesundheitsjournal. Gleichzeitig transportieren wir diese Inhalte komplett ins Internet und veröffentlichen Breaking-News über SMS-Push-Dienste.

Zur Person
Rainer Wiesner
Rainer Wiesner ist Geschäftsführer des SÜDKURIER-Medienhauses. Mit Angeboten wie suedkurier.tv und SMS-Push-Diensten neben der Tageszeitung und E-Paper steuert er sein Medienschiff bereits im crossmedialen Fahrwasser Richtung Zukunft.

bpb: Die SMS-Push-Dienste kommen gut an?

Wiesner: Dieser Bereich steht noch am Anfang. Es ist ein Markt, der sich entwickelt und kein Massenmarkt. Im Vergleich zu unserem Kerngeschäft bewegt sich das noch alles in einem sehr kleinen Bereich. Aber man sollte diese schwachen Signale ernst nehmen. Wir sind jedoch weit davon entfernt, die Branche aufzuscheuchen und zu sagen, dass wir jetzt alles über SMS verschicken müssen.

bpb: Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, auf welchen Verbreitungskanal Sie als nächstes setzen?

Wiesner: Wir haben einen sehr weiten Blick und sind durchaus weltweit unterwegs, um uns möglichst viele gute Ideen bei Kollegenverlagen abzuschauen. Viele Dinge entwickeln wir allerdings auch als Branchenerster und probieren einfach aus. Das Wichtige ist die Innovationsquote an der Schnittstelle zwischen Redaktion und Leser möglichst hoch zu halten. Damit wir frühzeitig erkennen, sobald sich im geänderten Mediennutzungsverhalten neue Potenziale für uns ergeben.

bpb: Auf welchen Gebieten zählt der SÜDKURIER zu den Pionieren?

Wiesner: Bereits Anfang 1996 waren wir im Internet vertreten und gehörten damals sicherlich zu den Ersten, ebenso wie mit unseren erstmals bereits im Jahr 2001 publizierten SMS-Ergebnisdiensten.

bpb: Was sagt der Geschäftsmann Rainer Wiesner, sind solche neuen Angebote lukrativ für einen Verlag, der hauptsächlich Lokalzeitung macht?

Wiesner: Wir müssen dem veränderten Mediennutzungsverhalten der Menschen Rechnung tragen. Neue Technologien bieten hervorragende Möglichkeiten, um ganz nah bei den Leserinnen und Lesern zu sein und sie in ihrer zeitungsfreien Zeit nicht zu verlieren Die Businessmodelle, die wir in den einzelnen Fällen einsetzen sind natürlich auch sehr marktorientiert. Es wird sich zeigen, was dauerhaft marktwirtschaftlich betrieben werden kann. Klar ist aber, dass wir regionale Informationen auf Sicht tatsächlich 24 Stunden am Tag aktuell halten müssen, weil das mittlerweile die Regionalzeitungsleser von uns erwarten.

bpb: Ist Ihr Prinzip dabei "quick and dirty" oder übertragen Sie den journalistischen Qualitätsanspruch ihrer Tageszeitung auf das Internet?

Wiesner: Qualität definiert der Kunde. Und es macht wenig Sinn darüber nachzudenken, wie man den Markt verändern kann. Ich bin eher der Auffassung, dass wir dem Markt folgen müssen, um erfolgreich zu sein. Das heißt aber nicht, dass wir einen gewissen Level an Qualität im Journalismus unterschreiten werden. Ich glaube, da bleiben die Grundfundamente erhalten.

bpb: Werden sie Ihre Mitarbeiter zu radiomachenden und filmenden Journalisten ausbilden?

Wiesner: Die Arbeitsverdichtung in den Redaktionen wird weiter zunehmen. Das heißt, wir brauchen auch sicher vermehrt Multitalente, die nicht nur Zeitung sondern auch andere Medien kompetent bedienen können. Vor allem brauchen wir aber eine wesentlich höher Technikaffinität in den Redaktionen. Das ist, glaube ich, das größte Manko momentan. Das gleiche Phänomen zeigte sich übrigens schon vor 15 Jahren bei der Einführung der integrierten Redaktionssysteme.

bpb: Wäre für Sie auch eine Vernetzung mit lokalen Radio- und Fernsehanbietern denkbar?

Wiesner: Tageszeitungsverlage werden sich künftig stärker um Kooperationen mit anderen Mediengattungen bemühen müssen. Das hängt aber von den Voraussetzungen der Regionalmärkte ab. Im Idealfall hat man diese Medien im eigenen Portfolio. Mit konkurrierenden Medienhäusern wird die Zusammenarbeit schwieriger werden. Generell ist das aber sicherlich ein sehr guter Weg, um diesen gesteigerten Anforderungen Rechnung zu tragen.

bpb: Ihr Job in zehn Jahren. Gibt es noch eine Steigerung über das Onlineangebot und SMS-Pushdienste hinaus – was ist Ihre Vision?

Wiesner: In zehn Jahren wird das Internet noch stärker etabliert sein. Es werden sich möglicherweise journalistische Darstellungsformen darin noch weiter herausgebildet haben. Das mobile Internet sehe ich in Zukunft verstärkt verbreitet, ich bin gespannt auf die Endgeräte, die noch entwickelt werden. Mein Job wird es jedoch weiterhin sein, mich um regionale Informationen und Anzeigenvermarktung zu kümmern. Denn das wird es auch in zehn Jahren noch geben, daran besteht kein Zweifel.

Interview: Patricia Dudeck
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