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Tagungsbeitrag (Februar 2001)

Kalkuliertes Risiko? China und die WTO


Doris Fischer


Mit dem Abschluss aller bilateralen Verhandlungen (außer mit Mexiko) ist der Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO) in greifbare Nähe gerückt worden. Obwohl noch weiterer Verhandlungsbedarf auf multilateraler Ebene besteht, ist es möglich, dass die VR China im Laufe des Jahres 2001 in die WTO aufgenommen wird. Womit erklärt sich der plötzliche Verhandlungserfolg nach 15 Jahren Verhandlungszeit? Welche Motive und Zielsetzungen verbindet die chinesische Regierung mit dem Beitritt, und was hat die wichtigsten Verhandlungspartner der VR China, die USA und die Europäische Union bewogen, dem Beitritt zuzustimmen?
  1. Die Beitrittsbemühungen zum General Agreement on Tariffs and Trade (GATT) bzw. zur WTO der VR China sind in der Zeit seit 1986 mit unterschiedlicher Vehemenz vorangetrieben worden. Ursache hierfür sind grundsätzliche Meinungsunterschiede unter chinesischen Ökonomen und Politikern, wie weit sich China dem Ausland öffnen kann und sollte, ohne gleichzeitig die gesellschaftliche und politische Stabilität des gegenwärtigen Systems zu gefährden.

  2. Die Beschleunigung der Beitrittsverhandlungen ab Ende 1998 wurde sowohl von chinesischer als auch von amerikanischer und europäischer Seite vor allem aus politischem Kalkül vorangetrieben. Grundlage hierfür war auf chinesischer Seite u.a. die Hoffnung, noch während der Regierungszeit der Clinton-Regierung zu einem Verhandlungsergebnis zu kommen. Des Weiteren ergab sich aus chinesischer Sicht Zeitdruck u.a. mit Blick auf die anstehende neue multilaterale Verhandlungsrunde (Seattle) der WTO, die konjunkturelle Lage in der VR China nach 1997 und die Konkurrenz der Bewerbung Taiwans. Da im Verlauf des Jahres 2000 deutlich wurde, dass man den erhofften Beitrittstermin im Jahr 2000 nicht würde einhalten können, ist für die chinesischen Verhandlungspartner der zeitliche Druck heute wieder geringer geworden.

  3. Für einen erfolgreichen WTO-Beitritt ist es neben der Anpassung der außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen notwendig, dass die Regierung in der Lage ist, die Umsetzung der Beitrittsvereinbarungen zu gewährleisten. Die Fähigkeit der chinesischen Regierung, dies zu tun, wird in der ausländischen Forschung sehr kritisch bewertet. Zusätzlich zu der Frage der politischen Durchsetzungsbereitschaft- und -fähigkeit stellt sich die Frage, ob der Anpassungsdruck gesellschaftlich zu verkraften ist.

  4. Die bisherigen Verhandlungsergebnisse für den Beitritt der VR China deuten auf eine weitgehende und schnelle Öffnung des chinesischen Marktes hin. In den bis dato stärker geschützten Industrie- und Dienstleistungssektoren wird sich diese Öffnung am gravierendsten bemerkbar machen. Die Implikationen, die sich hieraus für die chinesische Wirtschaftsordnung und den chinesischen Arbeitsmarkt ergeben, sind in den Verhandlungen zum WTO-Beitritt kaum als Risiko in Betracht gezogen worden. Die Erwartung langfristiger allgemeiner Wohlfahrtsgewinne basiert auf der vagen Hoffnung, dass die kurz- und mittelfristig zu erwartenden sozialen Spannungen aus der Restrukturierung, nicht so virulent sein werden, dass sie den Erfolg des WTO-Beitritts insgesamt in Frage stellen können.


Charts


Kalkuliertes Risiko China und WTO


Anteile Chinas am Welthandel




Wichtigste Inhalte der WTO-Abkommen


Charakteristika der chinesischen Wirtschaftsreform und -entwicklung

Wirkungen des WTO-Beitritts auf unterschiedliche Unternehmen



Wirkungen des WTO-Beitritts auf unterschiedliche Branchen


Wirkungen des WTO-Beitritts auf unterschiedliche Branchen


Der WTO Beitritt steltt China vor die Wahl zwischen zwei Risiken

  • Weiterführende Literatur:


  • Fischer, Doris (2000): Kalkuliertes Risiko? - China und die WTO (Berichte des Bundesinstituts für internationale und ostwissenschaftliche Studien Nr. 13/2000) Bonn.

    Fischer, Doris: Chinas "Großer Sprung" in die Globalisierung: Der WTO-Beitritt und seine Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaftspolitik, erscheint in: Berliner China-Hefte, Mai 2001.

    Zahlreiche weitere Literaturhinweise enthält die von Günter Schucher zusammen-gestellte Bibliographie zum Thema WTO und China. Die Bibliographie wurde in den Ausgaben Mai, Juni und Juli von China aktuell, Jg. 2000, veröffentlicht

    http://europa.eu.int/comm/trade/bilateral/china/wto.htm

    Seite mit Presseinformationen der EU-Kommission zu den bilateralen Beziehungen mit China, insbesondere Stand der Beitrittsverhandlungen.

    http://www.wto.org

    Web-Seite der Welthandelsorganisation.

    http://www.uschina.org/public/wto

    Web-Seite des "United States -China Business Council" zu den WTO-Beitrittsverhandlungen der VR China mit zahlreichen Links zu Hintergrundmaterial.

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  • E-Mail: hg460fi@uni-duisburg.de
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    10. Februar 2012
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    Inhaltsverzeichnis

    Seminar: China als aufsteigende Weltmacht des 21. Jahrhunderts-Einführung

    Wirtschaftsgeographische Grundlagen und aktuelle räumliche Veränderungen

    China als Weltwirtschaftsmacht: Potenziale und Defizite

    Kalkuliertes Risiko? China und die WTO

    Goldküste versus Armenhaus? Ungleichgewichte in der chinesischen Wirtschaftsentwicklung

    Vom Umgang mit China: Chinas Bedeutung für die deutsche Außenpolitik

    Ist ein Oberbegriff "chinesische Kultur" zum Verständnis von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur des gegenwärtigen China erforderlich?