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Thüringen-Tour 2004

Fremd sein in Deutschland


14. Station: Suhl, 24. Juni 2004

Ein Jahr lang hatte Landolf Scherzer in Moçambique Hohlblocksteine gestampft. Als er 1982 in die DDR zurückkehrte,
Suhl
Grossansicht des Bildes
Trommeln für die Politische Bildung - Stände und Aktionen auf dem Marktplatz von Suhl
traf er auch dort Moçambiquaner. In den Suhler Simson-Werken standen mittlerweile 180 Vertragsarbeiter aus dem sozialistischen Bruderland am Fließband. Der Schriftsteller begann nicht nur, seine Erlebnisse in Afrika aufzuschreiben. Er befragte auch DDR-Bürger, was sie von den Gastarbeitern hielten. Doch die Protokolle dieser Gespräche durften nicht erscheinen. Nach der Wende wurden die noch gültigen Arbeitsverträge gekündigt und die 15.000 Moçambiquaner sowie die anderen mehreren zehntausend Arbeiter aus Afrika, Vietnam und anderen Staaten größtenteils abgeschoben.

Scherzer fand 2002 noch acht Moçambiquaner in Suhl. Was er an der Suhler Gemeinnützigen Wirtschaftsschule über ihre Zeit als Vertragsarbeiter und ihre Erlebnisse nach der Wende berichtet, ist oft urkomisch, manchmal grotesk - und schließlich erschütternd. Im Umgang der früheren Nachbarn mit den Vertragsarbeitern, in den vielen Kleinigkeiten, Sprüchen, Vorbehalten, Rangeleien offenbart sich ein allgegenwärtiger und alltäglicher Rassismus. Doch man muss keine andere Hautfarbe haben, um sich fremd zu fühlen in Deutschland – wie es Scherzer selbst viel zu oft ergeht. Er berichtet über einen "Skandal", der im August 1995 in einem thüringischen Dorf beginnt. Einer der Moçambiquaner wird bei seiner neuen Arbeit als Postbote von einem einzelnen Postempfänger angepöbelt und prompt versetzt. Es herrscht sommerliche Nachrichtenflaute, und so belagern über hundert Journalisten tagelang das Dorf, das dadurch innerhalb kurzer Zeit weltweit in den Ruf kommt, Hochburg der Neo-Nazis zu sein.

Text und Foto: Sebastian Kauer

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    7.30 - 12.00
    Projekttag "Medien und Rassismus"
    Gemeinnützige Wirtschaftsschule Suhl-Mäbendorf (GEWIS)
    Hauptstraße 37

    7.30 - 12.00
    Projekttag "Schublade offen! Am Anfang war das Vorurteil."
    Förderzentrum Suhl
    Auenstr. 86

    12.00
    Buchlesung "Der Fremde" mit Landolf Scherzer
    Gemeinnützige Wirtschaftsschule Suhl-Mäbendorf (GEWIS)
    Hauptstraße 37

    15.00
    "Politische Bildung vor Ort"
    Initiativen stellen sich vor: Infostände, Musik, politische Literatur, Video Auf dem Markt

    Tourkontakt
    Wenn Sie Fragen zur Tour haben, können Sie per Telefon unter 03 61 - 3 79 27 01 direkt mit uns Kontakt aufnehmen.

    Die gesamte Tour wird zudem von einem InfoMobil begleitet. Hier sind Informationen zur Tour und über die Partner erhältlich.
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