Veranstaltungen: Dokumentation

17.3.2006

Volker Lilienthal: Kommerzialisierung der TV-Sender ARD und ZDF

Die Kommerzialisierung der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender hatte in den vergangenen Jahren ein sehr bedenkliches Ausmaß angenommen, meint Volker Lilienthal, verantwortlicher Redakteur beim Evangelischen Pressedienst. Damit seien illegale Praktiken wie Schleichwerbung bei ARD oder ZDF gemeint, die erst später abgeschafft wurden.

Der Redakteur des Evangelischen Pressedienstes über die Kommerzalisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. (© Bundeszentrale für politische Bildung)


Die Kommerzialisierung der Programme hatte ein sehr bedenkliches Ausmaß angenommen. Nehmen Sie das Beispiel im ZDF, in dem vier Wirtschaftspartner in einer Fernsehserie präsent waren. Gegen Bezahlung konnten sie ihre Werbebotschaften nach einer Konzeptskizze platzieren. Das war schon sehr problematisch. Diese illegalen Praktiken wurden mittlerweile in einer Reaktion der Selbstkorrektur abgestellt.

Dann haben wir im Jahr 2005 die Enthüllung erlebt, dass es bei der Bavaria Film, die mehrheitlich im Besitz öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten ist, möglich war, über einen Zeitraum von zehn Jahren sich Sätze zu kaufen. Drehbücher wurden nach den Interessen von Werbekunden geschrieben. Und zu diesem Zeitpunkt hatte die Kommerzialisierung ein extrem bedenkliches Ausmaß gezeigt, was gerade korrigiert wird.

Dieses Problem hat es allerdings schon immer gegeben – auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen seit den 1960er Jahren. Es ist dadurch verstärkt worden, indem Gäste aus der Sportindustrie mit den Markenzeichen ihrer Sponsoren im Studio saßen. Früher war dieses Logo auf die Hemden gestickt. Und die Kameraleute hatten die Anweisung, das Markenzeichen nach unten hin abzuschneiden. Man sollte also nur den Kopf des Studiogastes sehen. Und plötzlich rutschten diese Zeichen an den Hemdkragen, wo sie von allen gesehen werden konnten.

Selbstkommerzialisierung hat zunächst einen programmlichen Aspekt. Die öffentlich-rechtlichen Sender merken plötzlich, wieviel Publikum sie an private Wettbewerber wie RTL, Sat1 oder Pro7 verlieren. Als Rundfunkanbieter versuche ich natürlich das Publikum zu behalten, also gleiche ich mich programmlich den Privaten an. Diese Entwicklung hat wiederum den Effekt, dass politische Informationen – für die wir auch unsere Gebühren zahlen – kürzer gefahren werden. In dieser Situation muss sich ein Programm-Macher, der publizistische Wirkung erzielen will, Gedanken über neue Darstellungsweisen machen. Dabei kann durchaus auch mit Farben und Effekten gearbeitet werden. Die Geschichte muss oft auch kürzer erzählt werden. Aber der Programm-Macher, sofern er bei einem öffentlich-rechtlichen Sender oder ambitioniert bei den Privaten arbeitet, muss aufpassen, dass er sein Thema nicht nur auf den Markt wirft und die Identität und Komplexität des darzustellenden Problems verrät. Das wäre eine Botschaft, die genausowenig ankäme.

Redaktion: Marcus Pawelczyk
Kamera und Schnitt: Jörg Pfeiffer
Das Interview entstand auf dem Bundeskongress für politische Bildung vom 2. bis 04. März 2006.


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