V. Zukunftsforum Islam
Merfin Demir / Asiye Öztürk
Dokumentation des World Cafés
Nach den Key Notes des Vorabends mit Herrn Prof. Dr. Stefan Muckel begann der Samstag- Vormitttag mit einem World-Café. Dabei tauschten sich die Teilnehmer/innen im Rahmen einer angenehmen Kaffeehaus-Atmosphäre über einzelne Fragestellung zum Thema 'Islam und Verfassungsstaat' aus. Hierbei ist eine vertiefte thematische Auseinandersetzung bereits im Vorfeld der der nachfolgenden Referate erfolgt.Die Ergebnisse der Kleingruppen waren:
a. Block I: Grundlegende Fragen im Hinblick auf eine plurale Gesellschaft
Im ersten Block im Rahmen des Workshops World Café gingen die Teilnehmer den Fragen nach, inwiefern Religion Privatangelegenheit sei und inwieweit Staat und Gesellschaft Religiosität respektieren müssen und wo die Grenzen der Toleranz liegen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass allen Teilnehmern die zunehmende Bedeutung von Religion in der Gesellschaft bewusst war und Religion auch im öffentlichen Raum auftritt und auftreten darf, da Deutschland ein säkularer Staat ist. Zur Konfliktvermeidung sei daher interreligiöse Kompetenz notwendig, sie ermögliche erst Toleranz und die Bestimmung von Toleranzgrenzen. Letzteres sei erreicht, wo mittels Religion Gewalt, Extremismus und Kriminalität legitimiert werde, ohne dass gerade die beiden letzteren Punkte genauer definiert wurden. Auch der Umkehrschluss gelte, die Religion müsse vor staatlichen Eingriffen geschützt werden. Als Negativbeispiel wurde hier das Amt für Religiöse Angelegenheiten in der Türkei, Diyanet, genannt. Grundsätzlich würde das Grundgesetz als Rechtsrahmen vorgeben, inwieweit sich Religion entfalten kann. Zugleich sei es ein implizierter Wertekonsens, denn die Religionsgemeinschaften akzeptieren müssten.
b. Block II: (Islamische) Theologie und Verfassungsstaat
Im zweiten Block beschäftigten sich die Teilnehmer mit der Frage, wie viel Religion eine Gesellschaft/Staat und wie viel Staat eine Religion vertrage. Ferner ob Religion als ethische Orientierung eines demokratischen Verfassungsstaates dienen könnte.
Hier gingen die Meinungen auseinander. Einige Teilnehmer standen der zunehmenden Kult- Ausübung im öffentlichen Raum kritisch gegenüber und befürchteten, dass gegensätzliche Weltanschauungen Konfliktpotentiale in der Gesellschaft hervorrufen würden. Daher sei es notwendig, dass in einer religionspluralen Gesellschaft ein gemeinsames gesellschaftliches Ethos existiere. Das Grundgesetz wurde hier anscheinend nicht als ausreichend angesehen. Die Vorstellung, dass Religion ethische Orientierung einer Demokratie sein könne wurde verneint. Zwar sei Religion in ethischer Hinsicht bindender, jedoch nicht unbedingt notwendig mit Verweis auf Kants kategorischen Imperativ. Diskutiert wurde auch die Frage, ob der Staat ethisch "nackt" sei. Dies wurde verneint, da die Gesetzgebung und die Politik schließlich von Menschen gemacht werden, die wiederum ethisch vorgeprägt seien. Auf diese Weise würden die unterschiedlichen Wertevorstellungen, ob nun religiös oder nicht, in Politik und Recht mit einfließen.
c. Block III: Konkrete Herausforderungen für die Debatte in Deutschland
Im letzten Block des Workshop wurde die Frage nach einem legitimen Ansprechpartner für die Muslime in Deutschland nachgegangen und nach der Bedeutung der Deutschen Islamkonferenz für die hier lebenden Muslime. Außerdem wurde im Sinne von Pro und Contra nach dem Verbot von religiösen Symbolen in öffentlichen Einrichtungen gefragt.
Gerade hinsichtlich der Frage der Repräsentanz der Muslime wurde die Unzufriedenheit mit den gegenwärtigen Ansprechpartnern deutlich und der Wunsch nach einer demokratisch legitimierten Vertretung. Demnach sollten Muslime ihre Repräsentanten selber wählen, damit die tatsächliche Breite der muslimischen Community widergespiegelt werde. Wie dies jedoch praktisch machbar sei, blieb unbeantwortet. Die Deutsche Islamkonferenz stieß auf ein geteiltes Echo. Auf der einen Seite wurde die öffentliche Wahrnehmung der Muslime in Deutschland und die damit verbundene Anerkennung begrüßt, andererseits wurde die Zusammensetzung der zweiten DIK kritisiert. Ferner stand der Verdacht im Raum, dass der Staat sich lediglich die ihm genehmen Teilnehmer herauspicke und so das Neutralitätsgebot verletze. Bemängelt wurde auch das Fehlen von muslimischen Minderheiten wie den Schiiten oder der Ahmadiyya in der DIK. Hinsichtlich der religiösen Symbole in öffentlichen Einrichtungen sprachen sich die Teilnehmer gegen ein Entfernen christlicher Symbole aus, da das Christentum Teil der deutschen Identität sei. Gleichzeitig wünschte man sich aber auch einen differenzierteren Blick auf das Kopftuch, das für vieles stehen könne: kulturelles Kleidungsstück, obligatorisches religiöses Symbol oder in seltenen Fälle auch als politisches Symbol.
Blog
Bundeskongress Politische Bildung
Mehr als 900 Teilnehmer diskutierten auf dem Bundeskongress Politische Bildung (21.-23.5) über das Zeitalter der Partizipation. Impressionen, Interviews und Artikel zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie im Blog zum Bundeskongress. Weiter...
5. Fundraising-Tag der politischen Bildung - 10. Juni 2011, Köln (KOMED)
Für immer mehr Bildungseinrichtungen wird es unausweichlich, ein professionelles Fundraising aufzubauen. Während des Fundraising-Tages organisieren die Beteiligten seit nunmehr fünf Jahren einen Wissenstransfer. Im Rahmen von acht Workshops wurden konkrete Aktionen und Konzepte des Fundraisings für die politische Bildung vorgestellt und diskutiert. Weiter...
Zeitschriftbpb:magazin
Aus drei mach eins! Kannten Sie bisher das Publikationsverzeichnis, den Veranstaltungskalender und den Flyer für die Studienreisen, so bietet das bpb:magazin den Service dieser drei Publikationen und viele weitere interessante Informationen nun aus einer Hand. Weiter...
Themen und MaterialienCompasito
COMPASITO bietet Praxisanregungen für Multiplikatoren, die sich mit Menschenrechtsbildung für sieben- bis dreizehnjährige Kinder befassen wollen. Das Buch macht mit den wichtigsten Begriffen der Menschen- und Kinderrechte vertraut und vermittelt theoretisches Hintergrundwissen zu 13 Menschenrechtsthemen. Weiter...
Themen und MaterialienFreiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit-Werteordnung und Wertevermittlung
Werte gewinnen in der Gesellschaft wieder an Bedeutung, gerade auch im Schulalltag. Dies stellt den Unterricht vor neue Herausforderungen. Für die Schule und die außerschulische Bildung liefern die zwölf Bausteine des Bandes Vorschläge zur Beschäftigung mit Bereichen unserer Werteordnung. Weiter...
SonstigeEuropa - Das Wissensmagazin für Jugendliche - Schülerheft
Wer macht Was in Europa? Was ist die Europäische Union? Mit vielen Aufgaben, Quizfragen und Diskussionsideen im Wissensmagazin können Jugendliche sich das Thema Europa erschließen. Weiter...

