Veranstaltungen: Dokumentation

V. Zukunftsforum Islam

Vortrag von Mouhanad Khorchide: Der Islam und der Verfassungsstaat - Abstract

29.7.2010
Dr. Mouhanad KhorchideDr. Mouhanad Khorchide
In der wissenschaftlichen Debatte um Religion und Politik erlangt die Rückkehr der Religionen in den öffentlichen Raum steigende Aufmerksamkeit. Im Zusammenhang mit dem Islam ist auch die Rede von der "Politisierung von Religion", was die Frage nach der Kompatibilität des Islam mit dem Verfassungsstaat aufwirft.
Eine unabdingbare Voraussetzung für die Legitimität bestehender Machtstrukturen in einer Demokratie basiert auf der Grundidee, "(...) wonach alle Macht vom Volke [ausgeht] und ihre Ausübung nur dann legitimiert ist, wenn sie in Übereinstimmung mit dem Volkswillen geschieht" [1]. Muslime und Nichtmuslime, die die Meinung vertreten, dass sich der Islam nicht ohne Weiteres in die religionsneutralen Staaten Europas integrieren lassen kann, begründen ihre Meinung damit, dass die islamische Gesellschaftsordnung von Gott vorgegeben und vorgeschrieben sei, während die Gesellschaftsordnung eines religionsneutralen Staates im offenen demokratischen Aushandlungsprozess entstehe. Da der Koran und die prophetische Tradition (Sunna) als Hauptquellen des Islam gelten, werden diese auch als Hauptquellen der islamischen Gesellschaftsordnung gesehen.
Die von manchen muslimischen Fundamentalisten geforderte Einführung der Schari‘a in Europa lässt den Eindruck entstehen, dass der Islam ein abgeschlossenes juristisches Schema besitzt, das einen universellen Charakter hat und alle Lebensbereiche erfasst. Insbesondere die legislativen Aspekte in den islamischen Quellen (Koran und Sunna) sorgen für viele Spannungen und teilweise für Ängste in den europäischen Gesellschaften, weshalb auch die Frage nach der Vereinbarkeit des Islam mit dem Verfassungsstaat gestellt wird.

Die Hauptthesen des Vortrages lauten:
Erste These: Alle Muslime sind sich darüber einig, dass der Prophet Mohammed bemüht war, in Medina den Grundstein für die Errichtung eines Verfassungsstaates zu legen. Der Vertrag von Medina gilt als erster Schritt in diese Richtung. Daher steht die Idee eines Verfassungsstaates an sich mit dem Islam nicht im Widerspruch.

Zweite These: Ob ein Islamverständnis mit einem Verfassungsstaat, dessen Verfassung von Menschen festgelegt wurde, in Einklang steht oder nicht, hängt davon ab, wie man im jeweiligen Islamverständnis die im Koran und in der Sunna beschriebenen gesellschaftlichen juristischen Aspekte auffasst: historisch gebunden, oder ahistorisch.

Dritte These: Nur ein Islamverständnis, das die juristischen Einzelregelungen im Koran und in der Sunna als historisch bedingt und kontextabhängig sieht, kann in Einklang mit dem modernen Verfassungsstatt stehen.

Vierte These: So ein Islamverständnis setzt jedoch zwei Differenzierungen voraus: Die erste ist die Differenzierung zwischen den Handlungen Mohammeds als Prophet und zwischen seinen Handlungen als Staatsoberhaupt. Die zweite Differenzierung unterscheidet zwischen den allgemeinen ethischen Prinzipien im Koran und in der Sunna, die hauptsächlich in der mekkanischen Phase entstanden sind, und zwischen den juristischen Einzelregelungen im Koran und in der Sunna, die hauptsächlich in der medinensischen Phase entstanden sind.


Fußnoten

  1. Karl Loewenstein, Verfassungslehre, Tübingen 1959 S. 148.
 

Blog

Bundeskongress Politische Bildung, Eröffnung

Bundeskongress Politische Bildung

Mehr als 900 Teilnehmer diskutierten auf dem Bundeskongress Politische Bildung (21.-23.5) über das Zeitalter der Partizipation. Impressionen, Interviews und Artikel zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie im Blog zum Bundeskongress. Weiter... 

Veranstaltungsdokumentation (Juni 2011)

5. Fundraising-Tag der politischen Bildung - 10. Juni 2011, Köln (KOMED)

Für immer mehr Bildungseinrichtungen wird es unausweichlich, ein professionelles Fundraising aufzubauen. Während des Fundraising-Tages organisieren die Beteiligten seit nunmehr fünf Jahren einen Wissenstransfer. Im Rahmen von acht Workshops wurden konkrete Aktionen und Konzepte des Fundraisings für die politische Bildung vorgestellt und diskutiert. Weiter... 

Coverbild bpb: magazin HQZeitschrift

bpb:magazin

Aus drei mach eins! Kannten Sie bisher das Publikationsverzeichnis, den Veranstaltungskalender und den Flyer für die Studienreisen, so bietet das bpb:magazin den Service dieser drei Publikationen und viele weitere interessante Informationen nun aus einer Hand. Weiter... 

Themen und Materialien

Compasito

COMPASITO bietet Praxisanregungen für Multiplikatoren, die sich mit Menschenrechtsbildung für sieben- bis dreizehnjährige Kinder befassen wollen. Das Buch macht mit den wichtigsten Begriffen der Menschen- und Kinderrechte vertraut und vermittelt theoretisches Hintergrundwissen zu 13 Menschenrechtsthemen. Weiter... 

Themen und Materialien

Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit-Werteordnung und Wertevermittlung

Werte gewinnen in der Gesellschaft wieder an Bedeutung, gerade auch im Schulalltag. Dies stellt den Unterricht vor neue Herausforderungen. Für die Schule und die außerschulische Bildung liefern die zwölf Bausteine des Bandes Vorschläge zur Beschäftigung mit Bereichen unserer Werteordnung. Weiter... 

Sonstige

Europa - Das Wissensmagazin für Jugendliche - Schülerheft

Wer macht Was in Europa? Was ist die Europäische Union? Mit vielen Aufgaben, Quizfragen und Diskussionsideen im Wissensmagazin können Jugendliche sich das Thema Europa erschließen. Weiter...