Veranstaltungen: Dokumentation

25.6.2009

60 Jahre Grundgesetz: Muslime im demokratischen Verfassungsstaat

Kommentar von Ahmet Senyurt und Publikumsdebatte

Nachdem Dr. Uslucan seine informative Studie zum islamischen Religionsunterricht vorgestellt hatte, hielt der Journalist Ahmet Senyurt am Anfang seines Kommentars fest, dass es "den einen Islam" nicht gebe und deswegen auch nicht "die eine islamische Erziehung".

Er begrüßte, dass "Allah schulreif" sei. Er wünsche sich, dass Kindern beigebracht werde, selbst kritisch zu sein und hoffe darauf, dass der islamische Religionsunterricht ein Gegengewicht zu orthodoxen Koranschulen bilden könne. Er plädierte für eine Teilhabe der Muslime am Gemeinwesen. Dem widerspreche aber in der Realität oft, dass die Erziehungsvorstellungen der muslimischen Organisationen den Vorstellungen der Basis, also der Eltern, widersprächen. Als Beispiel brachte er hier die Einstellungen zur Bildung von Mädchen. Herr Senyurt regte an, interne Debatten in den großen, seiner Ansicht sehr konservativen, islamischen Organisationen transparent zu machen.

In der darauffolgenden Diskussionsrunde kam der Vorwurf auf, Herr Senyurt gebe zu pauschale Urteile über die Organisationen und den Islam ab. Senyurt wies darauf hin, dass er in seinem Vortrag von Vertretern des Islam gesprochen habe und nicht von "dem Islam". Daraufhin äußerte ein Teilnehmer die Meinung, es gebe "den Islam" sehr wohl, da er eine Religion sei, die gewisse Unterscheidungsmerkmale gegenüber anderen Religionen aufweise. Nichtsdestotrotz gebe es sehr viele individuelle Strömungen innerhalb des Islams. Für die Einrichtung von islamischen Religionsunterricht brauche man auch eine Elite wie die auf der Islamkonferenz vertretenen muslimischen Intellektuellen und Verbände. Dr. Uslucan wies darauf hin, dass aus der von ihm vorgestellten Studien eine Empfehlung an das Kultusministerium in Niedersachsen erarbeitet wurde. Er ziehe aus der Untersuchung den Schluss, dass die Kommunikation zwischen der Schule und den muslimischen Eltern intensiviert werden müsse.

Eine weitere Frage aus dem Publikum betraf die Tatsache, dass nach wie vor eine Mehrzahl der in Deutschland arbeitenden Imame in der Türkei ausgebildet werden. Da Imame einen großen Stellenwert für die Integrationsprozesse besäßen, wäre es wünschenswert, die Ausbildung in Deutschland stattfinden zu lassen. Herr Senyurt unterstrich, dass dies wünschenswert sei, und forderte die Gesellschaft auf, die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren. Er plädierte für einen eigenen deutschen Islam der Muslime in Deutschland, dafür müssten sich aber die herkömmlichen Strukturen für die nächsten Generationen öffnen.


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