Veranstaltungen: Dokumentation

Täterforschung im globalen Kontext / Perpetrator Research in a Global Context

30.1.2009
Mit einer internationalen Konferenz griff die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, das Holocaust Research Centre at Royal Holloway, University of London sowie das Kulturwissenschaftliche Institut Essen neueste Erkenntnisse der "Täterforschung im globalen Kontext" auf.

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  • Papers der Konferenzteilnehmer
  • Videos
  • kinofenster.de: Interview mit Tobias Ebbrecht

      "Es gibt die Ungeheuer, aber es sind zu wenige, als dass sie wirklich gefährlich werden könnten. Wer gefährlicher ist, das sind die normalen Menschen."
      Primo Levi
    Mit einer internationalen Konferenz griff die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, das Holocaust Research Centre at Royal Holloway, University of London sowie das Kulturwissenschaftliche Institut Essen neueste Erkenntnisse der "Täterforschung im globalen Kontext" auf.

    Bis vor wenigen Jahren stellte man sich die Organisatoren des Holocaust entweder als vom eigentlichen Mordgeschehen distanzierte Schreibtischtäter oder als Exekutoren, in ihrer Mehrheit vornehmlich bloße Befehlsempfänger ohne besonderes Interesse an ihren Opfern, vor. Eine Minderheit sadistischer Exzesstäter ergänzten diese Betrachtungsweise. Neuere Forschungen zeigen jedoch, dass die Suche nach einem mehr oder weniger homogenen Tätertyp ein falscher Ansatz ist. Holocaust-Täter kamen aus unterschiedlichen Altersgruppen, sozialen Milieus und Bildungsschichten. Ideologisch hochmotivierte Täter mordeten genauso wie solche, die der rassistischen Weltanschauung eher leidenschaftslos gegenüberstanden. Diese Beobachtungen lassen sich durch Erkenntnisse aus Fachgebieten wie der Sozialpsychologie, der Soziologie, der Psychologie und der Anthropologie erhellen.

    Aus wissenschaftlicher wie aus Sicht der politischen Bildung scheint es dringend erforderlich, einen Rahmen für die Erklärung jener "tragischen Leichtigkeit" (Germaine Tillion) zu entwickeln, mit der Menschen zu Mördern und Massenmördern wurden.

    Ausgehend von den Ergebnissen der Holocaust-Täterforschung befasste sich die Konferenz exemplarisch auch mit Täterprofilen in anderen Genoziden wie z.B. in Ex-Jugoslawien oder Kambodscha.

    In fünf thematischen Panels wurden die unterschiedlichen Aspekte der Täterforschung beleuchtet. Wie der Weg von der wissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung hin zur politischen Bildung und Vermittlung in der Praxis der schulischen und außerschulischen Bildung, in der Gedenkstättenarbeit, der interkulturellen Bildung sowie im Film und in der Filmbildung gelingen kann, wurde in Workshops veranschaulicht.

    Im Kontext der Konferenz fand ein europaweiter Wettbewerb statt. Gesucht wurden innovative Projekte zur "Auseinandersetzung mit Tätern" in der politischen Bildung.



     
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