Grußwort von Thomas Krüger
Jeder Deutsche verbringt täglich zehn Stunden mit Medien. Das geht aus der letzten Medienkonsumstudie von ARD und ZDF hervor. Die meiste Zeit davon wird Radio und Fernsehen gewidmet: Im Schnitt hört jeder Erwachsene täglich drei Stunden und 41 Minuten Radio und sieht drei Stunden und 40 Minuten fern. Im Internet verbringt er bis jetzt nur 44 Minuten. Doch das wird sich in Zukunft ändern.
Die Medien befinden sich in einem Wandlungsprozess. Neue elektronische Anbieter drängen auf den Markt, und für das Fernsehen heißt das: Die Karten werden neu gemischt und die Konkurrenz steigt. Nicht nur viele TV-Sender bereiten sich auf die digitale Zukunft vor, auch Netzbetreiber, Telefonanbieter und Verlage bieten Fernsehformate an. Die aktuelle Diskussion um den Rundfunkstaatsvertrag und die Frage, was öffentlich-rechtliche Sender zukünftig im Netz dürfen und was nicht, ist ein Beispiel für diesen Konkurrenzkampf.
Für viele Jugendliche ist das Internet bereits heute das Medium Nummer Eins. Bilder und Videos von Klassenfahrten werden online gestellt, es wird in Chatrooms diskutiert, Schularbeiten werden heruntergeladen und Freundschaften in sozialen Netzwerken wie StudiVZ gepflegt.
Vor allem Videoportale wie YouTube machen dem Fernsehen das Leben schwer. 92 Prozent der Jugendlichen schauen sich dort Videos an. Neben den von Nutzern produzierten Filmen sehen sie sich hier auch Angebote der TV-Sender an. Der Vorteil liegt auf der Hand: Im Internet kann sich jeder sein eigenes Programm zusammenstellen und die Lieblingssendung schauen – wann und wo er oder sie will.
Wie reagieren die TV-Sender auf diesen Wandel und ihren schleichenden Bedeutungsverlust bei der jungen Zielgruppe? Welche Pläne haben die Senderchefs, um Jugendliche weiterhin zu erreichen? Liegt die Zukunft des Fernsehens im Computer oder gar im Handy? Welche Erwartungen setzt das junge Publikum in ein vermeintlich altes Medium wie das Fernsehen?
Um diese und weitere Fragen wird es in den kommenden Tagen gehen. Die Jugendmedientage 2008 geben einen faszinierenden Einblick in die Welt des Fernsehens. Eine Welt, die sich im Umbruch befindet und gerade deswegen als Leitthema dieser Veranstaltung so spannend ist. Die Jugendmedientage sind eine gute Gelegenheit, mit Journalisten, Forschern und Fernsehmachern zu diskutieren, gemeinsam über neue Entwicklungen nachzudenken und hautnah dabei zu sein, wenn das Fernsehen der Zukunft gestaltet wird. Denn so viel steht fest: Sendeschluss hat das Fernsehen noch lange nicht!
Thomas Krüger
Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung
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