Veranstaltungen: Dokumentation

"Man muss die Energie haben, einer Möhre hinterher zu laufen"

Jana Schulze über Leute, die "irgendwas mit Medien" machen wollen und Eigenschaften, die ein Journalist braucht


26.8.2008
Die Online-Redakteurin Jana Schulze im Interview.

bpb: Frau Schulze, ich beginne in einem Monat mein Studium Technikjournalismus. Welche Tipps können Sie mir mit auf den Weg geben?

Jana Schulze: Studiere das, was dir Spaß macht. Das Studium zieht sich über einige Jahre hin, da kommen auch Phasen auf dich zu, in denen es nicht so gut läuft. Da sollte es immerhin noch ansatzweise Spaß machen. Dabei sollte man im Bereich Journalismus parallel und so früh wie möglich Praktika machen. Ich empfehle, sich in Printredaktionen, Onlineredaktionen, Lokalredaktionen, Nachrichtenagenturen und vielleicht auch Pressestellen auszuprobieren. Parallel zum Studium sollte man außerdem versuchen, in einer Redaktion frei mitzuarbeiten. Praktische Erfahrungen sind das A und O.





bpb: Warum wollten Sie Journalistin werden?

Schulze: Ich glaube, ich bin früher schon meinen Freunden auf den Keks gegangen, weil ich immer neugierig war und alles wissen wollte! Und neugierig bin ich bis heute geblieben. Ich will andere und mehr Dinge erfahren, will hinter die Kulissen blicken. Ich bin aber auch jemand, der diese Dinge dann gerne in vereinfachter Form weitergibt. Ich sehe mich als Vermittlerin.

bpb: Was sind für Sie die wichtigsten Eigenschaften, die ein Journalist braucht?

Schulze: Auf jeden Fall Neugierde und ein Gefühl für Sprache. Ich sage immer "liebevolles Schreiben". Bei einer Nachricht muss die Emotion natürlich draußen bleiben. Aber bei allen anderen Textarten schon. Ein Gefühl für Worte und Satzkonstellationen zu haben, ist wichtig. Fachwissen und strukturiertes Arbeiten kommen hinzu. Deswegen empfehle ich ein Studium, denn dort lernt man wissenschaftliches Arbeiten. Und wissenschaftliches Arbeiten ist strukturiertes Arbeiten und das muss ein guter Journalist können.

bpb: Was würden Sie Leuten raten, die "irgendwas mit Medien" machen wollen?

Schulze: Überleg dir mal genau, was "irgendwas" ist! Das Medienfeld ist riesig. Ich habe nie gesagt, ich möchte "irgendwas mit Medien" machen. Ich wollte als Teenager Nachrichtensprecherin werden, so hab ich das auch formuliert. Von mir aus kann auch jemand sagen, er möchte mal Moderatorin der Bundesligaspiele werden. Hauptsache, es ist etwas Konkretes. Ein Musiker sagt ja auch nicht: "Ich möchte irgendwas mit Musik machen", sondern:"Ich möchte Geige spielen". Aber -bitte halten sie mich nicht für überheblich- ich empfehle niemandem, Journalist zu werden, obwohl es ein Traumberuf ist. Die Konkurrenz ist einfach knallhart und die Branche riesig. Ein Kollege sagte einmal: "Wenn man nicht die Energie hat, einer selber vorgehaltenen Möhre hinterher zu laufen, ist man in diesem Beruf falsch." Das ist ein klasse Bild.

bpb: Online First ist das Schlagwort in vielen Redaktionen. Sie haben bei der Frankfurter Rundschau volontiert. Was haben Sie dort für Online-Erfahrungen gemacht?

Schulze: Online First hat bei der Frankfurter Rundschau seit zwei Jahren oberste Priorität und deshalb ist die Online-Station längst Pflicht bei uns. Schritt für Schritt wird unser Online-Auftritt besser, auch wenn er noch verbesserungswürdig ist. Aber da ich jetzt nach meinem Volontariat als Online-Redakteurin im Lokalen arbeite, werde ich auch meinen Teil dazu beitragen. Meine Stelle soll die Schnittstelle zwischen Print und Online sein. Dank vieler Erfahrungen beim Fernsehen, kann ich Videos produzieren und diese Fähigkeit in meine neue Aufgabe mit einbringen.

bpb: Wir haben jetzt über die angenehmen Seiten des Journalismus gesprochen. Was nervt Sie an Ihrem Beruf?

Schulze: Manchmal das Gefühl, nicht durchatmen zu können. Ich mag es zwar auch, unter Zeitdruck zu arbeiten. Aber dieser Druck von allen Seiten, die Kreativste, die Schnellste zu sein, stört manchmal.

bpb: Haben Sie früher selbst an Veranstaltungen wie dem Jugendmedienevent teilgenommen?

Schulze: Ich war als Schülerin in der Jugendpresse aktiv. Dort habe ich an ähnlichen Veranstaltungen teilgenommen, bei denen wir Redaktionen besucht haben und Journalisten als Referenten Seminare gehalten haben. In der zwölften Klasse habe ich bei der Märkischen Allgemeinen in der Jugendredaktion angefangen. Mein erster Artikel handelte vom Umbau unseres Gemeindehauses und war wohl ein harter Redigierbrocken für meinen Redakteur. Auch beim zweiten Text musste er viel Geduld mitbringen. Aber den dritten Text, und darauf bin ich heute noch stolz, schrieb ich über ein Konzert von Rosenstolz: "Rot wie Rosen und schwarz wie Stolz." Damals kannte die Band noch keiner und sie spielten kostenlos ein Konzert in einem Dorf in Brandenburg. Das war mein erster Text, der Hand und Fuß hatte. Mein Redakteur kniete sich danach vor mich hin und sagte: "Der Stolz für mich, die Rosen für dich!"

Interview: Stephan Thomas


 

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