Veranstaltungen: Dokumentation

Kommunalpolitik auf allen Kanälen

Lokalzeitungsredakteure machen in Kitzingen erste Erfahrungen mit der Kamera

12.12.2007
Im Pilotprojekt der bpb und deren Initiative "Politik neu denken", galt es herauszufinden, welche neuen Perspektiven und Chancen die Multimediazukunft der kommunalpolitischen Berichterstattung eröffnet.

"Kommen Sie bitte auf mich zu und gehen Sie an mir vorbei!", "Wir halten Blickkontakt – bitte nicht in die Kamera schauen!", "Was ist Ihr Lieblingslied? Würden Sie es kurz anstimmen?" – ungewohnte Regie-Anweisungen eines Lokalzeitungsredakteurs an einen Bürgermeisterkandidaten. Für beide ist es eine erste Begegnung mit der Kamera – der eine davor, der andere dahinter. Der Politiker erhofft sich von einem Drei-Minuten-Videoporträt bessere Chancen, ins Rathaus der fränkischen Kleinstadt Kitzingen einzuziehen. Und der Journalist hat die Gelegenheit, einen Blick in die crossmediale Zukunft seines Berufs zu werfen.

Interviewszene in Kitzingen - der Printer mit dem Mikro:
Chefredakteur Dirk Lübke (Wetzlarer Zeitung) interviewt den Kitzinger OB-Kandidaten Jens Pauluhn. An der Kamera: Tanja Freudenmann, im Hauptberuf Redakteurin bei der Wetzlarer Zeitung.Interviewszene in Kitzingen - der Printer mit dem Mikro: Chefredakteur Dirk Lübke (Wetzlarer Zeitung) interviewt den Kitzinger OB-Kandidaten Jens Pauluhn. An der Kamera: Tanja Freudenmann, im Hauptberuf Redakteurin bei der Wetzlarer Zeitung. (© Main-Post)
Das Pilotprojekt der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und deren Initiative "Politik neu denken", das Versuchsobjekt: der Kitzinger Kommunalwahlkampf mit sechs Anwärtern auf den Oberbürgermeisterstuhl. In der Praxis galt es herauszufinden, welche neuen Perspektiven und Chancen die Multimediazukunft der kommunalpolitischen Berichterstattung eröffnet. Braunschweiger Zeitung, Kölner Stadt-Anzeiger, Rhein-Zeitung und Wetzlarer Zeitung hatten dazu ausgewählte Redakteurinnen und Redakteure nach Kitzingen geschickt. Gemeinsam mit Kollegen der Main-Post lernten sie dort im Schnellkurs, professionelles Video-Equipment zu bedienen. Ihre Aufgabe: Im gleichen Arbeitsgang sollten sie je einen der sechs Kitzinger Bürgermeisterkandidaten nicht nur wie gewohnt im Text für Print und Online, sondern auch per Video-Stream und Audio-Beitrag porträtieren. Die Beiträge waren in der Main-Post Kitzingen und in "mainpost.de" vorab angekündigt. Entsprechend hoch war der Druck – auch wenn den Printredakteuren Videoprofis zur Seite standen.

Am Ende haben die Zeitungsmacher gelernt, dass Film- und Tonaufnahmen vor allem eines sind: enorm aufwändig. Die Angst vor der Technik hat ab- und der Respekt vor den routinierten TV-Kollegen hat zugenommen. Dass die Lokalzeitung die neuen TV- und Audio-Kanäle für ihre Themen nutzen muss, galt allen Teilnehmern als ausgemacht. Aber selbst einfache audiovisuelle Darstellungsformen, die im Redaktionsalltag praktikabel sind, wollen geübt sein. Das redaktionelle Führungspersonal wird lernen müssen, die örtliche Politikberichterstattung konzeptionell neu zu denken und zu überlegen, welche Themen und welche Formen ihrer Umsetzung sich für die Kanäle Online, Audio und Video eigen. "Crossmedia ist die Chance die kommunale Politikberichterstattung attraktiver für Bürger aufzuziehen", sagt Berthold L. Flöper, Leiter des bpb-Lokaljournalistenprogramms. "Zudem bietet es die Möglichkeit neue und junge Zielgruppen zu erreichen", erklärt er die Intension seines Hauses.

Die Ergebnisse des Workshops sind im Internet zu begutachten unter: »www.mainpost.de«


 

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