Veranstaltungen: Dokumentation

Jüdische Geschichte und Gegenwart

Was Journalisten wissen sollten

24.10.2007
Wann feiert man Purim? Sind alle Israelis gläubige Juden? Das Seminar gab Antworten und vermittelte Journalisten eine solide Basis zur Bewertung jüdischen Lebens.

Journalisten aus den unterschiedlichen Medien informierten sich in Halberstadt über jüdische Geschichte.Journalisten aus den unterschiedlichen Medien informierten sich in Halberstadt über jüdische Geschichte. (© Uwe Kraus)
Als Diplomat sei er ein PR-Agent seines Landes, sagte Ilan Mor, Gesandter der israelischen Botschaft. "Und wir verkaufen eine wunderbare Sache", erklärte er den Journalisten aller Medien, die zur Tagung "Die Jüdische Geschichte und Gegenwart – Was Journalisten wissen sollten" nach Halberstadt gekommen waren. Zum ersten Mal initiierte die Bundeszentrale für politische Bildung mit der dort ansässigen Moses Mendelssohn Akademie dieses Seminar vom 7. bis 9. September 2007. Es sollte Journalisten eine solide Basis zum Bewerten heutigen jüdischen Lebens geben. Die Gespräche mit Diplomaten, Journalisten, einem Historiker und einem Rabbiner zeigten, wie und wo Schreiber ihre Recherche zum Thema Judentum, Israel und Zuwanderung vertiefen können.

Einen Einblick in die Geschichte der Presse in Israel seit Ende der 1930er-Jahre gab Ari Rath aus Jerusalem. Der Journalist interviewte einst den israelischen Staatsmann David Ben Gurion und Konrad Adenauer für die Jerusalem Post, deren Chefredakteur er lange Jahre war. Er gilt als bekanntester Publizist Israels und Analytiker des Zeitgeschehens. Während eine Reihe religiöser Zeitungen überlebten, erklärte Rath, "finden sich viele Zeitungsnamen nur noch auf dem Grabsteinen des Friedhofes unseres israelischen Pressewesens". Die Zeitung "Yedioth Ahronot" sei einer der vier privaten Marktführer in hebräischer Sprache. Für diese arbeitet Eldad Beck als Berlin-Korrespondent. Er berichtete über seine Arbeit und sein "Deutschlandbild".

Prof. Julius H. Schoeps über die Zuwanderung der Juden aus der ehemaligen Sowjetunion.Prof. Julius H. Schoeps über die Zuwanderung der Juden aus der ehemaligen Sowjetunion. (© Uwe Kraus)
Über die Integrationsprobleme der rund 200.000 Juden, die in den vergangenen Jahren aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland zugewandert sind, sprach Julius H. Schoeps, Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums Potsdam. Der Professor für Neuere Geschichte plädierte für das Anerkennen der Hochschulabschlüsse dieser Migranten, um der hohen Arbeitslosigkeit der Akademiker entgegenzuwirken. Neben Erkundungsgängen durch das jüdische Halberstadt hatten die Journalisten schließlich auch Gelegenheit, dem Rabbiner Daniel Katz aus Duisburg Fragen zu stellen. Er erklärte etwa die Hauptprinzipien des Judentums nach verschiedenen Rabbinern, das Gottesverständnis und klärte Fachbegriffe und Missverständnisse.

Der Rabbiner Daniel Katz aus Duisburg erklärt den Journalisten die hebräische Sprache in der Tora-Rolle.Der Rabbiner Daniel Katz aus Duisburg erklärt den Journalisten die hebräische Sprache in der Tora-Rolle. (© Uwe Kraus)
Die Teilnehmer gingen mit einem Mehrwissen aus der Veranstaltung heraus. Die Volontärin Sarah Maria Dickmann von der Rheinischen Post hat es sogar zu einem Projekt inspiriert: "Im Rahmen meiner Ausbildung war ich gerade in der Redaktion 'Überregionale Politik'. Beim Seminar habe ich Anregungen für eine längere Geschichte gefunden. Eine Schwerpunktseite zum Thema 'Judentum in Deutschland' wäre ein interessantes Angebot für unsere Leser."

Fotos: Uwe Kraus


 

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