4. bpb-forum: Großbritannien nach der Ära Blair
Beim gut besuchten 4. bpb-forum am 19. September 2007 im Bonner Medienzentrum der Bundeszentrale für politische Bildung bilanzierten drei Großbritannien-Experten die Amtszeit des ehemaligen britischen Premierministers Tony Blair. Anknüpfungspunkte für kontroverse Diskussionen gab es genug: In die zehnjährige "Ära Blair" (1997-2007) fallen sowohl ein beachtlicher wirtschaftlicher Aufschwung und die offizielle Beilegung des Nordirland-Konfliktes, als auch tiefgreifende Verfassungsreformen und der Beginn des Irak-Krieges.
Jürgen Faulenbach, Prof. Dr. Roland Sturm, Dr. Henning Hoff und Dr. Bernd-Werner Becker zur Amtszeit des ehemaligen britischen Premierministers Tony Blair.Deutlich milder fiel das Urteil von Dr. Bernd Becker aus, der als damaliger Koordinator der Deutsch-Britischen Arbeitsgruppe im Bundeskanzleramt im Jahr 1999 selbst für einige Monate in Downing Street No. 10 tätig gewesen war. Blair könne schon deshalb nicht als "unfinished" bezeichnet werden, weil die Bewertung seiner Amtszeit nicht zu trennen sei von der seines Nachfolgers Gordon Brown – tatsächlich müsse also von einer noch anhaltenden "Ära Blair/Brown" die Rede sein. Blair habe der europäischen Sozialdemokratie den Weg gewiesen und könne mit drei gewonnenen Parlamentswahlen durchaus als erfolgreicher Politiker gelten. Heute würden sogar die Konservativen versuchen, seinen Stil und seinen Umgang mit den Medien zu kopieren.
Zahlreiche weitere Themen wurden auch vom Publikum mitdiskutiert. Dabei kam u. a. zum Ausdruck, dass Blair zwar brilliant kommuniziert habe, dabei aber vielfach zu hohe Erwartungen geweckt habe und so fast zwangsläufig enttäuschen musste. Sollte die friedliche Beilegung des Nordirland-Konfliktes langfristig von Bestand sein, wäre diese jedoch unzweifelhaft mit seinem Namen verknüpft.
Die Biografien der Teilnehmer:
Prof. Dr. Roland Sturm, geboren 1953, ist seit 1996 Lehrstuhlinhaber für politische Wissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und Autor und Herausgeber zahlreicher Veröffentlichungen, unter anderem zu den Themenbereichen Politisches System der Bundesrepublik Deutschland, Vergleichende Politikwissenschaft insbesondere der englischsprachigen Länder sowie Europaforschung und Transformation mittel- und osteuropäischer Staaten.
Dr. Henning Hoff, geboren 1970, Zeithistoriker und Journalist, promovierte über die Beziehungen zwischen Großbritannien und der DDR zwischen 1955 und 1973 und arbeitet heute als freier Korrespondent in London, von wo er u. a. für die ZEIT über politische, wirtschaftliche, zeitgeschichtliche und Medien-Themen berichtet. Für die bpb war Hoff bereits einmal Autor in Aus Politik und Zeitgeschichte: »"Deutsche und Briten seit 1990"« (APuZ 47/2007).
Dr. Bernd-Werner Becker, geboren 1968, ist Politikwissenschaftler, freier Publizist und Politikberater mit dem Schwerpunkt Großbritannien, Fellow des Großbritannien-Zentrums der Humboldt-Universität Berlin; in den 1990er Jahren war er u. a. im Wahlkampfteam des damaligen britischen Außenministers Robin Cook tätig sowie als Koordinator der Deutsch-Britischen Arbeitsgruppe im Bundeskanzleramt, die zum Beispiel das "Schröder-Blair-Papier" konzipierte, wofür er zeitweilig auch in die Downing Street No. 10 abgeordnet wurde. Für die bpb war Becker bereits einmal Autor in Aus Politik und Zeitgeschichte: »"Großbritannien nach der Unterhauswahl"« (APuZ 47/2005).
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