"Spaßfaktor im Vordergrund"
Anke Dörrzapf, Textredakteurin von P.M. Willi wills wissen, im Gespräch
Anke Dörrzapf, Textredakteurin von P.M. Willi wills wissen, im Gesprächbpb: Frau Dörrzapf, P.M. Willi wills wissen richtet sich an Acht- bis Elfjährige. Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen der Zielgruppe Kinder und Erwachsene?
Dörrzapf: Einen grundlegenden Unterschied zum Erwachsenenjournalismus gibt es nicht. Wir befolgen die gleichen journalistischen Grundregeln: Fremdwörter vermeiden, klare Sprache, keine Schachtelsätze. Man muss beim Kinderjournalismus nur etwas strenger sein. Die Sätze müssen wirklich kurz sein. Außerdem merken Kinder sofort, ob der Autor die Zusammenhänge, über die er schreibt, wirklich verstanden hat – da sind Kinder vielleicht noch kritischer als Erwachsene.
bpb: Kindermedien haben ihr eigenes Aussehen. Worauf achten Sie beim Layout?
Dörrzapf: Unser Heft ist sehr bunt und wir nutzen viele Fotos. Bei der Gestaltung der Seiten haben wir große kreative Freiheit und können immer neue Ideen entwickeln. Zum Beispiel haben wir bei einer Geschichte über die Produktion von Kaugummi Kaugummipapier eingescannt und da die Bildunterschriften reingesetzt. Solche Spielereien kann man hier machen. Wir achten auch darauf, dass die Artikel nicht zu lang sind. Für Kinder, die gerade erst mit dem Lesen anfangen, ist es schwierig und anstrengend lange Texte zu lesen. Deswegen spalten wir komplexe Inhalte in mehrere Kästen auf. Das Lesen soll bei uns nicht anstrengend sein, sondern Spaß machen!
bpb: P.M. Willi wills wissen ist das dritte Wissensmagazin für Kinder von Gruner+Jahr. Was ist Ihr USP, Ihr besonderes Verkaufsargument?
Dörrzapf: Wir versuchen, den Spaßfaktor stark in den Vordergrund zu stellen, erlauben uns hin und wieder Blödeleien und auch mal ein Wort aus der Comicsprache. Wie die Fernsehsendung Willi wills wissen versuchen wir, Themen auf freche Art und Weise anzugehen. Wir haben zum Beispiel ein Geschichtsthema, die Zeitreise, da geht ein fiktiver Reporter auf eine Reise in die Vergangenheit und interviewt große Menschen der Geschichte. Wichtig ist, dass der Reporter Kleopatra oder Nero nicht ehrfürchtig entgegen tritt, sondern selbstbewusste, freche Fragen stellt. Wir stellen auch regelmäßig die schrägen Seiten des Lebens vor: witzige Rekorde oder Sportarten. Was die Themenauswahl betrifft orientieren wir uns natürlich auch am P.M.-Heft: Wir setzen bewusst Technik- und Wissenschaftsthemen, besonders Alltagstechnik. Etwa: Wie funktioniert ein Handy oder ein mp3-Player? Wie sehen die von innen aus? Wie wird Musik gespeichert? Oder auch: Wie werden eigentlich Fischstäbchen gemacht?
bpb: Es gibt immer mehr Medienangebote für Kinder. Welche Strategien nutzen Sie, um die Aufmerksamkeit der Kinder langfristig zu halten?
Dörrzapf: Ein wichtiger Bezugspunkt ist bei unserem Heft sicherlich die Fernsehsendung Willi wills wissen. Wir bekommen begeisterte Leserbriefe zu Willis Sendung und viele Leser freuen sich, dass er jetzt auch ein Magazin hat. Außerdem setzen wir auf interaktive Angebote. Sehr gut nehmen die Kinder die Möglichkeit an, Willi Fragen zu stellen: "Warum müssen wir eigentlich schlafen?", "Welche Blutfarbe haben Insekten?" interessiert Kinder zum Beispiel. Die Fragen und Antworten bekommen im Heft zwei Doppelseiten. Kinder können so das Heft mitgestalten und sie bekommen Antworten, die ihre Eltern vielleicht nicht geben konnten. Der Leserclub bietet eine weitere Möglichkeit mitzumachen: Hier schicken Kinder Fotos, Witze und Grüße ein. Auf der Marktplatzseite, auf der wir Bücher, Spiele und Kinofilme vorstellen, dürfen Leser sogar schreiben: Ein Kolumnist testet für P.M. Willi wills wissen in jeder Ausgabe ein neues Spiel oder Buch.
Interview: Inga Koehler
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