Veranstaltungen: Dokumentation

"Kinder haben ein Recht auf Unterhaltung!"

Frank Klasen, Leiter der Redaktion Kinderprogramm von Super RTL, im Interview


22.1.2007
Frank Klasen, Leiter der Redaktion Kinderprogramm von Super RTL, im Interview

bpb: Herr Klasen, Super RTL steht in der Gunst der Kinder hoch im Kurs. Womit erklären Sie sich den Erfolg Ihres Senders?

Klasen: Unsere Stärke ist das Erzählen von Geschichten, die Kinder begeistern und faszinieren. Wir sind schon seit Jahren der Lieblingssender der Kinder und Marktführer für die Drei- bis Dreizehnjährigen. Wir bieten den Kindern ein mediales Zuhause, eine Welt, in der sie ernst genommen werden. Dabei setzen wir nicht auf Trends, sondern bauen unsere Marken langsam auf. Ich denke, der Grund für unsere Dominanz ist die konsequente Ausrichtung auf die Wünsche der Kinder.

bpb: Woher wissen Sie, was Kinder wollen?

Klasen: Zum Beispiel durch unsere Studien, etwa die Kinderwelten-Studie, die alle zwei Jahre durchgeführt wird, oder die Online-Kids-Studie. Damit gewinnen wir einen genauen Blick auf den kindlichen Medienalltag. Außerdem gibt es bei uns die so genannten Kids-Tage, an denen wir Schulklassen einladen. Dabei bieten wir den Kindern einen Blick hinter die Kulissen des Studio- und Sendebetriebs, aber wir fragen sie auch nach ihren Meinungen zu unserem Programm und diskutieren ihre Fernsehgewohnheiten. Diese Diskussionen werden aufgezeichnet und später analysiert.

bpb: Was muss man denn beachten, wenn man Programm für Kinder macht?

Klasen: Man muss in erster Linie verantwortungsvoll mit der Zielgruppe umgehen. Wir wollen schließlich ein qualitativ hochwertiges Programm anbieten. Dieser Anspruch basiert auf ästhetischen Aspekten der Aufbereitung, etwa dem Schnitt oder der Musik, berührt aber natürlich auch inhaltliche Aspekte. Natürlich stellen wir uns auch die Frage: Soll Kinderfernsehen einen Beitrag zur Erziehung leisten oder dient es allein der Unterhaltung?

bpb: Wie würden Sie persönlich diese Frage beantworten?

Klasen: Ich meine, Kinder haben auch ein Recht auf Unterhaltung. Es muss doch nicht jedes Format preisgekrönt sein, nicht in jedem Format müssen Eltern unbedingt einen Mehrwert sehen. Da gibt es diesen hohen Anspruch an die Kinder, der oft auf dem schlechten Gewissen der Eltern beruht. Erwachsene lassen sich doch auch gerne unterhalten!

bpb: Gibt es bei Ihnen aber Tabus im Kinderprogramm?

Klasen: Rohe Gewalt etwa ist bei uns nicht zu sehen. Und auch bei der Synchronisation der Serien aus dem angelsächsischen Raum etwa achten wir auf den Sprachduktus, Kraftausdrücke und Gossensprache werden vermieden.

bpb: Wenn Sie einen Blick auf den Kindermedienmarkt generell werfen: Wo sehen Sie Defizite?

Klasen: Ich finde die Medienlandschaft nicht sehr kinderfreundlich. Was mich auch ärgert: Wir geben den Programmzeitschriften Altersempfehlungen für unsere Formate mit – aber die übernehmen sie nicht. Oft werden die Formate nur in einem Block subsumiert, ohne Empfehlungen oder Kritik. Es gibt nur eine sehr rudimentäre Auseinandersetzung mit Kinderprogrammen. Da könnten sich die Verantwortlichen doch mehr Mühe geben. Oder schauen Sie mal auf die großen Fernsehpreise: Es gibt keine Kategorie "Bestes Kinderprogramm". Man hält uns am Katzentisch. Dem Kinderprogramm muss in Deutschland ein größerer Stellenwert verschafft werden.

Interview: Barbara Lich


 

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