Veranstaltungen: Dokumentation

Die Glendora Review, ein Magazin aus Lagos, Nigeria

Statement von Kunle Tejuoso

12.1.2007
Die Glendora Review ist ein Magazin aus Lagos, Nigeria. Entstanden im Jahr 1995 unter der Abacha-Diktatur, will es ein Forum für freien Ideenaustausch bieten. Beitrag von Kunle Tejuoso auf Deutsch.

  • Statement in English

    "Der Name Glendora Review kommt von der Buchhandlung, einem Familienbetrieb in Lagos. Ich möchte unsere Buchhandlung als einen kulturellen und nicht- Mainstream Buchladen beschreiben; mit der Auswahl der Bücher, die wir anbieten, versuchen wir so viel an Informationen wie möglich zu verbreiten. Die Zeitschrift wird also finanziell im Wesentlichen von der Buchhandlung getragen; sie ist mit keiner Institution verbunden.

    Glendora Review wurde 1995 in Lagos gegründet in einer Zeit, in der uns – durch einen Diktator Namens Abacha – unser Leben sehr schwer gemacht wurde. Alles Mögliche passierte: die führenden Schriftsteller, Journalisten und viele Intellektuelle verließen das Land, einige wurden inhaftiert. Viele der brillanten Intellektuellen, die wir in Lagos hatten, waren nach Amerika gegangen und wir hatten keinerlei Zugang mehr zu ihren Artikeln und Essays. Es waren einige der klügsten Köpfe, die in den späten 1970er und den 1980er Jahren nach Amerika zum Unterrichten gegangen waren und ihre Texte nun im Ausland veröffentlichten. Damals gab es noch kein Internet, durch das man leicht Zugang zu diesen Essays hätte bekommen können, daher war Glendora Review das Forum, in das man reinschauen und einige ihrer Arbeiten lesen konnte.

    Der Plan oder das Konzept der Zeitschrift war, ein Forum des Austauschs aufzubauen, das uns ermöglicht, Ideen zu sammeln und eine Plattform zu bilden, auf der wir unsere eigenen Geschichten, in unserer eigenen Sprache und in unserem Stil erzählen können. Außerdem ging es darum, Zugang zu den Arbeiten unserer Intellektuellen zu bekommen, die aus dem Land geflohen waren und deren Impulse wir verloren hatten. Die Zeitschrift sollte also so viel Material wie möglich zusammenzutragen, damit wir über die aktuellen Trends und Ideen informiert werden, von denen auch viele unserer lokalen Künstler, Autoren und kulturellen Aktivisten lernen können. Für sie war die Zeitschrift eine Basis, Zugang zu den neuen Ideen zu erhalten, die in der Welt und besonders im Westen entwickelt wurden. Gleichzeitig verlieh sie ihnen eine Stimme, um ihre eigenen Arbeiten präsentieren und über viele Dinge diskutieren zu können. Abgesehen davon war Glendora Review auch eine einzigartige Zeitschrift, da wir aus dem Format ausbrachen, für das afrikanische Zeitschriften üblicherweise bekannt waren. Wir wollten mehr Graphiken, mehr Kreativität und ein stärkeres künstlerisches Verständnis einbringen.

    Dies waren also die großen Ideen, die wir hatten, damals, 1995, als wir mit der ersten Ausgabe begannen, aber als sich die Zeitschrift von Nummer zu Nummer weiterentwickelte, lernten wir auch die mit dem Publizieren verbundenen Schwierigkeiten kennen. Sie war anfangs von der Buchhandlung getragen, doch als wir größer wurden, wurde es für uns durch den Mangel an Mitteln immer schwieriger, nicht nur zu produzieren, sondern auch Zugang zu Artikeln zu bekommen. Wir bekamen unter anderem auch Schwierigkeiten, an die Art von Fotos zu kommen, die wir wollten. Während wir für diese Dinge Lösungen suchten, stellten wir fest, dass wir indirekt einen ganzen Bereich von Aktivitäten stimuliert hatten und inzwischen mit einer neuen Generation von Fotografen zusammenarbeiteten, anstelle der alten Meister der Vergangenheit. All dies geschah, weil wir nach einem zeitgemäßerem Erscheinungsbild suchten, das unserer Art von Zeitschrift entsprach. So bemerkten wir, dass ein ganz neues Szenario entstanden war: junge Fotografen, Autoren und Künstler hatten sich durch die Plattform, die wir geschaffen hatten, entwickelt. Sie hat uns auch vernetzt und es uns ermöglicht, Arbeiten aus anderen Teilen des Kontinents zu sehen und zu lesen. Es war keine einfache Aufgabe, die Zeitschrift zu produzieren, sondern voller Herausforderungen. Ein anderer Aspekt des ganzen Prozesses, den wir beobachteten, war, dass viele der Ideen, die im Westen propagiert werden – ich meine von afrikanischen Intellektuellen – manchmal weit entfernt sind von den künstlerischen Aktivitäten und Theorien, die von den Kollegen zu Hause praktiziert werden. Daher konnte die Zeitschrift beiden Seiten auch als verbindende Brücke dienen.

    Wir diskutierten immer die Argumente die zur jeweiligen Zeit zirkulierten und befragten sie auf ihre Relevanz. Wir versuchten herauszufinden, welche Debatten für unsere Sache von Relevanz waren, denn viele der Theorien und Ideen, die im Westen propagiert werden, sind völlig irrelevant für unsere Situation und die Bedingungen in Afrika. Wir suchten also nach Theorien und Ideen, die unserer Situation angemessen waren."


     
  • Blog

    Bundeskongress Politische Bildung, Eröffnung

    Bundeskongress Politische Bildung

    Mehr als 900 Teilnehmer diskutierten auf dem Bundeskongress Politische Bildung (21.-23.5) über das Zeitalter der Partizipation. Impressionen, Interviews und Artikel zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie im Blog zum Bundeskongress. Weiter... 

    Veranstaltungsdokumentation (Juni 2011)

    5. Fundraising-Tag der politischen Bildung - 10. Juni 2011, Köln (KOMED)

    Für immer mehr Bildungseinrichtungen wird es unausweichlich, ein professionelles Fundraising aufzubauen. Während des Fundraising-Tages organisieren die Beteiligten seit nunmehr fünf Jahren einen Wissenstransfer. Im Rahmen von acht Workshops wurden konkrete Aktionen und Konzepte des Fundraisings für die politische Bildung vorgestellt und diskutiert. Weiter... 

    Coverbild bpb: magazin HQZeitschrift

    bpb:magazin

    Aus drei mach eins! Kannten Sie bisher das Publikationsverzeichnis, den Veranstaltungskalender und den Flyer für die Studienreisen, so bietet das bpb:magazin den Service dieser drei Publikationen und viele weitere interessante Informationen nun aus einer Hand. Weiter... 

    Themen und Materialien

    Compasito

    COMPASITO bietet Praxisanregungen für Multiplikatoren, die sich mit Menschenrechtsbildung für sieben- bis dreizehnjährige Kinder befassen wollen. Das Buch macht mit den wichtigsten Begriffen der Menschen- und Kinderrechte vertraut und vermittelt theoretisches Hintergrundwissen zu 13 Menschenrechtsthemen. Weiter... 

    Themen und Materialien

    Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit-Werteordnung und Wertevermittlung

    Werte gewinnen in der Gesellschaft wieder an Bedeutung, gerade auch im Schulalltag. Dies stellt den Unterricht vor neue Herausforderungen. Für die Schule und die außerschulische Bildung liefern die zwölf Bausteine des Bandes Vorschläge zur Beschäftigung mit Bereichen unserer Werteordnung. Weiter... 

    Sonstige

    Europa - Das Wissensmagazin für Jugendliche - Schülerheft

    Wer macht Was in Europa? Was ist die Europäische Union? Mit vielen Aufgaben, Quizfragen und Diskussionsideen im Wissensmagazin können Jugendliche sich das Thema Europa erschließen. Weiter...