Veranstaltungen: Dokumentation

2.5.2006 | Von:
Sabine Peschel

Panel 2: Kollektives und soziales Gedächtnis

Kulturelles Gedächtnis. China zwischen Vergangenheit und Zukunft

Was sind die Unterschiede zwischen sozialem und kollektivem Gedächtnis? Die Literatursoziologin Aleida Assmann und der Kunsthistoriker Leng Lin referierten zum Thema kulturelles Gedächtnis in China.

"Das Gedächtnis des Einzelnen entsteht im Austausch mit den Wir-Gruppen, in die wir hineingeboren oder -gewählt werden", erklärte Aleida Assmann. Aber was sind die Unterschiede zwischen sozialem und kollektivem Gedächtnis? Die Literatursoziologin legte die terminologischen Grundlagen für die folgenden Diskussion: Das soziale Gedächtnis ist emotional und medial geprägt, es entsteht durch den kommunikativen Austausch und ist kurzlebig. Das kollektive Gedächtnis dagegen ist stabil, es überdauert den Tod. Es wird über längere Zeiträume auf Archetypen reduziert, mentale Bilder werden zu Ikonen. Das kulturelle Gedächtnis ist – nach ihrer Definition – ein längerfristiges, es beruht auf Institutionen wie Bibliotheken, Museen und Archiven, es wird von professionellen "Hütern der Erinnerung" verwaltet. Das auf Dauer angelegte "nationale" ist aber oft kürzer als das soziale Gedächtnis, und dann entsteht eine Art "Zweigleisigkeit" von offiziellem und inoffiziellem Erinnern. Und somit ein Konflikt im Bewusstsein des Individuums.

Der Kunsthistoriker Leng Lin bezog die theoretischen Erläuterungen von Frau Assmann anschaulich auf China. Sein Blick auf die Kunstszene der letzten zwei Jahrzehnte und ihre schnell wechselnden Perspektiven machte deutlich, wie stark die chinesische Kunst diesen Identitätskonflikt thematisiert. "Welchen Wert hat die Tradition noch für uns Chinesen?", diese Frage stellt sich immer wieder neu. Sie wird ganz verschieden beantwortet: in der globalisierten Auseinandersetzung, mit rückhaltloser Individualität, durch Verweigerung in Gestalt von inhaltlicher Entleerung. In jüngster Zeit wenden sich einige chinesische Künstler unter neuen, quasi-dokumentarischen Vorzeichen verstärkt der gesellschaftlichen Realität zu.

  • PDF-Icon Vortrag von Aleida Assmann (PDF-Version: 122 KB)

    Teilnehmende
    • Aleida Assmann, Literaturwissenschaftlerin Universität Konstanz
    • Leng Lin, Kunsthistoriker und Kurator, Beijing
    • Thekla Wiebusch, Ostasienwissenschaftlerin, Paris (Moderation)


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