Veranstaltungen: Dokumentation

2.5.2006 | Von:
Sabine Peschel

Panel 5: Kulturelle Erinnerung als künstlerische Praxis

Kulturelles Gedächtnis. China zwischen Vergangenheit und Zukunft

"Fiktive Erinnerung" und die Aufdeckung von Mythisierung und Verfälschung mit den Mitteln der Kunst – Sind die Künstler das bessere Gewissen der chinesischen Gesellschaft, die Bewahrer der Authentizität?

"Fiktive Erinnerung" und die Aufdeckung von Mythisierung und Verfälschung mit den Mitteln der Kunst beschäftigte – bei ganz verschiedenen Herangehensweisen – die Teilnehmer dieses Panels. Zhang Dali berichtet von seinem Archivierungsprojekt, das auf eindringliche Art veranschaulicht, wie stark die Inhalte und die Ästhetik von Bildern und Fotografien im revolutionären China von politischen Zielen bestimmt waren. Lange vor den Zeiten von "Photoshop" wurden dokumentarische Fotos retuschiert, unliebsame Personen entfernt, Größenverhältnisse verändert, Farben hinzugefügt, Dramatik inszeniert. Seit den Fünfzigerjahren hat die Idealisierung und Manipulation dazu geführt, dass es von wichtigen politischen Motiven so verschiedene Fassungen gab, dass Fotos zu Gemälden wurden und heutzutage oft nicht mehr erkennbar ist, welches das Orginal war.

Auch Wang Qingsong versteht seine Bilder als detektivische Arbeit. In seinen Werken reflektiert er die Durchdringung von Ost und West – eine Demonstration mit sozialistischen Parolen und Werbetafeln für McDonalds – und den Umgang heutiger Intellektueller mit Phänomenen der Vergangenheit. "Politik und Werbung haben denselben Zweck", bilanzierte der Künstler, "sie wollen uns was glauben machen".

Der Dichter Xi Chuan deckt in der Beijinger Stadtlandschaft Spuren von "echter" und "falscher" Erinnerung auf. Die Kulturrevolution hat zahllose Orte bedeutender Überlieferungen zerstört. Die noch erhaltenen Relikte beseitigen, wenn sie gerade stören, die heutigen Stadtplaner und errichten dafür an anderer Stelle neue "historische" Gebäude. Das städtische Gedächtnis wird so stark verändert, dass es sich an die politischen Vereinfachungen der jüngsten Geschichte anpasst. "Das kulturelle Gedächtnis nimmt jedoch auch den Abriss der alten Gebäude in sich auf", so der Intellektuelle, "echte Erinnerung ist immer voller Konflikte und Widersprüche."

Teilnehmende
  • Zhang Dali, Performancekünstler, Beijing
  • Xi Chuan, Poet und Übersetzer, Beijing
  • Wang Qingsong, Künstler, Beijing
  • Anne-Marie Bonnet, Kunsthistorikerin, Universität Bonn (Moderation)


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