Veranstaltungen: Dokumentation

3.5.2006 | Von:
Sabine Peschel

Panel 8: Urbane Räume: Räume des Erinnerns und Vergessens

Kulturelles Gedächtnis. China zwischen Vergangenheit und Zukunft

Historische städtische Räume haben in China nie die Wertschätzung genossen, die diese in Europa hatten. Mehr noch: In China gibt es eine Tradition des städtebaulichen Abrisses und Neuaufbaus nach jedem Dynastiewechsel. Ist der rücksichtslose Bauboom und die einhergehende Zerstörung eine moderne Fortsetzung dieser Überlieferung?

Als Versuch, "die Last des kulturellen Erbes loszuwerden", interpretiert Jasper Becker die Stadtzerstörung in China in den letzten hundert Jahren. Die zerstörerische Politik habe schon in den Zwanzigerjahren unter der Guomindang-Herrschaft eingesetzt und sich unter den Kommunisten während der Kulturrevolution zur totalen Ablehnung der Vergangenheit gesteigert. Heutzutage wird in den chinesischen Großstädten in gigantischem Maßstab gebaut – und gleichzeitig kollektives Gedächtnis vernichtet, urteilt Becker, der sich als Buchautor intensiv mit der Stadtplanung Beijings beschäftigt hat. Von 600 traditionellen Gassen (hutongs), die es vor fünfzig Jahren noch gab, existieren es nur noch fünfzehn. Die einstmals 1,3 Millionen traditionellen Vier-Seiten-Wohnhöfe sind fast komplett niedergerissen. Von 2000 historischen Städten in China sind lediglich zwanzig einigermaßen in ihrer Form erhalten. "Der Staat hat die Kontrolle über das in den Städten kristallisierte kollektive Gedächtnis erlangt und persönliche Erinnerung mit aller Macht zerstört."

Von einem vergleichsweise bescheidenen Gegenbeispiel berichtet der Künstler Huang Rui. Das von Avantgarde-Künstlern auf einem alten Fabrikgelände im Nordwesten Beijings geschaffene alternative Stadtentwicklungsprojekt "798" wurde nach langen Debatten Anfang 2006 unter Denkmalschutz gestellt.

Auch in Taibei, der Hauptstadt der von der chinesischen Regierung noch immer als abtrünnige Provinz angesehenen Insel Taiwan, wurde die städtische Struktur Jahrzehnte lang mit wenig Rücksicht auf die Einwohner und deren Bezüge zur Stadt modernisiert. Professor Kang Min Jay belegte mit vielen Fotos und Plänen, dass die Stadtplaner inzwischen anders denken und einzelne Viertel Taibeis behutsam gesellschaftsbezogen verändern.

  • PDF-Icon Vortrag von Jasper Becker (englisch) (PDF-Version: 116 KB)
  • PDF-Icon Vortrag von Huang Rui (PDF-Version: 84 KB)
  • PDF-Icon Vortrag (chinesisch) von Huang Rui (PDF-Version: 293 KB)


    Teilnehmende
    • Jasper Becker, Journalist und Wissenschaftler, Beijing
    • Huang Rui, Kurator und Künstler, Beijing
    • Kang Min Jay, Urbanist, Universität Tamkang, Taiwan
    • Jochen Noth, Asien-Pazifik-Institut für Management, Berlin (Moderation)


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