Veranstaltungen: Dokumentation

"Damit wir morgen nicht alt aussehen"

Der demografische Wandel im Lokalteil

3.4.2006
Zu viele Alte, zu wenig Junge - der demografische Wandel ist längst Tagesthema. Auf dem Modellseminar entwarfen Journalistinnen und Journalisten praxisnahe Konzepte, wie Lokalressorts das Thema aufgreifen und den Veränderungen ihrer Leserschaft begegnen können.

Sind wir in zwölf Generationen ausgestorben? Wovon sollen wir im Alter leben? Was ist nur mit den Frauen los? Die bedrohlichen Schlagzeilen der Tageszeitungen verheißen nichts Gutes, die "Schrumpf-Spirale" dreht sich weiter, der demografische Wandel nimmt seinen Lauf. Aber der Bevölkerungsrückgang ist nicht nur ein Thema für den Mantelteil – gerade die Lokalressorts sind gut beraten, sich auch inhaltlich auf die Veränderungen ihrer Leserschaft einzustellen.

Das Modellseminar "Damit wir morgen nicht alt aussehen", das das Journalistenprogramm der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb vom 20. bis 24. März in Tannenfelde bei Neumünster veranstaltete, spornte dazu an, den demografischen Wandel in den Lokalteil zu holen. Über 30 Journalistinnen und Journalisten aus dem ganzen Bundesgebiet diskutierten eine Woche lang über die unterschiedlichen Facetten des Themenkomplexes und erarbeiteten praxistaugliche Ansätze, um der Herausforderung im Blatt gerecht zu werden. In vier Arbeitsgruppen standen neue Herangehensweisen und innovative Konzepte im Vordergrund: Unter den Überschriften "Neue Ansprüche", "Neue Chancen", "Neue Politik" und "Neue Blickwinkel" widmeten sich die Lokaljournalisten konkret der Frage, wie sich die Arbeits- und Alltagswelt in den nächsten Jahrzehnten ändern wird und wie eine Lokalzeitung diesen Wandel adäquat abbilden kann – den älter werdenden Abonnentenstamm fest im Blick.

Dass es beim Thema Demografie nicht nur um die ältere Generation geht, machten vor allem die hochkarätigen Referenten klar, die den Lokaljournalisten mit Zahlen, Hintergründen und Zusammenhängen handfesten Input lieferten. Mehr als ein Dutzend Gäste aus Praxis und Wissenschaft hielten Vorträge über Aspekte der Bevölkerungsentwicklung, darunter Prof. Ernst Pöppel von der interdisziplinären Forschungsgruppe "Generation Research Program", die an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität die Bedürfnisse der sogenannten Generation plus untersucht. Petra Broistedt stellte die Modellregion Holzminden vor, die mit akutem Bevölkerungsschwund zu kämpfen hat und mit verschiedenen Ansätzen versucht, die starke Abwanderung aufzuhalten. Das Holmindener Modell wird unter anderem von der Bertelsmann-Stiftung unterstützt, und Kerstin Schmidt, die Projektleiterin der Bertelsmann-Initiative "Wegweiser Demografischer Wandel", kennt die Probleme dieser und anderer Regionen Deutschlands genau. Sie referierte über die Prognosen für die deutschen Städte und Gemeinden und bilanzierte: "Kommunen müssen ihr Angebot für Kinderbetreuung ändern". In Dänemark ist das längst kein Thema mehr, das veranschaulichte Claudia Knauer, Chefredakteurin der Tageszeitung "Der Nordschleswiger" für die deutsche Minderheit in Dänemark: Das dortige Tagesmütter-Modell macht es selbst für Frauen in der Medienbranche einfach, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Zahlen, Fakten, Statistiken, Prognosen – so trocken der Stoff "Demografie" daher kommt, eines ist klar: Journalisten können, sollen, ja müssen in Zukunft dieses Thema fürs Blatt mit Leben füllen. Der Spagat zwischen aussterbendem Abonnentenstamm und umworbenem Nachwuchs ist gerade für Lokalzeitungen eine spannende Herausforderung. Aber sie können es schaffen, wie die Beispiele zeigen, die etwa Theo Hirnstein von der Westfalenpost vorstellte: Mit passender Bildsprache, treffenden Formulierungen und Inhalten, die junge wie ältere Leserinnen und Leser gleichermaßen über die Risiken und Chancen des demografischen Wandels informiert.

Text: Anne Haeming


 

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