Veranstaltungen: Dokumentation

Jürgen Heinrich: Digitalisierung von Informationen

17.3.2006
Durch die Digitalisierung von Informationen ist es zwar billiger geworden, Fernsehprogramme auszustrahlen oder Nachrichten zu übermitteln, sagt Jürgen Heinrich, emeritierter Professor an der Universität Dortmund. Es werde allerdings nicht billiger, Informationen zu beschaffen.

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Der Prof. em. für Journalistik spricht über die Zukunft der Informationsbeschaffung im Journalismus.


Die Digitalisierung von Informationen bedeutet aus ökonomischer Sicht eine Zunahme der Vertriebskapazität. Es wird sehr viel billiger, Fernsehprogramme auszustrahlen, Nachrichten zu übermitteln. Es wird aber keinswegs günstiger, Informationen zu gewinnen und zu recherchieren. Es wird lediglich billiger, diese Informationen zu verbreiten. Vorhandene Informationen werden immer wieder recycled, vermehrt, verbreitet und dadurch entsteht praktisch ein Versatzstückjournalismus – im Gegensatz zur eigenen Recherche und der eigenen Befragung von Leuten. Es liegt in der Natur der Sache, dass das eine im Verhältnis zum anderen sehr viel billiger wird. Also kommt es immer darauf an, dass sich die Kostenrelationen verschieben. Und das muss nach ökonomischer Logik eine Auswirkung haben.

Ich teile nicht den Optimismus von Herrn Hombach, dass sich Qualitäts-Journalismus richtig lohnen wird. Er hat selbst beschrieben, dass überall im Ausland die Gratiszeitungen vorherrschen. Und ich glaube, das wird auch für Deutschland zu beobachten sein. Ich befürchte, dass eine Flut von billigen Medienangeboten die Zukunft sein wird.

Ich sehe darin ein Problem, dass normalerweise der Nachfrager, der Rezipient die Qualitätskontrolle übernimmt. Er muss entscheiden, ob das Produkt, das ihm angeboten wird, eine gute Qualität hat. Das macht er bei Bohrmaschinen und Automobilen auch hinlänglich gut. Aber die Qualität von Medienprodukten kann der Rezipient weniger gut beurteilen. Er weiß nicht, ob die Berichterstattung richtig oder einfach nur Product Placement ist. Womöglich interessiert es ihn auch gar nicht. Und weil diese Art von Kontrolle ausgeschaltet ist, müsste sie ersetzt werden durch eine eigene – bisher nur begrenzt vorhandene - Kontrolle der Medienschaffenden oder, was häufig diskutiert wird, durch eine Stiftung Medientest - analog zur Stiftung Warentest.

Redaktion: Marcus Pawelczyk
Kamera und Schnitt: Jörg Pfeiffer
Das Interview entstand auf dem Bundeskongress für politische Bildung vom 2. bis 04. März 2006.


 

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