Veranstaltungen: Dokumentation

Große Bühne in der zweiten Reihe

Polit-Talker Frank Plasberg, Festredner der W(ahl)-Award-Preisverleihung, über Quoten, Boulevard und Emotionen


13.2.2006
Polit-Talker Frank Plasberg, Festredner der W(ahl)-Award-Preisverleihung, über Quoten, Boulevard und Emotionen

bpb: Herr Plasberg, wie macht man mit Politik Quote im Programm?

Plasberg: Ganz einfach: Indem man gar nicht erst anfängt, politischer Journalist sein zu wollen, sondern sich daran erinnert, was man in seinem Beruf gemacht hat und was einem dabei immer am meisten geholfen hat: Neugier und Interesse an Menschen. Ich selbst war Lokalredakteur und Polizeireporter und später bei SWF3 auch mit der Mischung aus Unterhaltung und Information befasst. Und all diese Erfahrungen habe ich versucht, in eine Sendung zu packen. Mit einem Team, das darauf auch Lust hatte.

bpb: Ihre Sendung "hartaberfair" läuft im WDR. Funktioniert denn insbesondere in der Politikberichterstattung die "kleine Bühne" besser? Hat man mehr Narrenfreiheit?

Plasberg: Das ist einerseits völlig falsch und andererseits genau richtig. Wir leben davon, dass Leute glauben, wir spielten auf der kleinen Bühne. Tatsächlich aber sind wir eine große Bühne, weil wir so viele Zuschauer haben. Etwas weniger als Maybritt Illner. Aber wir sind unabhängig von dem Verbreitungsweg der ARD und machen einfach eine Sendung mit einer erstaunlicher Quote, am 8. Februar zum Beispiel hatten wir bundesweit im Schnitt (!) 2,09 Millionen Zuschauer. Das hebt einen dann automatisch auf eine große Bühne, die aber trotzdem aus der zweiten Reihe spielt, und das ist von Vorteil. Wir leben eben auch davon, dass die Leute finden, dass wir anders sind als die reinen, etablierten Diskussionsrunden.

bpb: Sie haben Ihre Sendung selbst als Boulevard bezeichnet. Haben Sie in Sachen Politikberichterstattung nicht manchmal Angst, dass die Grenzen zwischen Information und Unterhaltung verwischen?

Plasberg: Mein Boulevard-Verständnis ist folgendes: Leute, die um 20.15 Uhr nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommen, sagen nicht "Mensch, geil! Heute machen die was über die Föderalismusreform". Wir müssen also einen emotionalen Zugang finden, um uns gegen Fußball und Otti Fischer durchzusetzen. Ich glaube nicht, dass das, was wir machen, Infotainment ist. Wir sind eine Diskussionssendung mit Einspielern, die Emotionen und Bohrtiefe mischt. Und Emotion heißt hier: Ärger, aber auch Lachen. Aggression, aber auch Freude. Oder Betroffenheit, Traurigkeit. Nichts anderes ist die Definition von Unterhaltung: Gefühle zum Sprechen zu bringen.

bpb: hre Sendung heißt "hartaberfair". Waren Sie denn immer hart und trotzdem fair? Oder haben Sie das Gefühl, Sie haben Leute auch schon mal bloß gestellt?

Plasberg: Nein, das Gefühl habe ich nicht. Und, ja, manchmal habe ich es doch: Wenn ich einen Fehler gemacht habe, wenn ich zum Beispiel bei jemandem, der schon am Boden lag, noch mal nachgebohrt habe. Das kam aber ganz selten vor. Man darf in diesem Zusammenhang nie die Wirkungspsychologie außer Acht lassen: Man kann inhaltlich noch so recht haben und der Gast kann lügen und Unwahrheiten erzählen. Wenn ich mich an ihm festbeiße und zu sehr auf ihm herumtrampele, dann gibt es irgendwann einen Mitleidseffekt. Dann sagt jeder: Der arme Mann, der tut mir leid. In der Situation haben sie als Moderator verloren.

bpb: Stichwort Politikverdrossenheit. Sind Sie der Auffassung, dass Sie mit Ihrer Sendung erfolgreich dagegen angehen?

Plasberg: Ich bin nicht Journalist geworden, um Therapeut eines Landes zu sein. Wer sind wir denn, dass wir irgendwelche heilenden Funktionen hätten?! Mich berührt und beeindruckt es, wenn bei schwierigen sperrigen Themen 1,5 Millionen Menschen – oder in der Spitze zwei Millionen Menschen – diese Sendung verfolgen. Darüber freue ich mich erst einmal. Ob dass dann diejenigen sind, die sich ohnehin schon für das Thema interessieren, oder ob darunter der eine oder andere ist, den man vielleicht zum Thema zurück geholt hat, das weiß ich nicht.

Interview: Anne Haeming, Barbara Lich


 

Blog

Bundeskongress Politische Bildung, Eröffnung

Bundeskongress Politische Bildung

Mehr als 900 Teilnehmer diskutierten auf dem Bundeskongress Politische Bildung (21.-23.5) über das Zeitalter der Partizipation. Impressionen, Interviews und Artikel zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie im Blog zum Bundeskongress. Weiter... 

Veranstaltungsdokumentation (Juni 2011)

5. Fundraising-Tag der politischen Bildung - 10. Juni 2011, Köln (KOMED)

Für immer mehr Bildungseinrichtungen wird es unausweichlich, ein professionelles Fundraising aufzubauen. Während des Fundraising-Tages organisieren die Beteiligten seit nunmehr fünf Jahren einen Wissenstransfer. Im Rahmen von acht Workshops wurden konkrete Aktionen und Konzepte des Fundraisings für die politische Bildung vorgestellt und diskutiert. Weiter... 

Coverbild bpb: magazin HQZeitschrift

bpb:magazin

Aus drei mach eins! Kannten Sie bisher das Publikationsverzeichnis, den Veranstaltungskalender und den Flyer für die Studienreisen, so bietet das bpb:magazin den Service dieser drei Publikationen und viele weitere interessante Informationen nun aus einer Hand. Weiter... 

Themen und Materialien

Compasito

COMPASITO bietet Praxisanregungen für Multiplikatoren, die sich mit Menschenrechtsbildung für sieben- bis dreizehnjährige Kinder befassen wollen. Das Buch macht mit den wichtigsten Begriffen der Menschen- und Kinderrechte vertraut und vermittelt theoretisches Hintergrundwissen zu 13 Menschenrechtsthemen. Weiter... 

Themen und Materialien

Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit-Werteordnung und Wertevermittlung

Werte gewinnen in der Gesellschaft wieder an Bedeutung, gerade auch im Schulalltag. Dies stellt den Unterricht vor neue Herausforderungen. Für die Schule und die außerschulische Bildung liefern die zwölf Bausteine des Bandes Vorschläge zur Beschäftigung mit Bereichen unserer Werteordnung. Weiter... 

Sonstige

Europa - Das Wissensmagazin für Jugendliche - Schülerheft

Wer macht Was in Europa? Was ist die Europäische Union? Mit vielen Aufgaben, Quizfragen und Diskussionsideen im Wissensmagazin können Jugendliche sich das Thema Europa erschließen. Weiter...