Veranstaltungen: Dokumentation

"Mit Sack und Pack: Familie – die vernachlässigte Zielgruppe"

27.9.2005
Ausgerechnet Familienthemen tauchen in den meisten Regionalzeitungen kaum auf. Auf dem Modellseminar "Mit Sack und Pack" der bpb bekamen Lokaljournalistinnen und -journalisten neue Ideen für eine familiennahe Berichterstattung, damit diese Zielgruppe im Redaktionsalltag nicht zu kurz kommt.

Ausgerechnet die Familien kommen in den meisten Regionalzeitungen kaum vor. Dabei stehen sie nicht nur wegen des demografischen Wandels ganz aktuell im Mittelpunkt des politischen Interesses, sie gehören auch zu den treuesten Lesern, und gerade für sie kann die Zeitung enorm viel tun.

Das Modellseminar "Mit Sack und Pack: Familie – die vernachlässigte Zielgruppe", das die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb vom 19. bis 23. September 2005 in Kochel am See veranstaltete, machte Lust auf neue Themen rund um das Abenteuer Familie. Rund 30 Lokaljournalistinnen und -journalisten erarbeiteten Konzepte, wie das Thema Familie in der Tageszeitung inhaltlich aufbereitet, weiterentwickelt und kreativ fortgeführt werden kann. In den vier Arbeitsgruppen "Familienprogramm", "Familienbande", "Familienkrach" und "Familienglück" stand einerseits die wachsende Ratgeberfunktion der Lokalzeitungen im Mittelpunkt, andererseits richtete sich das Augenmerk auch auf Möglichkeiten, wie der normale familiäre Alltag in der Zeitung abgebildet werden kann.

Neben der praxisnahen Arbeit in den Seminargruppen, lieferten über ein Dutzend Referenten mit thematisch vielfältigen Vorträgen Anstöße zu Diskussionen und neuen Ideen für die Berichterstattung. Den Auftakt bildete ein Gespräch mit der bayerischen Familienministerin Christa Stewens über notwendige politische Reaktionen auf ein verändertes Familienbild. Die Abkehr von der Klischeefamilie war auch Thema von Andreas Gruhl von der Werbeagentur McCann Erickson. Unter der Überschrift "Werbung für Familien – Familien in der Werbung" stellte er dar, auf welche Weise die Werbewirtschaft Eltern und ihre Kinder adressiert. Wie auch Printmedien diese Zielgruppe erreichen können, erläuterte Marie-Luise Lewicki, die Chefredakteurin der Zeitschrift "Eltern". Das Printprodukt könne als "gute Freundin" fungieren, so Lewicki, die die Familien durch verschiedene Lebensphasen begleite.

Zeitungen, so scheint es, werden immer öfter die Rolle eine Ratgebers übernehmen müssen. Gerade für Lokaljournalistinnen und -journalisten wird es eine zentrale Aufgabe sein, in Zukunft Eltern und Kinder in ihren Blattkonzepten stärker zu berücksichtigen. Wer vermehrt aus der Sicht von Familien berichtet, kann es schaffen, den speziellen Bedürfnissen dieser wichtigen Zielgruppe besser zu entsprechen, das ist das Fazit des Modellseminars. Die Teilnehmenden von "Sack und Pack" haben viele konkrete Ideen bekommen, wie sie dieses Vorhaben auch nach ihrer Rückkehr in den Redaktionsalltag umsetzen können.

Text: Anne Haeming


 

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