Veranstaltungen: Dokumentation

5.11.2004 | Von:
Lena Blum
,
Julia Maier

Impulskonferenz (Open Space)

"Wer immer kommt, es sind die richtigen Leute. Welche Überraschung auch immer geschieht, sie ist okay. Es beginnt, wenn es beginnt; wenn es vorbei ist, ist es vorbei." Dies sind die einzigen Regeln, die es zu beachten gilt, wenn es heißt: "Open Space"!

"Wer immer kommt, es sind die richtigen Leute. Welche Überraschung auch immer geschieht, sie ist okay. Es beginnt, wenn es beginnt; wenn es vorbei ist, ist es vorbei." Dies sind die einzigen Regeln, die es zu beachten gilt, wenn es heißt: "Open Space"! Den Rest bestimmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Nach dem ersten Kongresstag, der von Vorträgen und Plenumsdiskussionen bestimmt war, sind nun heute die zahlreichen Gäste selbst gefragt, über die Zukunft der politischen Bildung zu diskutieren, Visionen zu entwickeln und eventuell konkrete Projektideen zu kreieren.

Die Methode, die von Harrison Owen entwickelt wurde, beruht auf der Annahme, dass im Feld der Teilnehmenden selbst schon genug Wissen und Kreativität vorhanden ist, was lediglich nach einen offenem Raum der Diskussion verlangt. Alles, was bislang in klassischen Kongressformaten in den spannenden bi- oder multilateralen Gesprächen der Kaffeepausen diskutiert wurde, findet nun seinen repräsentativen Platz als fester Bestandteil der Veranstaltung.

"Sie sind selbst Experten des eigenen Wandels. Werden Sie zum Kristallisationspunkt, wo sich Interessen und Leidenschaften bündeln können, bringen Sie Ihre eigenen Ideen ein oder schließen Sie sich den Ideen anderer an", fordert Olaf-Axel Burow, Professor für allgemeine Pädagogik an der Universität Kassel und Gründungsmitglied von Synovativ die Teilnehmenden auf. Etwa 110 sind dieser Einladung gefolgt.

Günstige Rahmenbedingungen für eine gelungene Kommunikation schaffen – das ist das Ziel beim Einsatz der Methode "Open-Space". Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist die Themenwahl freigestellt, sie selbst schlagen Themen in einer Art "Marktplatz" vor, zu denen sich dann Gruppen bilden. Die Inhalte des ersten Blocks von 10 bis 13 Uhr weisen eine große Bandbreite auf. Insgesamt gibt es am Vormittag neun Arbeitsgruppen à 2 bis 15 Mitgliedern, die sich mit Themen vom Internet-Einfluss auf die politische Bildung, die Einbeziehung von Migrantinnen und Migranten als Adressaten der politischen Bildung bis hin zu allgemeinen Themen zu Zivilcourage, Wertewandel sowie dem Verhältnis von Politik und Religion beschäftigen. Zwei weitere Runden am Nachmittag schlossen sich an.

Ein "Gallery Walk" am Freitagabend präsentierte die Ergebnisse aus dem Open Space. Die Trends der unterschiedlichen Gruppenergebnisse spiegelt sich im folgenden Zitat wider: "Die Zukunft ist längst formuliert, wir sollten sie leben." Ob Genderfragen oder das Problem der Teilnehmerakquise und Motivation - augenscheinlich ist immer wieder die offensichtliche Diskrepanz zwischen den fachdidaktischen Erkenntnissen und der Umsetzung. Es herrscht scheinbar ein Konsens über die Probleme in der politischen Bildung und mögliche Lösungsvorschläge, wie Netzwerkbildung, Kreativitätsförderung, Selbstorganisation, Teamarbeit und die Vermittlung der so genannten "Schlüsselqualifikationen". Eine gelungene politische Bildung muss den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellen und setzt dabei Neugierde, Professionalität, Leidenschaft und Authentizität der politischen Bildnerinnen und Bildner voraus, formulierte eine Arbeitsgruppe. Kleine Öffentlichkeiten bilden dabei die Voraussetzung für einen effektiven und kritischen Diskurs.

Auch die strukturellen Rahmenbedingungen, denen sich politische Bildung stellen muss, wurden in den Arbeitsgruppen reflektiert. Dabei wurde fehlendes Grundvertrauen in die politische Bildungsarbeit der Träger kritisiert. Des Weiteren, so die Forderung des Initiators der Arbeitsgruppe, Thomas Tschöke von der Akademie der Katholischen Landjugend, müsse man weg von der Dominanz der Verwaltung hin zur Gestaltung. Die hohen Kosten für den bürokratischen Aufwand stehen in keinem Vergleich zum Gesamthaushalt der freien Träger. Der Förderungskatalog sei nicht mit der Realität der geforderten Teilnehmerakquise kompatibel und lasse zu wenig Freiraum für eine zielgruppenorientierte Veranstaltungsplanung der Träger.

Immer wieder betont wurden die Potenziale von Kooperationen. Als Stichwort wurde hier in einer Arbeitsgruppe die "Vernetzungskultur der Veränderer" genannt. Nur durch den gegenseitigen Informationsaustausch und die Zusammenarbeit sei eine Orientierung und auch Modernisierung in einer komplexen Welt möglich. Engere Kooperationen zwischen außerschulischer und schulischer Bildung schlug eine andere Arbeitsgruppe als Beispiel vor.

Insgesamt wurde die Methode "Open Space" sehr positiv von den Teilnehmenden angenommen. Bei einer abschließenden Blitzlichtumfrage wurde besonders die große Freiheit der Methode befürwortet, durch die intensive Diskussionen, konstruktive Streitgespräche und ein gegenseitiger Austausch möglich waren.


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