Veranstaltungen: Dokumentation

Kulturenwechsel – ein ethnologischer Ansatz zur Vermittlung von Interkultureller Kompetenz

Sandra de Vries, M.A. und Dr. Ursula Bertels

10.3.2004
Warum braucht man Interkulturelle Kompetenz? Wie kann sie vermittelt werden? Ein Beitrag zur Konferenz "Zukunftsverantwortung".

Warum braucht man Interkulturelle Kompetenz?

Eine Studie über missglückte Unternehmensfusionen ergab, dass 85 % der Manager kultureller Unterschiede im Führungsstil als Hauptursache für das Scheitern angaben. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie wichtig Interkulturelle Kompetenz im Geschäftsleben in einer globalisierten Welt ist. Unterstrichen wird diese Tatsache auch dadurch, dass bisher die meisten Studien zu Interkultureller Kompetenz von der Wirtschaft in Auftrag gegeben wurden. Doch auch von politischer Seite wurde die Bedeutung von Interkultureller Kompetenz in einer multikulturellen Gesellschaft erkannt. So wurde auf der Kultusministerkonferenz im Jahre 1996 beschlossen, dass die Vermittlung von Interkultureller Kompetenz zum Bildungsauftrag der Schule gehört.

Wie kann Interkulturelle Kompetenz vermittelt werden? Ein ethnologischer Ansatz

Der Verein Ethnologie in Schule und Erwachsenenbildung (ESE) e.V. arbeitet bei der Vermittlung von Interkultureller Kompetenz mit der Methode der Dritt-Kultur-Perspektive auch Kulturenwechsel genannt. Dabei wird zunächst einmal mit Beispielen aus einer dritten, uns zumeist fremd erscheinenden Kultur gearbeitet, um für den Umgang zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Kulturen/Gesellschaften zu sensibilisieren. Erst in einem zweiten Schritt kommt man zurück in seine eigene Gesellschaft und überträgt das Gelernte in seinen Alltag. Dieser Ansatz ist zentral für die Arbeit von ESE e.V. und hat sich über viele Jahre bewährt. Im Frühjahr 2003 wurde der Verein für diese Methode durch das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) mit dem Preis für Innovation in der Erwachsenenbildung 2003 ausgezeichnet.

Wie kann Interkulturelle Kompetenz vermittelt werden? Die praktische Umsetzung

Im Rahmen eines Seminarbausteins werden die Erfahrungen einer deutschen Krankenschwester in Indonesien geschildert. Hierdurch wird verdeutlicht, wie schnell Missverständnisse zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Kulturen entstehen und welche Folgen diese haben können. Anschließend werden die Lernziele der Interkulturellen Kompetenz erläutert, die es ermöglichen, solche Missverständnisse zu vermeiden oder zu lösen. Die Erfahrungen von ESE e.V. zeigen, dass so Interkulturelle Kompetenz vermittelt werden kann. Dies konnte auch durch eine Evaluationsstudie belegt werden.

Wo sollte Interkulturelle Kompetenz vermittelt werden?

Sowohl aus gesellschaftlicher als auch aus wirtschaftlicher Sicht wird Interkulturelle Kompetenz als Schlüsselqualifikation immer wichtiger. Daher sollte die Vermittlung von Interkultureller Kompetenz zukünftig einen höheren Stellenwert erhalten und die praktische Umsetzung in der Schul- und Berufsausbildung verstärkt gefördert werden.


 

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