Veranstaltungen: Dokumentation

"Nachhaltigkeit diskutiert– Themen und Methoden des Nachhaltigkeitsdiskurses der BASF – 10 Thesen"

Julia Gocke

10.3.2004
Welche Methoden des Nachhaltigkeitsdiskurses wendet die BASF an? Hier finden Sie den Beitrag zur Konferenz "Zukunftsverantwortung" von Julia Gocke, die seit 2002 tätig ist im Sustainability Center der BASF.

1. Anwohner, zukünftige Mitarbeiter und Finanzanalysten fragen nach dem gesellschaftlichen Engagement von Unternehmen, Kunden informieren sich über die Existenz von Sozialstandards und öffentliche Einrichtungen suchen einen glaubwürdigen privaten Partner für gesellschaftspolitische Projekte im In- und Ausland: Unternehmen sind als guter, engagierter Bürger, als Corporate Citizen, gefragt.

2. Gleichsam sind die Herausforderungen, vor die Unternehmen gestellt werden, zunehmend globaler Art: Wasserversorgung, Klimawandel, AIDS oder SARS, wachsendes demographisches Ungleichgewicht, Konkurrenz um Hoch- und Höchstqualifizierte Arbeitnehmer um nur einige Beispiele zu nennen. Diese Herausforderungen können weder von der Politik, noch von der Wirtschaft oder Gesellschaft im Alleingang bewältigt werden. Darüber hinaus führen Globalisierung, Privatisierung und Deregulierung zu einer neuen Verteilung der Verantwortung in Richtung nicht-politischer Akteure und damit auch hin zur Wirtschaft.

3. Die Wirtschaft ist sich ihrer Verantwortung, der Corporate Social Responsibility (CSR), zunehmend bewusst und hat vielfältige Formen zu ihrer Umsetzung entwickelt: von Managementstrukturen über Monitoringinstrumente bis hin zu Private-Public-Partnership (PPP) Projekten. Verbindendes Element dieser Aktivitäten ist das Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung, Sustainable Development (SD). Sein Kerngedanke ist die Balance zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Bedürfnissen in der heutigen Gesellschaft zu halten, ohne die Entwicklungschancen künftiger Generationen zu beeinträchtigen.

4. Nachhaltigkeit wird vielfach rein mit Umweltschutz verbunden und in die "grüne Ecke" geschoben. Das Leitbild steht aus Sicht der BASF sowie vieler Unternehmen jedoch vor allem für Zukunftsfähigkeit, für eine auf Langfristigkeit ausgerichtete Strategie, die die "Licence to operate" und damit die Überlebensfähigkeit des Unternehmens sichert. Grundpfeiler dafür sind Innovationsfähigkeit, eine konsequente Kunden- und Mitarbeiterorientierung sowie der Aufbau eines SDManagement- und Monitoringsystems um letztlich den Business Case für SD sicherzustellen. Denn die Umsetzung des Leitbildes und damit verbundene Investitionen müssen unter Funktionszwängen des Marktes praktizierbar sein. Nachhaltigkeit muss wettbewerbstauglich sein.

5. Um die Ansprüche an die Unternehmenstätigkeit kennen zu lernen und in die langfristige Strategie miteinbeziehen zu können, muss für die Unternehmen der Dialog mit den Stakeholdern im Zentrum jeglicher Nachhaltigkeitsaktivitäten stehen. Zu den Stakeholdern zählen sämtliche für das Unternehmen relevanten Anspruchsgruppen. Für die BASF sind dies die Mitarbeiter und Arbeitnehmervertretungen, Lieferanten und Kunden, die Kapitalgeber, die Politik, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), das Umfeld sowie die Wissenschaft.

6. Ziel des Stakeholderdialogs ist für uns nicht nur das Feedback von außen, sondern gleichsam die Schaffung von Vertrauen und Verständnis durch transparenten und offenen Dialog, der Austausch von Erfahrungen und Sichtweisen, der Einbezug des Know Hows der Stakeholder in Unternehmensentscheidungen sowie unter Umständen auch der Aufbau projektbezogener Kooperationen.

7. Sowie es aufgrund unterschiedlicher Unternehmensstrukturen (Branche, Größe, Lage, Umfeld, etc.) und verschiedener nationaler Rahmenbedingungen, keinen "one size fits all"-Zugang für die Umsetzung von Nachhaltigkeit im Unternehmen gibt, ist auch der Dialog mit den Stakeholdern hinsichtlich der Themen und Methoden zielgruppenspezifisch ausgerichtet. In einigen Bereichen, wie z.B. bei B2B-Gesprächen oder Diskussionen mit bzw. Bewertungen durch Finanzanalysten wird das Thema Nachhaltigkeit als Diskussionsleitfaden oder zusätzlicher Gesprächspunkt in bestehende Strukturen und Diskursmodelle integriert.

8. Die Umsetzung des Leitbildes der Nachhaltigen Entwicklung hat jedoch auch neue Dialog- und Kooperationsformen zwischen Unternehmen und Stakeholdern hervorgebracht, was vielerorts auch zu einer Erweiterung des Stakeholderkreises geführt hat. So sind beispielsweise auf deutscher wie internationaler Ebene zahlreiche Kooperationsprojekte zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor, so genannte Private-Public-Partnerships, entstanden. Eine weitere im Zuge von SD populär gewordene Dialog- und Kooperationsplattform sind Multistakeholder Panel. Hierbei handelt es sich um runde, meist institutionalisierte, Tische, an denen Vertreter verschiedener Gesellschaftssektoren gemeinsame Lösungsansätze zu ökologischen und gesellschaftlichen Problemen erarbeiten. Das auf internationaler Ebene derzeit bekannteste und renommierteste Mulitistakeholder Panel ist vermutlich der Global Compact der Vereinten Nationen. Auf lokaler Ebene gibt es eine Vielzahl von der Zivilgesellschaft oder von Unternehmen initiierten Mulitstakeholderpanel. Für die BASF sind dies Nachbarschaftsforen, in denen Vertreter unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen mit uns Themen diskutieren, die zeigen, welche Probleme und Befürchtungen im Umfeld bestehen aber auch welche Erwartungen an uns und unser gesellschaftliches Engagement gerichtet werden.

9. Gerade hier zeigen sich neue Schnittstellen zwischen Unternehmen und der politischen Bildung, nicht nur als neue Diskurspartner an runden Tischen: Denn die zentrale Aufgabe der Politischen Bildung ist die Vermittelung von Wissen, Urteils-, Gestaltungs- und Handlungskompetenzen zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Fragen und Problemen. Dadurch ermuntert sie Bürgerinnen und Bürger zur aktiven Teilhabe an politischen Prozessen, d. h. auch an Stakeholderdialogen und Nachhaltigkeitsaktivitäten.

10. Nachhaltigkeit und Corporate Citizenship unterliegen nur zu einem geringen Teil wissenschaftlichen Erkenntnissen und Szenarien, wie beispielsweise den Feststellungen zur Endlichkeit fossiler Brennstoffe. Die Frage nach der Art von Mobilität, von Arbeit, Produktion, Tourismus, etc. hängt stark vom gesellschaftlich und historisch geprägten Wertesystem ab, von der Entwicklung der Lebensstile und kulturellen Gegebenheiten. Darüber mit Stakeholdern in Dialog zu treten, die eigene Position zu diskutieren und vor allem gemeinsam an zukunftsfähigen konkreten Rahmenbedingungen für Umwelt, Technik, Soziales und Wirtschaft zu arbeiten, sollte zur gemeinsamen Kernaufgabe von Unternehmen und politischer Bildung werden.


 

Blog

Bundeskongress Politische Bildung, Eröffnung

Bundeskongress Politische Bildung

Mehr als 900 Teilnehmer diskutierten auf dem Bundeskongress Politische Bildung (21.-23.5) über das Zeitalter der Partizipation. Impressionen, Interviews und Artikel zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie im Blog zum Bundeskongress. Weiter... 

Veranstaltungsdokumentation (Juni 2011)

5. Fundraising-Tag der politischen Bildung - 10. Juni 2011, Köln (KOMED)

Für immer mehr Bildungseinrichtungen wird es unausweichlich, ein professionelles Fundraising aufzubauen. Während des Fundraising-Tages organisieren die Beteiligten seit nunmehr fünf Jahren einen Wissenstransfer. Im Rahmen von acht Workshops wurden konkrete Aktionen und Konzepte des Fundraisings für die politische Bildung vorgestellt und diskutiert. Weiter... 

Coverbild bpb: magazin HQZeitschrift

bpb:magazin

Aus drei mach eins! Kannten Sie bisher das Publikationsverzeichnis, den Veranstaltungskalender und den Flyer für die Studienreisen, so bietet das bpb:magazin den Service dieser drei Publikationen und viele weitere interessante Informationen nun aus einer Hand. Weiter... 

Themen und Materialien

Compasito

COMPASITO bietet Praxisanregungen für Multiplikatoren, die sich mit Menschenrechtsbildung für sieben- bis dreizehnjährige Kinder befassen wollen. Das Buch macht mit den wichtigsten Begriffen der Menschen- und Kinderrechte vertraut und vermittelt theoretisches Hintergrundwissen zu 13 Menschenrechtsthemen. Weiter... 

Themen und Materialien

Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit-Werteordnung und Wertevermittlung

Werte gewinnen in der Gesellschaft wieder an Bedeutung, gerade auch im Schulalltag. Dies stellt den Unterricht vor neue Herausforderungen. Für die Schule und die außerschulische Bildung liefern die zwölf Bausteine des Bandes Vorschläge zur Beschäftigung mit Bereichen unserer Werteordnung. Weiter... 

Sonstige

Europa - Das Wissensmagazin für Jugendliche - Schülerheft

Wer macht Was in Europa? Was ist die Europäische Union? Mit vielen Aufgaben, Quizfragen und Diskussionsideen im Wissensmagazin können Jugendliche sich das Thema Europa erschließen. Weiter...