Veranstaltungen: Dokumentation

Per Mausklick in die Nachhaltigkeit

Gertrud Wolf

10.3.2004
Umweltprobleme sind zu einem großen Teil Massenprobleme. Nachhaltiges Wirtschaften, das von einer Gesellschaft spürbar gestützt wird, kann nur stattfinden wenn eben diese Massen aktiv und bewusst an solch nachhaltigem Wirken partizipieren.

1. Zusammenfassung – Der Einsatz von neuen Medien aus der Perspektive der Nachhaltigkeit folgt dem Leitbild der Partizipation.

Umweltprobleme sind zu einem großen Teil Massenprobleme. Nachhaltiges Wirtschaften, das von einer Gesellschaft spürbar gestützt wird, kann nur stattfinden wenn eben diese Massen aktiv und bewusst an solch nachhaltigem Wirken teilnehmen – partizipieren. Genau dies erleichtern neue Medien, wenn sie richtig genutzt werden.

Als wesentlich neu erscheint an den neuen Medien v. a. die Ermöglichung für jeden Menschen zu jederzeit ohne Zensur an einem Massenmedium zu partizipieren. Damit kann eine Brücke von privater Betroffenheit zu Öffentlichkeit und politischem Handeln entstehen und umgekehrt. Parallel zu diesen Möglichkeiten ist der Computer zu einem der wichtigsten Produktionsmittel geworden; die Zunahme an Telearbeitsplätzen verstärkt diesen Trend. So wird eine weitere Schnittstelle zum Wirtschaftssektor geschaffen. D.h. das Internet stellt ein Kontinuum zwischen Privatheit, Öffentlichkeit und Ökonomie her. Damit dies angemessen funktioniert, ist ein erweiterter Begriff von Medienkompetenz notwendig, der auf die Fähigkeit demokratischer, verantwortungsvoller Partizipation abzielt. Es erscheint sinnvoll sich auch von wirtschaftlicher Seite frühzeitig in diesem Prozess zu positionieren, um die Ausgestaltung partizipativer Strukturen mitbestimmen zu können. Beispielhaft für einen solchen Versuch wird das Projekt: Neue Medien im Freiwilligen ökologischen Jahr vorgestellt.

2. Was ist das Neue an den neuen Medien?

In den meisten Verlautbarungen wird Multimedia vor allem als technische Plattform verstanden, die das Sammelsurium alter Medien bedienerfreundlich vereinigt und Medienkompetenz auf die Fähigkeit zur Informationsbeschaffung reduziert. Die wirklich innovativen Möglichkeiten der neuen Medien werden damit aber verkannt. Wie die Erfindung des Buchdruckes im Mittelalter so markieren die neuen Medien einen qualitativen Sprung, weil sie zu einer Brechung vorherrschender Monopolstrukturen führen: Dort nämlich, wo Verlage sowie Rundfunk- und Fernesehanstalten bisher institutionelle Barrieren schafften, bildet das Internet nun ein Massenmedium, dass geradezu von der Partizipation lebt.

Wenn auch die Bedingung der Zensurfreiheit gewisse Risiken mit sich bringt, so sind diese Gestaltungsmöglichkeiten im gesellschaftlichen Demokratisierungsprozess doch zuvörderst als Errungenschaft anzusehen, da die Medienfreiheit Bestandteil der für lebende Demokratie notwendigen freien Meinungsäußerung ist. Wenn den neuen Medien demnach ein viel differenzierteres Spektrum von Qualitäten zugewiesen werden kann, so muss aber auch der Kompetenzbegriff erweitert werden: Es sind v. a. die Gestaltungsmöglichkeiten des Rezipienten, die es ihm erlauben, an für ihn bisher nicht zugänglichen Vermittlungsprozessen teilzuhaben, die das Neue an den neuen Medien ausmachen.

3. Zukünftige Entwicklungspotenziale von Wirtschaft und neuen Medien

Telearbeit, Kundensupport im Call Center oder die Arbeit im Mobile-Office bzw. beim Kunden vor Ort sind Arbeitsformen, die im Zeitalter der Informationstechnologien räumliche und zeitliche Flexibilisierung fördern. Zukunftsforscher prognostizieren, dass bereits in 10 Jahren jeder zweite Berufstätige in einem nicht-regulären Beschäftigungsverhältnis arbeiten wird. Befristete Anstellungen, Teilzeit oder geringfügige Beschäftigung, Zeitarbeit oder neue (Schein-)Selbständigkeit werden vermutlich schon bald zur Normalität gehören. Telearbeit eignet sich für solche neuen Arbeitsverhältnisse in besonderer Weise: Die Anwesenheit am räumlich-institutionell organisierten Arbeitsplatz ist nicht nötig, dadurch wird Büroraum gespart. Dennoch ist ein kurzfristiger Zugriff auf Mitarbeitende möglich. Der Chance, volkswirtschaftlich zur Verfügung stehende Ressourcen zu sparen und übrigens auch verkehrsbedingte technische und ökologische Belastungssituationen abzubauen, steht allerdings die Gefahr der Isolierung des Einzelnen gegenüber.

Stellen wir uns an dieser Stelle noch einmal die Frage, was denn das Neue an den neuen Medien ist, so müssen wir unsere o. g. Definition erweitern: Der online geschaltete Computer stellt nicht nur eine Interaktion ermöglichende Verknüpfung von Privatheit und Öffentlichkeit dar, sondern ist zugleich auch außerordentlich wichtiges Produktionsmittel. Dass globales Massenmedium und Produktionsmittel identisch sind und zugleich Platz auf dem heimischen Schreibtisch – also in der Privatheit – finden ist ein historisches Novum und stellt die demokratische Gesellschaft selbstverständlich vor ganz neue Anforderungen.

Die Zunahme der Telearbeit geht einher mit dem Phänomen der "Entbetrieblichung". Mit dem Wegfall des Betriebes mit seiner Einheit von Raum, Zeit und sozialem Gefüge fällt aber auch ein wichtiger Ort der Sozialisation weg. Demnach sind es nicht nur rein technische Medienkompetenzen, die Telearbeiter erwerben müssen, sie müssen auch andere Sozialkompetenzen erlernen. Die hier geeignete Formen und Strukturen müssen jedoch erst noch (weiter-)entwickelt werden.

4. Neue Medien im FÖJ - Modellprojekt in Thüringen

Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen und Einsichten gestaltet sich das Projekt: "Neue Medien im FÖJ". Das Freiwillige ökologische Jahr zählt neben dem Freiwilligen sozialen Jahr zu den am weitesten verbreiteten staatlich geregelten Freiwilligendiensten. Es soll vor allem jungen Erwachsenen in der Berufsfindungsphase eine Möglichkeit zu sinnvoller Betätigung bieten. Neben ihrer Arbeit an der Einsatzstelle, dies kann z.B. eine Umweltbildungsstätte oder ein Biobauernhof, ein forstwirtschaftlicher Betrieb oder ein Entsorgungsbetrieb sein, werden die FöJ-Teilnehmer auch in Wochenseminaren pädagogisch betreut. Ziel dieses Projektes ist es, eines dieser Seminare multimedial so auszustatten, dass die Teilnehmer partizipative Möglichkeiten der neuen Medien kennen lernen und selber anwenden. Sie lernen hierzu den Umgang mit einer digitalen Kamera, sie erlernen die Handhabung eines Bildbearbeitungsprogramms und die Herstellung eigener Internetseiten, sie kommunizieren über das Internet mit anderen Seminaren und erfahren in einem moderierten Chat die Möglichkeiten bürgernaher politischer Kommunikation.



 

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