Veranstaltungen: Dokumentation

Wirtschaft kein Fremdkörper in der politischen Bildung

Dr. h.c. Siegfried Schiele

6.4.2004
Eine intensive Begegnung von Wirtschaft und politischen Bildung ist dringend erforderlich. Bis jetzt finden Begegnung und Austausch eher sporadisch statt. Bislang hat sich die politische Bildung zu wenig um den Bereich der Wirtschaft gekümmert. Der Wirtschaft war das Feld der politischen Bildung relativ gleichgültig.

Thesen:

  • Eine intensive Begegnung von Wirtschaft und politischen Bildung ist dringend erforderlich. Bis jetzt finden Begegnung und Austausch eher sporadisch statt.

  • Bislang hat sich die politische Bildung zu wenig um den Bereich der Wirtschaft gekümmert. Der Wirtschaft war das Feld der politischen Bildung relativ gleichgültig.

  • In der letzten Zeit ruft die Wirtschaft nach einem Fach "Wirtschaft" in der Schule. Es sieht allerdings so aus, als ob dabei in erster Linie an bloße Wirtschaftskunde gedacht ist. Junge Leute sollen die Funktionsweise der Wirtschaft kennen lernen.

  • Aus der Sicht politischer Bildung ist das keine gute Lösung. Schülerinnen und Schüler sollen die Funktionsweise verstehen, aber noch wichtiger sind zentrale Fragen der Wirtschaftspolitik. Diese gehören aber mit zum Kern politischer Bildung. Deshalb ist die Auswanderung der Wirtschaft in ein eigenes Fach ein schwerer Fehler und eine falsche Weichenstellung.

  • Die vielfältigen Interdependenzen von Politik und Wirtschaft können nur im Gesamtbereich der politischen Bildung angemessen behandelt werden.

  • In der Vergangenheit wurden durch das Wachstum die Verteilungskonflikte relativ beherrschbar gehalten. In einer Zeit der Stagnation oder gar des "Minuswachstums" spitzen sich die Verteilungskonflikte dramatisch zu. Die Zeiten der "Schönwetter-Demokratie" scheinen passé.

  • Der verschärfte globalisierte Wettbewerb macht die Konflikte noch weniger politisch beherrsch- und steuerbar. Darum ist es geboten, in der politischen Bildung zu thematisieren, wohin die Reise geht und wie die Demokratie bei diesen schwierigen Verhältnissen stabilisiert werden kann.

  • Eine zentrale Frage, die der Wirtschaft nicht gleichgültig sein kann, wird mehr und mehr der Sozialstaats-Auftrag nach Artikel 20 GG. Der Markt schafft von sich aus keine Gerechtigkeit. Die Rahmenbedingungen so festzulegen, dass wir im Wettbewerb bestehen können, ohne die Gesichtspunkte der Gerechtigkeit und Solidarität aus den Augen zu verlieren, scheint eine der zentralen politischen Herausforderungen dieser Tage zu sein.

  • Manchmal hat man den Eindruck, dass die gravierenden wirtschaftlichen Probleme im Bereich der politischen Bildung nicht ernst genug genommen werden. Auf einer solchen Basis steigen die Ideen und Modelle politischer Bildung wie Seifenblasen in die Luft. Die Wirtschaft wiederum meint besser über die Runden zu kommen, wenn sie sich mit sozialstaatlichen Aspekten nicht herumschlägt.

    Hier ist eine Verzahnung der unterschiedlichen Ansätze notwendig. Die Wirtschaft darf kein Fremdkörper in den Auseinandersetzungen politischer Bildung sein.

    In einer Phase, wo sich die Wirtschaft durch den Druck der Globalisierung der politischen Kontrolle zu entziehen scheint, darf sich nicht auch noch ein Fach Wirtschaft neben der politischen Bildung etablieren, sondern Wirtschaftsfragen müssen in der Schule und im außerschulischen Bereich zum Kernbereich politischer Bildung gehören.


     
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