Interkulturelle Kompetenz im Dialog vermitteln
Dr. Arndt Schnöring
Interkulturelle Kompetenz ist eine Schlüsselqualifikation in unserer international ausgerichteten Wirtschaft.
Internationale Geschäftskontakte, Auslandsentsendungen, Arbeit in multinationalen Teams und länderübergreifende Projektarbeit gehören heute zum Arbeitsalltag von Führungskräften in der Wirtschaft. Angesichts der (zunehmenden) internationalen Verflechtungen ist interkulturelle Kompetenz ein wesentlicher Erfolgsfaktor: Um mit kulturellen Unterschieden konstruktiv umgehen zu können und um "interkulturelle Reibungsverluste" zu vermeiden, sind bestimmte Fähigkeiten und Kenntnisse notwendig. Kernelemente sind: Bewusstsein für kulturelle Differenz und für die eigene kulturelle Begrenztheit; Kenntnis anderer Kulturen; Einfühlungsvermögen und die Fähigkeiten, Perspektiven zu wechseln und Ambiguität "auszuhalten"; Offenheit, Toleranz, Flexibilität und Lernfähigkeit; Kommunikationskompetenz. Die interkulturelle Kompetenz der Mitarbeiter wird von Unternehmen zunehmend als strategischer Faktor begriffen.
Wer Nachwuchskräfte auf die Anforderungen der modernen Arbeitswelt vorbereiten will, muss interkulturelle Kompetenz als eine wesentliche Qualifikation vermitteln.
Daher bietet das Studienförderwerk der sdw seinen Stipendiatinnen und Stipendiaten im Rahmen eines umfassenden Förderprogramms Trainingsmaßnahmen zu "Interkultureller Kompetenz" an. Bei den Stipendiatinnen und Stipendiaten handelt es sich um besonders qualifizierte und engagierte Studierende und Promovenden mit Potenzial für Führungsaufgaben in Wirtschaft und Gesellschaft. Alle Fachbereiche und Hochschultypen sind vertreten. Neben Angeboten zum Thema "Interkulturelle Kompetenz" enthält das Programm des Studienförderwerks gesellschaftspolitische Seminare, Trainingsmaßnahmen zu verschiedenen Soft Skills, Dialogforen mit Unternehmen sowie eigenständige Projektarbeit der Stipendiaten.
Weil sich interkulturelle Kompetenz am besten mit einem engen Praxisbezug vermitteln lässt, führt die sdw interkulturelle Trainingsmaßnahmen in Kooperation mit Unternehmen durch.
Bei den interkulturellen Trainings der sdw eröffnen Führungskräfte aus international agierenden Unternehmen den Stipendiaten direkte Einblicke in die Anforderungen der "interkulturellen Praxis" in der Wirtschaft. Die Veranstaltungen enthalten einen Mix aus Vorträgen, Diskussionen, Workshops, Rollen- und Planspielen, Fallstudien sowie viel Gelegenheit zum direkten Austausch. Durch dieses Konzept entstehen sehr praxisnahe Lernbedingungen. Die Trainings stellen keine länderspezifische Vorbereitung dar. Ziel ist es vielmehr, die Teilnehmer für kulturelle Differenz zu sensibilisieren, ihnen anhand von konkreten Praxisbeispielen Mittel und Wege aufzuzeigen, effektiv interkulturell zusammenzuarbeiten sowie Aspekte von interkulturellem Verhalten gezielt zu trainieren.
Veranstaltungsbeispiel: "Interkulturelle Kompetenz" – ein Kooperationsprojekt der Robert Bosch GmbH und der sdw
Diese Trainingsmaßnahme wurde vom 26.-28.06.2003 im International Simultaneous Engineering Center der Robert Bosch GmbH mit einem gemischten Teilnehmerkreis durchgeführt: 16 Stipendiaten der sdw und 9 international agierende Führungskräfte von Bosch nahmen teil. Auf Unternehmens- und auf Stipendiatenseite waren einige internationale Teilnehmer dabei. Weitere internationale Bosch-Mitarbeiter wurden per Video-Konferenz eingebunden. Die inhaltliche Leitung und Moderation lag bei Prof. Dr. Alois Moosmüller (LMU München, Studiengang Interkulturelle Kommunikation) sowie bei Klaus Mulch (Vice President Human Resources) und Dr. Klaus Boll (Leiter Corporate Office for Internationalization & Integration Processes) von der Robert Bosch GmbH. Das Programm beinhaltete Inputs zu interkultureller Kompetenz, zur Zusammenarbeit in multinational zusammengestellten (virtuellen) Teams, zu Anforderungsprofilen für international agierende Führungskräften und zu Zielen und Methoden der internationalen Teamentwicklung. Die theoretische Ebene wurde anhand von Beispielen aus der unternehmerischen Praxis von Bosch und mit Hilfe von Übungen, Rollenspielen und Gruppenarbeit konkretisiert. Methodische Kernelemente des Trainings waren ein intensives wechselseitiges Feedback der Teilnehmer und gemeinsame Reflexionsperioden.
Vermittlung von interkultureller Kompetenz im Dialog: Mehrwert durch einen gemischten Teilnehmerkreis
Sowohl die Stipendiaten der sdw als auch die Führungskräfte von Bosch profitierten von der gemeinsamen Trainingsmaßnahme. Die Stipendiaten erhielten durch die authentischen interkulturellen Erfahrungen der Bosch-Mitarbeiter wertvolle Praxiseinblicke. Die Bosch-Mitarbeiter profitierten von dem unvoreingenommenen Feedback der Stipendiaten. Die "neutrale" Experten- und Moderatorenrolle von Professor Moosmüller sicherte eine optimale Lernerfahrung für beide Teilnehmergruppen. Der gemeinsame Lernprozess der gemischten Gruppe brachte einen Erkenntnisgewinn durch Diversität – genau wie bei einem gut funktionierenden multinational zusammengesetzten Team!
Die Kooperationsveranstaltung von Bosch und sdw zeigt: Gemeinsame Projekte von Bildungsträgern und der Wirtschaft können (und müssen!) beiden Seiten nützen.
Durch die Zusammenarbeit mit Bosch im Themenfeld "Interkulturelle Kompetenz" konnte die Stiftung der Deutschen Wirtschaft ihren Stipendiaten eine hochattraktive Trainingsmaßnahme bieten. Nur die inhaltliche, personelle und finanzielle Unterstützung durch Bosch ermöglichte die Durchführung dieses Projektes. Die Robert Bosch GmbH engagierte sich bei dem gemeinsamen Projekt mit der gemeinnützigen Stiftung der Deutschen Wirtschaft im Sinne eines (global) corporate citizen. Ein Ziel für Bosch war die Unterstützung der Bildungsarbeit der sdw, zugleich diente dieses Engagement aber auch der Imagebildung. Darüber hinaus bildete die gemeinsame Trainingsmaßnahme ein hochwertiges und innovatives Weiterbildungsangebot für die teilnehmenden Führungskräfte von Bosch: Die Erwartung von Bosch, dass "Generationen voneinander lernen können", ging auf.
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