Veranstaltungen: Dokumentation

Politische Bildung – der natürliche Feind der Wirtschaft?!

PD. Dr. Martin Büscher

4.5.2004
In diesem Beitrag wird ein Curriculum "Ethikwerte, Wertkonflikte – Weiterbildungskonzept für Führungskräfte in Unternehmen" dargestellt. Es ist im Rahmen des EU-Leonardo-Programms durch mehrere Institutionen wie etwa der Handelshochschule Stockholm entwickelt worden.

In diesem Beitrag wird ein Curriculum "Ethikwerte, Wertkonflikte – Weiterbildungskonzept für Führungskräfte in Unternehmen" dargestellt, dass im Rahmen des EU-Leonardo-Programms durch das Institut für Kirche und Gesellschaft der Westfälischen Landeskirche, der Handelshochschule Stockholm und der Universität Castellon, Spanien entwickelt wurde. Es handelt sich um den Versuch, individualethische, unternehmensethische und ordnungsethische Fragen für Führungskräfte handhabbar zu machen. Folgende Erfahrungen bestimmen den Kontext der Gestaltung dieses Curriculums.

These 1: Die Wahrnehmung von gesellschaftlicher Mitverantwortung, gemeinhin bezeichnet als Corporate Social Responsibility (CSR), konzentriert sich häufig auf die Wahrnehmung von Sponsoring und Mäzenatentum, einzelne Ansätze des Corporate Citizenship und des Corporate Volonteering widersprechen dem nicht.

These 2: Die politische Bildung betreffende Fragen sind für Unternehmen und Wirtschaft schwer aufzuwerfen, leichter fällt die Diskussion von individualethischen oder die Ablauforganisation der Unternehmung betreffenden Fragestellungen.

These 3: Wenn es politischer Bildung um die verstärkte Wahrnehmung und Mitgestaltung gesellschaftlicher Aufgaben und Herausforderungen geht, so befinden sich in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage immer mehr Unternehmen unter Effizienz-, Kosten- und Leistungsdruck, der diese Spielräume reduziert. Auf der Ebene politischer Verantwortung argumentieren Unternehmen und ihre Verbandsvertreter in der Regel interessenpolitisch. Lebensweltliche, politische, soziale oder ökologische Anliegen in Form von Gesetzesinitiativen und Mitgestaltung der Rahmenbedingungen zu fördern, widerspricht geradezu diesen betriebswirtschaftlichen oder ökonomischen Interessen. In Fragen des ökologischen Managements oder einzelne sozialen Handlungsfeldern (Familie und Beruf, Burn out) sind Instrumente und Verfahren der Wahrnehmung ordnungspolitischer Mitverantwortung allerdings relativ weit entwickelt.

These 4: Es gibt eine kleine Zahl bewusst gesellschaftspolitisch mitverantwortlicher Unternehmen und Unternehmer, die ihren Handlungsspielraum ausnutzen und erweitern. Häufig sind diese weiter in der Umsetzung als durch staatliche Maßnahmen möglich. Diese würden sich durch staatliche Regelungen eingeschränkt fühlen.

These 5: Im Bereich der politischen Bildung von Unternehmen und Wirtschaft besteht letztlich ein unpolitisches Niemandsland. Insbesondere die ordnungsethische Ebene weist ein schwaches Reflektionsniveau auf. Im Kontext des wachsenden Wettbewerbs-, Kosten- Rationalisierungsdrucks wirtschaftlicher Internationalisierung besteht Politische Bildung nicht zufällig im Aufwerfen von Interessengegensätzen und Streit über politische Instrumente, zu deren Lösung Verständigungsblockaden bestehen. Hier könnte ein neues Gestaltungsfeld politischer Bildung entstehen.


 

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