Veranstaltungen: Dokumentation

14.5.2004

Zukunftsverantwortung - Wirtschaft und politische Bildung im Dialog

Berlin, Rathaus Schöneberg

Hier finden Sie die Eröffnungsrede von bpb-Präsident Thomas Krüger zur Konferenz "Zukunftsverantwortung: Wirtschaft und politische Bildung im Dialog". Er betonte, dass diese Veranstaltung Pilotcharakter habe.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße Sie herzlich im Namen der Bundeszentrale für politische Bildung hier in Berlin zu der Konferenz "Zukunftsverantwortung. Wirtschaft und politische Bildung im Dialog". Diese Veranstaltung hat Pilotcharakter – nicht nur für uns in der bpb. Zum ersten mal sprechen wir neben unserer traditionellen Zielgruppe ganz explizit Vertreter und Vertreterinnen der Wirtschaft an und erhoffen uns von der heutigen Veranstaltung, dass sie gleichsam als Zündfunke für einen sich verstetigenden Dialog wirke.

Wenn Sie die Einladung zu dieser Veranstaltung aufmerksam gelesen haben, wissen Sie, dass die Idee und das Konzept aus einem Arbeitskreis entstanden ist, der sich aus Vertreterinnen und Vertretern sowohl aus der politischen Bildung als auch aus der Wirtschaft zusammensetzte. Initiiert wurde dieser Arbeitskreis von der bpb und der Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliche Verwaltung, bei der ich mich an dieser Stelle für die gelungene und fruchtbare Kooperation bedanken möchte, ebenso wie bei allen Mitgliedern des Arbeitskreises.

Bereits im Vorfeld dieser Veranstaltung hat also ein Dialog stattgefunden, der mit dazu beigetragen hat, die Vorurteile die seitens der Wirtschaft gegenüber der politischen Bildung vorherrschten sowie auch seitens der politischen Bildung gegenüber der Wirtschaft, zu artikulieren und in Frage zu stellen und Schnittstellen zwischen Unternehmen und Einrichtungen politischer Bildung zu identifizieren

Warum bestehen bislang kaum Gesprächszusammenhänge zwischen beiden Bereichen, obgleich doch bezüglich der Ansprüche an Bildungsinhalte die Gemeinsamkeiten auf der Hand liegen? Denken wir nur an Themen wie interkulturelles Lernen oder die Auseinandersetzung mit Extremismus, die in modernen Unternehmen heute durchaus diskutiert und zum Teil durch betriebsinterne Bildungsangebote angepackt werden.

Das sind Bildungsinhalte, die zu den klassischen Themenfeldern der politischen Bildung gehören. Die gemeinsamen Interessen gehen aber meiner Ansicht nach noch weiter:

Bildung gewinnt als Standortfaktor immer mehr an Bedeutung . Allerdings wird die Wahrnehmung in diesem Zusammenhang oft auf die Qualifizierung von Facharbeitern und -arbeiterinnen oder die Notwendigkeit der fortwährenden Weiterbildung innerhalb eines Berufszweigs begrenzt.

Politische Bildung ist hier jedoch auch ein wesentlicher Faktor. Die globale wirtschaftliche und politische Vernetzung erfordert grundlegende Kenntnisse und Kompetenzen:
  • Um Entscheidungen treffen zu können, müssen Jugendliche in die Lage versetzt werden, vernetzt zu denken und größere Zusammenhänge zu erkennen.
  • Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eines internationalen Unternehmens müssen mit den kulturellen und politischen Gegebenheiten der Partnerländer vertraut sein.
  • Unternehmen mit einer multikulturellen Belegschaft sind auf Mitarbeiterinnen und Mitar-beiter angewiesen, die durch ihr Wissen um andere Kulturen Toleranz und Diskussionsbereitschaft mitbringen – nur so lässt sich der innere soziale Frieden erhalten.
  • Unternehmen, die sich dem Ziel der nachhaltigen Entwicklung verpflichtet fühlen, sind angewiesen auf Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die diese Ziel kennen, verstehen und mittragen.
Unternehmen sind nicht nur auf der Führungsebene zunehmend auf eine wissende, auf eine gebildete Belegschaft angewiesen.

Um einem Missverständnis vorzubeugen: Es geht nicht darum, dass politische Bildung instrumentalisiert wird, um Unternehmensinteressen zu verfolgen. Politsche Bildung versteht sich als Instrument des mündigen Bürgers. Sie vermittelt keine Urteile und Einstellungen sondern die Kompetenz, sich ein Urteil zu bilden. Aber warum sollte nicht die Wirtschaft von Kenntnissen und Erfahrungen profitieren, über die die politische Bildung aus ihrer langjährigen Bildungsarbeit verfügt. Und auf der anderen Seite: Warum sollte nicht die politische Bildung von dem Know-How und dem Wissen um die praktischen Schwierigkeiten innerhalb von Wirtschaftsunternehmen profitieren, wenn sie doch ein gemeinsames Ziel verfolgen: Verantwortung für eine positive Entwicklung unserer Gesellschaft und die Mitgestaltung des Globalisierungsprozesses zu übernehmen.

Welches sind denn die Urteile, die Wirtschaft und politsche Bildung übereinander fällen und die sie bislang Abstand halten ließen. Klischeehaft kann man sagen, dass im Bereich der politischen Bildung die Wirtschaft häufig auf eine reine Profitorientierung reduziert wurde, während in Kreisen der Wirtschaft die politische Bildung vorwiegend als Kraft der Gesellschafts- und wohl auch Kapitalismuskritik rezipiert wurde.

Diese gegenseitigen Einschätzungen sind überkommen und bedürfen einer Korrektur.

Dass sich Unternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zunehmend bewusst werden, zeigen die vielfältigen Aktivitäten von Wirtschaftsunternehmen im Bereich von Bildung und Kultur sowie die virulente Diskussion, die sich in den Stichworten Corporate Citizenship, social responsibility, bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen niederschlägt und von denen auf der Veranstaltung einiges zu erfahren sein wird.

Und dass sich die politische Bildung durchaus nicht in theoretischen Diskussionen verliert, zeigen Initiativen wie die heutige Veranstaltung sowie eine Fülle an praxis- und handlungsorientierten Bildungsangeboten zu aktuellen Themen wie Globalisierung, Integration, oder internationaler Terrorismus usw.

Gerade im Zeitgeist des Pessimismus, dem wir ja momentan ausgesetzt sind, müssen kreative Ansätze verfolgt werden, um die vitalen Kräfte des Wandels zu nutzen. Es wäre falsch, wirtschaftliche Schwierigkeiten allein zu beklagen und mit Ängsten aufzuladen. Wir befinden uns in einer Zeit des Übergangs und der Transformation – von der industriellen Gesellschaft in die Ökonomie des Wissens. Das Bild vom lebenslang lernenden Menschen spielt in diesem Prozess eine zentrale Rolle – und diese Lernfähigkeit des Individuums muss ins Zentrum des gesellschaftlichen Diskurses gerückt werden. Der Übergang zur globalen Wissensgesellschaft ist gestaltbar. Sowohl Unternehmen wie auch die Politische Bildung tragen hier gesellschaftliche Verantwortung. Jeder für sich, in seinem jeweiligen Handlungsfeld und gemeinsam an den jeweiligen Schnittstellen. Hier sind Wissenstransfer, Meinungs- und Erfahrungsaustausch und Dialog zwischen Wirtschaft und politischer Bildung angezeigt.

Meine sehr veehrten Damen und Herren, in diesem Sinn wünsche ich nunmehr allen Anwesenden eine interessante und anregende Tagung und ich hoffe, dass viele neue Gesprächsfäden aufgenommen werden. Nicht nur im Rahmen der nachmittäglichen Foren, in denen Sie eine Reihe interessanter Bildungsprojekte kennenlernen werden, sondern auch beim Bummel über den Markt der Möglichkeiten, der im Anschluss an die Mittagspause von Herrn Bundestagspräsident Thierse eröffnet wird und bei dem sich sowohl Anbieter politischer Bildung als auch diverse Unternehmen präsentieren werden.

Ich übergebe jetzt das Wort an den Präsidenten unseres Kooperationspartners der Arbeitsgemeinschaft für wirtschafltiche Verwaltung, Herrn Dr. Materna, und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

(Es gilt das gesprochene Wort)


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