Veranstaltungen: Dokumentation

19.12.2003 | Von:

Google, Blogs & Newsbots

Mediatoren der Internetöffentlichkeit

Ist Vermittlung im Internet notwendig?

Ist Vermittlung in diesem Sinne im Internet überhaupt notwendig (vgl. zum Folgenden: Neuberger 2002)? Dies wird bezweifelt. Der frühere "Zeit"-Redakteur Klemens Polatschek schrieb 1997: "Wir brauchen im Netz keine Schleusenwächter, weil es keine Schleusen gibt. Hören wir also auf, ständig von Journalismus zu reden. Kein Mensch braucht Journalisten im Netz." (Ankowitsch/Polatschek 1997) Die Kosten für die öffentliche Verbreitung von Informationen sind sehr viel niedriger als in allen anderen Medien (vgl. Ludwig 1997, 1999). Um im Internet zu publizieren, sind keine besonderen Fachkenntnisse notwendig. Der Zugang ist nicht – wie im Falle des Rundfunks – rechtlich reguliert. Weil also technische, ökonomische, rechtliche und kognitive Zugangsbarrieren im Internet abgebaut werden, kann sich das Publikum der Massenmedien emanzipieren: Rezipienten können selbst als Laien-Kommunikatoren auftreten. Interessengruppen haben nun einen direkten Zugang zur Öffentlichkeit und können die Redaktionen umgehen. Auch die bisherigen Werbekunden von Presse und Rundfunk können sich im Internet unmittelbar an ihre Zielgruppen wenden (was längerfristig die Finanzierung der alten Medien in Gefahr bringen könnte). Bisher haben Redakteure die wenigen Schleusen zur Öffentlichkeit bewacht; als "Gatekeeper" konnten sie weitgehend darüber entscheiden, über wen berichtet und wer zitiert wird. Im Internet entsteht ein dezentrales Netz von Kanälen, das sich der journalistischen Kontrolle weitgehend entzieht. Damit verliert der traditionelle Journalismus sein Vermittlungsmonopol. Um die gegenwärtigen Veränderungen des Journalismus in einen weiteren zeitlichen Horizont einordnen zu können, ist ein kurzer Blick in die Vergangenheit notwendig: Die Geschichte des Journalismus lässt sich in drei Phasen einteilen. In jeder Phase stand ein anderes Problem der Kommunikation im Mittelpunkt, das es mit Hilfe neuer Medien zu lösen galt. In den ersten beiden Phasen ging es um den Zugang zu den Medien: Wie kann sich ein möglichst großer Teil der Bevölkerung an der öffentlichen Kommunikation beteiligen – und zwar sowohl auf der Rezipienten- als auch auf der Kommunikatorseite? Das Aufkommen der Massenmedien, also die Einführung von Presse und Rundfunk, brachte eine Lösung für den Publikumszugang. Der Durchbruch gelang im 19. Jahrhundert: Die Massenpresse konnte durch kostengünstige Möglichkeiten der Vervielfältigung (Rotationsdruck, Linotype, sinkende Papierpreise) und die Subventionierung der Bezugspreise durch Anzeigenerlöse weite Leserkreise erschließen.

Dagegen dauerte die Erweiterung des kommunikativen Zugangs sehr viel länger: Presse und Rundfunk haben bis heute eine vergleichsweise geringe technische Vermittlungskapazität – nach dem Publikationsvolumen (gerechnet in Seitenzahlen oder Sendezeit), aber auch nach der Anbieterzahl. Außerdem erfordern sie hohe finanzielle Investitionen. In den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik stand deshalb dieses Nadelöhr im Mittelpunkt der Kommunikationspolitik: Medienregulierung hatte das Ziel, dass möglichst vielfältig informiert und kommentiert werde. An der angeblichen Einseitigkeit der Medien und ihrer großen, nicht legitimierten Macht entzündete sich oft die Kritik.

Mit dem "Frequenzmangel" begründete 1961 das Bundesverfassungsgericht das Prinzip des "Binnenpluralismus", also die Sicherung von Vielfalt im Rundfunk durch die Beteiligung gesellschaftlich relevanter Gruppen. Bei den Tageszeitungen bereitete in den sechziger und siebziger Jahren die ökonomische Konzentration Kopfzerbrechen: Weniger Zeitungen, so die Befürchtung, bedeuten auch weniger Vielfalt. Der Journalist Paul Sethe brachte das Problem 1965 in einem Leserbrief an den "Spiegel" auf den Punkt: "Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten." (zitiert nach: Janßen 1995: 259) Das Internet scheint nun Abhilfe zu schaffen: Weil dort jeder ohne großen Aufwand publizieren kann, kommt es angeblich in der Mediengeschichte zu einem Entwicklungssprung – wie einst durch Gutenbergs Druck mit beweglichen Lettern, der das Publikum der Medien vergrößerte (vgl. Ludwig 1999: 364). Doch die Euphorie, die bei manchen angesichts des Netzmediums ausgebrochen ist, war verfrüht. Denn jede Lösung eines Kommunikationsproblems bringt Folgeprobleme hervor.


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