Veranstaltungen: Dokumentation

19.12.2003 | Von:

Google, Blogs & Newsbots

Mediatoren der Internetöffentlichkeit

Weblogs und Warblogs

Ebenso verweisen Weblogs und "Peer-to-Peer"-Angebote auf andere Angebote und kommentieren sie. Ihre besondere Leistung besteht hauptsächlich in der zweiten Funktion, der Validierung von Informationen und Meinungen. Im Unterschied zu traditionellen Medien, bei denen eine professionelle Redaktion für die Qualitätskontrolle zuständig ist, die im Wesentlichen vor der Veröffentlichung stattfindet, verlagern Weblogs und "Peer-to-Peer"-Angebote die Qualitätsprüfung in die Öffentlichkeit. Die Informationen und Meinungen, die sie publizieren, stehen unter dem Vorbehalt, dass sie von den Nutzern erst noch genauer geprüft werden müssen. Dank der Interaktivität des Mediums ist dies durch formalisierte Bewertungsverfahren oder offen geführte Diskussionen möglich.

Von einzelnen Laien-Autoren betriebene Online-Tagebücher haben sich in Gestalt von "Weblogs" inzwischen weit verbreitet. Blogger-Software ist einfach zu bedienen und kostenlos. Die Zahl der Weblogs wurde im Juni 2003 auf 2,4 bis 2,9 Millionen geschätzt. Nach einer anderen Quelle sollen rund zwei Prozent der Internetnutzer ein eigenes Weblog betreiben (vgl. Lyman/Varian 2003). Ursprünglich spiegelten Weblogs vor allem den privaten Alltag ihrer Betreiber wider. Inzwischen haben sie sich ausdifferenziert und teilweise professionalisiert. Nach dem 11. September 2001 entstand der Typus des politischen "Warblogs", der sich mit den Reaktionen der USA auf den Terror auseinandersetzt. Warblogs erzielten nicht nur ein großes Leserinteresse, sondern konnten, so wird ihnen bescheinigt, auch die öffentliche Diskussion mitbestimmen.

In seinem "Blogger Manifesto" hat Andrew Sullivan, ein bekannter politischer Journalist und erfolgreicher "Warblogger", die Geschichte der Weblogs nachgezeichnet. Er sieht die Chance, dass sich einzelne Journalisten im Internet selbständig machen, weil die Kosten sehr gering sind. Dadurch werde sich die publizistische Vielfalt erweitern, weil nicht mehr die alte Medienelite die veröffentlichte Meinung steuern könne.

Zu den meinungsbetonten "Warblogs" kamen mit dem Irakkrieg Blogs hinzu, die über das Geschehen vor Ort berichteten. Betrieben wurden sie von Journalisten, Militärangehörigen, Vertretern von Hilfsorganisationen, Friedensaktivisten und irakischen Zivilisten. Bekannte Warblogger, die häufig in den Medien erwähnt wurden, waren z.B. "Salam Pax", der berühmte "Baghdad Blogger", "L.T. Smash", angeblich ein Offizier der US-Army, und CNN-Reporter Kevin Sites – dem der Arbeitgeber nach Kriegsbeginn das Bloggen untersagte. Auch diese "Warblogs" erzielten hohe Zugriffszahlen: Immerhin 4% der Online-Nutzer in den USA gaben an, in den ersten sechs Tagen des Irakkriegs Weblogs genutzt zu haben (vgl. Rainie/Fox/Fallows 2003: 5). Durch die zahlreichen Presseberichte über "Warblogs", die im Laufe des Kriegs erschienen sind, dürfte dieser Anteil noch deutlich gestiegen sein.

Die Diskussion über "Warblogs" kreiste um die Frage, ob ihre subjektiven Berichte eine Alternative zu den etablierten Medien darstellen könnten, denen während des Kriegs oft Einseitigkeit vorgeworfen wurde. Andererseits erhob sich bei einzelnen "Warblogs" der Verdacht, dass es sich um "verdeckte" Propaganda für eine der beiden Kriegsparteien handeln könnte. "Salam Pax" zum Beispiel, der seine Identität aus Sicherheitsgründen bis heute nicht preisgegeben hat, wurde regelmäßig mit Fragen zur Authentizität seiner Berichte aus Bagdad konfrontiert.


Event series

Mapping Memories

Mapping Memories is an event series focusing on commemorative culture in Eastern Europe and beyond. Current events include conferences, summer schools and practical workshops.

Mehr lesen

Fachkonferenz

Konferenz zur Holocaustforschung

Die Internationalen Konferenzen zur Holocaustforschung dienen dem Austausch zwischen wissenschaftlicher Forschung und der Praxis politischer Bildung. Sie entstehen aus einer Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und Partnern aus der Wissenschaft.

Mehr lesen

TiT-Veranstaltungsreihe

Themenzeit im Themenraum

Themenzeiten: Kompakte Informationsmodule und anregende Diskussionen mit männl. und weibl. Experten zu Themen der politischen Bildung.

Mehr lesen

Veranstaltungsreihe

Checkpoint bpb – Die Montagsgespräche

Alle zwei Monate montags diskutiert der Checkpoint aktuelle Fragestellungen aus Politik, Gesellschaft und Forschung – anspruchsvoll, unterhaltsam und gerne auch kontrovers.

Mehr lesen

Veranstaltungsreihe

What's up, America? – Perspectives on the United States and Transatlantic Relations

Mehr als die Hälfte der Europäer steht TTIP positiv gegenüber – in Deutschland und zwei weiteren Ländern jedoch ist die Ablehnung innerhalb der Bevölkerung groß. Anhand dieses Fallbeispiels beschäftigt sich die Podiumsdiskussion mit der Frage, wieso wirtschaftliche Fragen auf beiden Seiten des Atlantiks und auch innereuropäisch auf so unterschiedliche Art und Weise diskutiert werden.

Mehr lesen

Blog zur Fachkonferenz

Medienkompetenz 2014

Zielsetzung der Fachkonferenz Medienkompetenz 2014 ist es, theoretische und praktische Konzepte angesichts aktueller digitaler Umbrüche und vor dem Hintergrund bestehender Modelle der Medienkompetenz zu diskutieren und weiterzuentwickeln.

Mehr lesen