Veranstaltungen: Dokumentation

Man geht immer zuletzt von Bord

Michaela Besuch im Gespräch über Skizzen, Etiketten, 2,3 Kilometer Schriftgut und das fehlende Schreibtischteil


22.10.2003
Nach dem Umzug öffnete die Bundeszentrale für politische Bildung nun ihre Türen. Am 17. Oktober konnten unsere neuen Räumlichkeiten von allen bewundert werden. Im Rahmen dieses Events führten wir einige Interviews, die Sie hier finden.

bpb: War das Ihr erster Behördenumzug?

Besuch: Wir hatten im Jahr 2001, nach der Neuausrichtung der bpb, 76 hausinterne Umzüge. Damals wurden die Arbeitsbereiche neu zusammengefasst. Ehrlich gesagt, fand ich diese Art von Umzügen schlimmer. Wir haben dafür vier Wochen gebraucht. Der Gesamtumzug jetzt ging wesentlicher schneller.

bpb: Wie lange dauerte das Möbelpacken und Kistenchaos?

Besuch: Der Umzug hat eine Woche gedauert. Aber angefangen hat das schon mit der Suche nach einem neuen Haus – Anfang 2002. Nachdem wir das neue Haus zum ersten Mal gesehen haben, war schnell klar: Das ist es! Dann haben wir mit der Raumplanung angefangen, und von März dieses Jahres an haben wir durchgearbeitet. Das war fast schon ein wenig spät für die ganze Logistik: Wie mache ich solch einen Umzug? Wie kommt das bei den Kollegen an? Wie erkläre ich der Umzugsfirma unsere Wünsche? Die Vorbereitungen liefen neben unserer eigentlichen Arbeit. Ab dem 1. September ging es dann richtig zur Sache.

bpb: Gab es einen Katastrophenplan?

Besuch: Wir sind mehrgleisig gefahren. Zum einen wurden alle Möbel und Gegenstände etikettiert, und wir haben von allen Räumen im neuen Gebäude Skizzen angefertigt. Wir haben uns also doppelt abgesichert. Aber während des Umzugs ist natürlich nicht alles glatt gelaufen. Es gab Zimmer, da war die Skizze sehr realitätsfern. Natürlich überlegt man sich vorher einen "Plan B". Aber dass 50 Prozent der Büros nicht ankommen würden, damit war nicht zu rechnen. Es war ja ein Umzug innerhalb Bonns.

bpb: Wie läuft so ein Mammutumzug ab?

Besuch: Die Umzugsfirma hat mit vier bis fünf Lastwagen gearbeitet. Ein Team hat in den alten Häusern eingepackt, und ein anderes war hier zum Aufbau. Diejenigen, die hier wieder aufgebaut haben, mussten genau wissen: Das ist so und so beschriftet, und das muss ich so und so einräumen. Wir haben allein rund 2,3 Kilometer Schriftgut umgezogen.

bpb: Wie ist der Umzug in der Kollegenschaft angekommen? Mussten Sie Kummerarbeit leisten?

Besuch: So ein Umzug ist immer mit Unruhe verbunden. Es gibt viele Kollegen, die zehn Jahre und länger ihre Büros in den alten Häusern hatten. Es war immer auch ein Stück Überzeugungsarbeit. Aber das war unser Job, wir haben das Haus mit ausgesucht. Manche Kollegen waren traurig über den Umzug. Ich persönlich denke, jeder Wechsel hat sein Gutes. Menschlich gesehen kann ich das aber nachvollziehen, wenn jemand so lange dort gesessen hat und dann sagt, ich will hier nicht weg. Aber schon während der ersten Woche im neuen Haus haben die Bedenken abgenommen. Natürlich gibt es nach wie vor Kolleginnen und Kollegen, die unzufrieden sind. Aber es ist nicht mehr so schlimm wie vor dem Umzug.

bpb: Haben sich alle Gegenstände wieder eingefunden?

Besuch: Ein Schreibtisch konnte nicht aufgebaut werden – das war meiner. Ein tragendes Verbindungsteil fehlte.

bpb: Was ist zuerst im neuen Haus angekommen?

Besuch: Als erstes ist ein Gegenstand aus dem Bereich Kultur hier aufgeschlagen. Das ist doch ein schöner Grundstein. Der Bereich Innere Dienste ist als einer der letzten umgezogen. Aber das ist auch richtig, denn man geht immer zuletzt von Bord.

Interview: Sonja Ernst und Nicole Maschler


 

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