Politische Bildung funktioniert raumunabhängig
Über die Vorteile des Standortes Bonn und politische Bildung im Internet-Zeitalter ein Gespräch mit dem Präsidenten der bpb, Thomas Krüger
bpb: Die Bundeszentrale für politische Bildung hat Ende September neue Räume in Bonn bezogen. War es Zeit für einen Tapetenwechsel?
Krüger: Die alten Räumlichkeiten an der Berliner Freiheit versprühten mehr den Charme der 60er Jahre als den Geist der Gegenwart. Ich wollte eine Lösung finden, die unsere Nutzer und die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gleichermaßen zufrieden stellt. Wir haben auch erwogen, in den bisherigen Räumen zu bleiben und mit den Vermietern über eine Modernisierung zu verhandeln. Als wir dann aber das Angebot auf den Tisch bekamen, die Räume in der Adenauerallee zu beziehen, waren wir vom ersten Augenblick an begeistert. Der Vorteil des neuen Hauses ist die zentrale Lage. Wir haben nun eine U-Bahn-Anbindung quasi vor der Haustür. Damit ist unser Medienzentrum für alle gut erreichbar. Auch wenn viele der Kolleginnen und Kollegen nun in kleineren Büros sitzen als zuvor, haben doch alle das Gefühl, dass die bpb etwas vorzeigen kann.
bpb: Der Umzug als Motivationskick?
Krüger: Der Umzug ist sozusagen das I-Tüpfelchen bei der Neuorganisation des Hauses. Wir haben dabei auf zwei Aspekte gesetzt: erstens auf Kontinuität, zweitens auf Innovation bzw. Wandel. Dazu gehört die Schaffung eines neuen Images, eines schlüssigen, öffentlichkeitswirksamen Auftritts nach außen. Die Verpackung ist sicherlich nicht alles, aber sie bedeutet doch sehr viel. Wenn wir junge Erwachsene erreichen wollen, aber die Produkte wie von vorgestern aussehen, werden sie gar nicht erst ausgepackt. Das war eines der Hauptprobleme der bpb: Sie hat hochwertige Inhalte angeboten. Doch der Vertrieb, das Marketing lief einfach am Bedarf vorbei. Im Zuge der Neuausrichtung der bpb haben wir deshalb zunächst die Öffentlichkeits- und Pressearbeit ausgebaut. Der zweite Schritt war ein neues Corporate Design, vom Logo über die Messestände bis hin zum Layout der Bücher. Und in diesem Zusammenhang ist auch der Umzug der bpb zu sehen. Für die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es sehr wichtig, dass sie sich an ihrem Arbeitsplatz wohl fühlen.
bpb: Sind damit alle Pläne für einen Wechsel nach Berlin endgültig ad acta gelegt?
Krüger: Das ist nicht erst seit dem Umzug der Fall. Im Zuge der Neuorganisation war von politischer Seite ein Wechsel nach Berlin aufgeworfen worden. Am Ende fiel die Entscheidung für Bonn. Wir haben zu keinem Zeitpunkt erwogen, diesen Kurs zu ändern. Denn der Standort Bonn ist für die bpb überaus günstig. Mit dem WDR, der Deutschen Welle und dem nahe gelegenen ZDF in Mainz bietet die Region eine hervorragende mediale Infrastruktur. Das gilt auch für die universitäre Landschaft. Ich nenne nur die Universitäten Bonn, Köln und Düsseldorf. Hinzu kommen die vielen Nichtregierungsorganisationen, der UN-Campus, die Kultureinrichtungen und Verbände, die in Bonn geblieben sind. Da bieten sich massenhaft Synergieeffekte.
bpb: Bonn als Bildungs- und Wissenschaftsstadt – welche Rolle könnte dabei die bpb spielen?
Krüger: Was unsere Publikationen angeht, die Organisation von Veranstaltungen oder den Online-Bereich, sind wir auf Kooperationspartner angewiesen. Wir können nicht alle Produkte selbst herstellen. Wir brauchen Autoren, wir brauchen Medien, wir brauchen Moderatoren für unsere Veranstaltungen. In Bonn findet sich dies alles in einer großen Dichte. Der Standort bietet einen Input, den wir für unsere Arbeit nutzen können.
bpb: Die bpb setzt verstärkt auf Multimedia-Aktivitäten. Ist dies auch eine Reaktion auf die Standortdiskussion?
Krüger: Was den Veranstaltungsbereich oder unseren Online-Auftritt betrifft, arbeiten wir längst raumunabhängig. Es ist egal, von welchem Ort aus wir produzieren. Wichtig ist, dass wir gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich politische Bildung über die Reeducation, die Erziehung zur Demokratie, definiert. Nach der Wiedervereinigung war eine Relegitimierung notwendig. Der bpb ist dieser Prozess der Neubegründung der Disziplin gelungen. Dabei geht es um mehr als nur die Verpackung. Es geht um die Aufgabe, politisches Wissen als langfristige Investition in die Demokratie zu begreifen.
Interview: Sonja Ernst und Nicole Maschler
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