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Veranstaltungen: Dokumentation

24.10.2003 | Von:
Bärbel Dieckmann

Bonn als Wissenschaftsstandort

Bärbel Dieckmann, Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn, über das Verhältnis zwischen alter und neuer Hauptstadt und die Bedeutung der bpb für "ihre" Stadt

Mit dem Umzug der Regierung und vieler Bundesbehörden nach Berlin hat der Standort Bonn sein Gesicht verändert. Bonn will sich nun als Drehscheibe für die Forschung und Basis internationaler Organisationen etablieren.Der bpb misst die Oberbürgermeisterin Bärbel Diekmann große Bedeutung im Netz der Bonner Institutionen bei.

bpb: Was bedeutet der Verbleib der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn für die Stadt?

Dieckmann: Als die bpb 1953 hier gegründet wurde, war Bonn noch Bundeshauptstadt. Heute hat sich die Stadt verändert: Die meisten Bundesministerien sowie das Parlament sind nach Berlin umgezogen. Aber Bonn ist nach wie vor ein Standort des politischen Dialogs - und zwar des Dialogs mit den UNO-Organisationen, den in Bonn verbliebenen Bundesministerien, den Nichtregierungs-Organisationen, den Entwicklungshilfeeinrichtungen und den Institutionen, die von Berlin nach Bonn umgezogen sind. Deshalb ist die bpb für das Netzwerk der Bonner Organisationen und Einrichtungen nach wie vor von großer Bedeutung.

bpb: Nach dem Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin wurde vielfach vor einem "Rutschbahneffekt" gewarnt: Auch die noch in Bonn verbleibenden Bundesministerien würden über kurz oder lang nach Berlin abwandern. Hat sich dies bestätigt?

Dieckmann: Es gibt keinen "Rutschbahneffekt". Es gilt das Berlin/Bonn-Gesetz von 1994, das bisher präzise eingehalten worden: Sechs Ministerien haben ihren ersten Dienstsitz in Bonn, die anderen arbeiten in Berlin. Zudem haben alle Bonner Ministerien einen zweiten Dienstsitz in Berlin. In den vergangenen zwei Jahren wurde die Anzahl der Mitarbeiter in den Berliner Ressorts erhöht. Das Gesetz sieht die Möglichkeit vor, dass bis zu 25 Prozent der Mitarbeiter der Bonner Ministerien in Berlin arbeiten können, und das wird ausgenutzt. Das Gesetz selbst wird nicht angetastet.

bpb: Bonn will sich als Standort für Bildung und Forschung etablieren. Ist dies gelungen?

Dieckmann: Wir sind auf diesem Weg weit fortgeschritten. Das Bundesinstitut für Berufsbildung ist in Bonn, ebenso UNEVOC, das UNESCO-Zentrum für Berufsbildung. Es gibt die Bonner Universität mit ihren wichtigen Einrichtungen wie das "Zentrum für Entwicklungsforschung" oder das "Zentrum für europäische Integrationsforschung", um nur einige zu nennen. Insofern haben wir in den vergangenen Jahren einen großen Schritt nach vorne gemacht. Es sind sicher noch einige Ergänzungen und Verbesserungen notwendig, und deshalb bewerben wir uns um den Sitz weiterer UNO-Organisationen.

bpb: Wieviele Arbeitsplätze sind im Rahmen des Ausbaus Bonns als Forschungs- und Bildungsstandort entstanden?

Dieckmann: In dieser Region studieren allein 150.000 junge Menschen. Es gibt 20.000 Professorinnen und Professoren, Dozentinnen und Dozenten. Heute stellt der Wissenschaftsbereich in der Region Bonn mit etwa 19.000 Arbeitsplätzen in wissenschaftlichen und wissenschaftsnahen Einrichtungen einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Davon ist ein wesentlicher Teil im Rahmen des Ausbaus Bonns als Bildungs- und Forschungsstandort neu geschaffen oder dauerhaft gesichert worden.

bpb: Welche Rolle könnte die bpb bei der Vernetzung der Bildungs- und Forschungseinrichtungen spielen?

Dieckmann: Die bpb spielt schon jetzt eine ganz wichtige Rolle. Bei der Konzeption ihrer Veranstaltungen und Materialien arbeitet sie eng mit den verschiedenen Institutionen zusammen. Die bpb erstellt ja nicht alle Angebote im Alleingang, sondern sie vernetzt sich und braucht die Zuarbeit durch Forschungsinstitutionen. Die bpb ist der Mittelpunkt eines solchen Netzwerkes, der gleichzeitig sein Wissen und seine Informationen wieder nach außen gibt.

bpb: Gibt es Impulse seitens der Stadt, um diese Zusammenarbeit zu stärken?

Dieckmann: Das ist eine Funktion, die wir nicht übernehmen können. Aber wir haben uns immer als Motor von Vernetzungen verstanden. Wenn im nächsten Jahr die große Konferenz zu Erneuerbaren Energien in Bonn stattfindet, dann wird die Stadt gemeinsam mit dem "Zentrum für internationale Zusammenarbeit" ein Begleitprogramm anbieten. Die Stadt fördert die Vernetzung mit Bildungsträgern, damit diese die Inhalte der Konferenz in ihre Programme aufnehmen. Dabei wird die Bundeszentrale eine ganz wichtige Rolle spielen.

bpb: Werden internationale Kongresse wie die Energiekonferenz und der Ausbau des Bildungs- und Forschungsstandortes die Internationalisierung Bonns fördern?

Dieckmann: Bonn war durch das Auswärtige Amt und die ausländischen Botschaften immer eine internationale Stadt. Jetzt ist es weniger ein Ort der staatlichen internationalen Politik - diese findet heute vorrangig in Berlin statt – als mehr ein Ort des internationalen Dialogs, der stärker inhaltlich orientierten internationalen Politik. In Bonn finden große Tagungen wie die Afghanistan-Konferenz statt. Aber auch große UNO-Konferenzen, wie die Süßwasser-Konferenz im vergangenen Jahr, und zwei große Weltklima-Gipfel wurden in Bonn abgehalten. Insofern hat sich der Schwerpunkt ein wenig verschoben - von der repräsentativen internationalen Stadt hin zu einer in Dialogforen arbeitenden internationalen Stadt.

bpb: Haben solche Konferenzen Einfluss auf die Bonner Stadtpolitik?

Dieckmann: Wir sind in alle Vorbereitungen zu Konferenzen und auch in die Konzeption der Rahmenprogramme eingebunden. 1999 hat die Stadt Bonn ein internationales Konzept verabschiedet, in dem es um Projektpartnerschaften mit jeweils einer Stadt auf allen Kontinenten geht. Hierbei kooperieren wir sehr eng mit den in Bonn angesiedelten Einrichtungen. Es war mir persönlich immer sehr wichtig, dass wir die Ansiedlung internationaler Organisationen nicht nur unter dem Aspekt zusätzlicher Arbeitsplätze sehen - das ist auch wichtig in einer Stadt, die durch den Umzug 21.000 Arbeitsplätze verloren hat. Wir müssen uns aber auch inhaltlich engagieren. Und da bietet Bonn mit einer interessierten und gut ausgebildeten Bevölkerung beste Voraussetzungen.

Interview: Sonja Ernst und Nicole Maschler


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